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Neuburg/Ulm

26.02.2015

Deutsche Donau: Ein Prestigeverlust

Der Tourismusverband „Deutsche Donau“ wandert flussaufwärts. Neuburg verliert damit an Einfluss und Prestige.
Bild: Bastian Sünkel

Stadt und Landkreis verlieren nach 27 Jahren den Geschäftssitz der „Deutschen Donau“. Ab Mai wird der deutsche Teil des Stroms von Ulm aus vermarktet

In Ulm spielt künftig die Musik an der „Deutschen Donau“ – zumindest in Touristikerkreisen. Nach 27 Jahren muss Neuburg den Geschäftssitz der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) abgeben.

Mit 175000 Einwohnern ist die Doppelstadt Ulm/ Neu-Ulm an der bayerisch-württembergischen Grenze der größte Siedlungsschwerpunkt am Fluss. Und bald auch der einflussreichste. Ab 1. Mai werden dort sämtliche Fäden in Sachen Donautourismus gezogen. In ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung fiel die Entscheidung mit 23:4 Stimmen für das gemeinsame Konzept der Ulm/Neu-Ulm Touristik (UNT) und des Donaubüros. „Ein Schritt auf dem Weg zur Donauhauptstadt“, kommentiert Wolfgang Dieterich, der Geschäftsführer der UNT. Den Ausschlag gegeben hat nach seiner Ansicht die Tatsache, dass eine neue 100-Prozent-Kraft für die Leitung der Geschäftsstelle eingestellt werden soll. Der UNT werde von den Mitgliedern zugetraut, dass sie mit ihrer langjährigen touristischen Kompetenz die neue Geschäftsstelle gut einbinden und mit den großen touristischen Akteuren vernetzen könne. Die Tourismusorganisationen der beiden Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg schnüren derzeit mit der Deutschen Zentrale für Tourismus ein umfangreiches Werbepaket, das ab April den deutschen Donauabschnitt als „Junge Donau“ international bewerben soll. 200000 Euro stehen dafür zur Verfügung.

Eine Personaldebatte war der Auslöser für den Umzug

„Bedauerlich“ findet dagegen Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling das Votum. „So schlecht war unsere Arbeit in den vergangen 27 Jahren nicht. Ich kann die schwäbische Perspektive verstehen, Ulm liegt strategisch günstig an der jungen Donau. Aber die ganze Diskussion wäre nicht aufgekommen, wenn es keine Personaldiskussion gegeben hätte“, spielt der Rathauschef auf den Rückzieher des Landkreises an. Der bisherige ARGE-Geschäftsführer Uly Koch geht im Mai in den Ruhestand. Nach Willen von Landrat Roland Weigert soll dessen Nachfolger sich verstärkt um Wirtschaftsförderung kümmern und sein Büro nicht mehr in der Tourist-Information der Oberen Altstadt, sondern im Landratsamt beziehen. Kapazitäten für die „Deutsche Donau“ waren in dieser Planung nicht vorgesehen. Dabei sei Neuburg als Sitz der „Deutschen Donau“ sogar in der Satzung festgeschrieben, betont Gmehling.

Die Unstimmigkeiten zwischen Stadt und Landkreis hat man sich in Ulm zunutze gemacht und kräftig Lobbyarbeit betrieben. Hauptaufgabe eines neuen hauptamtlichen Donauwerbechefs soll es sein, dass „Hauptprodukt“ der Donau zu pflegen. Und das ist der Donauradwanderweg, einer der bekanntesten und best ausgebautesten Fahrradwege, der von der Donaueschingen bis Passau führt. Weitere Aufgabe ist die Weiterentwicklung des Bootswanderführers, was künftig von Ulm aus koordiniert werden soll. Wie Wolfgang Dieterich betont, erhofft sich die UNT insbesondere durch das Vorhandensein zahlreicher Ulmer Donaukontakte eine Förderung des Tourismus. Durch Ulms neue Rolle als Drehscheibe des Donautourismuses darf die Münsterstadt aber nicht nur auf ihre Interessen schauen, jeder der 647 der insgesamt 2800 Kilometer, die die Donau durch Deutschland fließt müsse gefördert werden, verspricht Dieterich. Schließlich wird „Deutsche Donau“ von etwa 50 Städten und Landkreisen finanziert.

Ungeachtet des Prestigeverlusts in der Branche werde der Tourismus in Neuburg weiter eine wichtige Rolle spielen, ist OB Gmehling überzeugt. „Ob mit oder ohne Geschäftsstelle, wir sind gut aufgestellt.“ Zudem hoffe er, dass zumindest eine Synergie Bestand haben und Roswitha Zach weiter zum Tourist-Info-Team um Geschäftsführerin Marieluise Kühnl und Christiane Dusse zählen werde. Diese Halbtagesstelle zahlt nämlich der Landkreis.

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