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Neuburg an der Donau

28.04.2015

„Der entsetzlichste Augenblick meines Lebens“

Verheerende Schäden hinterließ das Erdbeben vor allem in und um Kathmandu. Am Montagabend erhielt Fritz von Philipp erste Reaktionen aus Nepal.
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Verheerende Schäden hinterließ das Erdbeben vor allem in und um Kathmandu. Am Montagabend erhielt Fritz von Philipp erste Reaktionen aus Nepal.
Bild: Gautman Shakya

Der Neuburger Fritz von Philipp unterstützt soziale Einrichtungen in dem von einem Erdbeben erschütterten Nepal. Dazu gehört auch eine Physiotherapie-Station für behinderte Kinder in Kathmandu. Sein Kontaktmann vor Ort erzählt

Am Samstag um 11.56 Uhr Ortszeit erschütterte das bislang weltweit stärkste Erdbeben dieses Jahres die Gebirgsregion nordwestlich der nepalesischen Metropole Kathmandu. Bei mindestens einem Neuburger läuteten daraufhin sofort die Alarmglocken. „Unsere erste große Not war, herauszufinden, was in unseren Einrichtungen los ist“, sagte Fritz von Philipp gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Der 75-Jährige unterstützt seit vielen Jahren mit seiner Familienstiftung „Von-Philipp-Foundation“ Nepal. Zu den geförderten Einrichtungen zählen zwei Waisenhäuser in der Stadt Pokhara, eine Erste-Hilfe-Poliklinik in dem abgelegenen Bergdorf Syhauli Bazaar im Himalaya – und eine Physiotherapie-Einrichtung für behinderte Kinder im vor allem vom Beben betroffenen Kathmandu. Von Philipp ist derzeit dabei, zu klären, in wie weit diese Häuser von der Katastrophe betroffen sind. Das ist gar nicht so leicht, doch inzwischen hat er Nachrichten erhalten.

„Die Telefone vor Ort funktionieren nicht, aber innerhalb von fünf, sechs Stunden konnten wir per E-Mail herausfinden, dass den Kindern in Pokhara nichts passiert ist“, schildert von Philipp. Die Kinder und Studenten – ungefähr 140 Mädchen und Buben werden in den beiden Waisenhäusern versorgt – seien inzwischen in Zelten einquartiert worden, da sich keiner mehr traue, in den Gebäuden zu übernachten. Ansonsten seien in dieser Stadt aber lediglich zwei oder drei Hütten von Einheimischen eingestürzt. „Wir haben sehr viel Glück gehabt.“ Pokhara liegt laut von Philipp nur circa 100 Kilometer vom Epizentrum entfernt. „Das Gute für diese Stadt ist, dass sich die Wellen des Bebens nach Osten ausgebreitet haben.“ Auch in der Poliklinik gebe es seines Wissens nach keine Verletzten.

Doch rund 80 Kilometer östlich vom Epizentrum befindet sich die Großstadt und das Tal Kathmandu. Dort hat das Erdbeben erheblichen Schaden angerichtet. Von Philipp: „Die Verbindung nach Kathmandu, die ganze Infrastruktur ist sehr schlecht. Die Provider funktionieren nicht. Es gibt keinen Strom und kein Trinkwasser.“ Erst gestern Abend erhielt der Neuburger das erste Lebenszeichen aus Patan, dem Stadtteil von Kathmandu, in dem die Physiotherapie-Station steht. Der Nepalese Gautam Shakya, mit dessen Hilfe von Philipp und die Neuburger Rotarier die Station eingerichtet haben, schickte von Philipp eine E-Mail. Darin beschreibt er, wie stark Patan durch das Beben beschädigt wurde – und wie ihm dabei zumute war: „Es war der entsetzlichste Augenblick meines Lebens. [...] Ich bin sehr dankbar, heute einfach nur aufrecht zu gehen. Es geschah mit so einer Heftigkeit und über so einen langen Zeitraum hinweg, in dem ich Häuser einstürzen sah. Ich selbst befand mich in einem Gebäude, das ziemlich stark zerstört wurde. Ich hatte Glück und schaffte es hinaus. Aber es war noch nicht vorbei. Ich lief schnell nach Hause. Das Beben kam immer wieder, also gingen wir nicht hinein, sondern blieben die ganze Nacht draußen im Garten. Und die folgende Nacht ebenso. [...] Wir haben immer noch keine Elektrizität, auch die sanitäre Situation wird immer schlimmer. Und wir wissen nicht, was passiert – außer dem Bisschen, was wir aus dem Autoradio hören.“

Eines der größten Probleme in Nepal sei, so von Philipp, dass die Verbindungsstraße zwischen Pokhara und Kathmandu an verschiedenen Stellen unterbrochen sei. Dadurch sei die Versorgung der Betroffenen mit Lebensmitteln schwierig. Überhaupt treffe es gerade die Ärmsten: „Ihre Ziegelsteinhäuser sind einfach zusammengefallen. Es sind nur noch Häufchen übrig geblieben.“ Darunter seien viele Menschen verschüttet worden, die erst ausgegraben werden müssen. Deshalb werde es auch noch länger dauern, bis die tatsächliche Opferzahl bekannt sei.

Der Wiederaufbau werde nach Einschätzung von von Philipp Jahrzehnte dauern. Dabei ist Nepal auf externe Hilfe angewiesen. „Alleine lässt sich so eine Katastrophe nicht bewältigen.“ Jetzt seien Wasser, sanitäre Anlagen und Ärzte gefragt. Man müsse zwischen Soforthilfe und längerfristigen Hilfsprogrammen unterscheiden. Auch der Neuburger will helfen: „Wir haben viele Kontakte in Kathmandu und können das Geld dorthin weiterleiten, wo es am meisten gebraucht wird. Wir dürfen das Land jetzt nicht nur bedauern, sondern müssen uns dazu durchringen, wirklich zu helfen.“ Am besten mit Spenden. Auch Gautam Shakya bittet am Ende seiner E-Mail um Hilfe: „Für den Moment sind meine Familie und ich in Sicherheit. Aber es gibt Landsmänner, denen es nicht so gut geht. Ein bisschen zusätzliche Unterstützung würden wir sehr zu schätzen wissen.“

Spendenkonto Wer helfen möchte, überweist bitte Geld auf das Konto: 333 308 444, BLZ 721 221 81, HypoVereinsbank Neuburg.

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