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Konzert

17.01.2019

Diabolische Klänge in Ingolstadt

Virtuos: Sergei Nakariakov überzeugte beim Georgischen Kammerorchester Ingolstadt.
Bild: Johannes Seifert

Das Georgische Kammerorchester und Solist Sergei Nakariakov spielen sich in der neuen Abo-Reihe in einen Klangrausch. Wie der Russe das Publikum überzeugt.

Das 2002 komponierte Werk „ad absurdum“ für Trompete und Kammerorchester des Münchner Komponisten Jörg Widmann stand im Mittelpunkt des Auftaktkonzertes der neuen Abo- Saison des Georgischen Kammerorchesters (GKO). In diesem Werk werden auf engem Raum, in heiterem Tonfall die Protagonisten in immer ausweglosere Situationen „ad absurdum“ geführt. „Was in meiner sehr frühen ‚Kreisleriana’ für Violine und Orchester noch als Spiel kontrastierender Teile begann, ist in ‚ad absurdum’ zu einem ununterbrochenen Sechzehntel-Puls kondensiert worden“, erläutert der Komponist in seinem Werkkommentar.

Schnell sind die Tempi, manchmal rasant, fast diabolisch. Energetisch aufgeladen drängt die Musik vorwärts, mit lebhaftem Puls, der Zukunft zugewandt. Doch kann man solch ein mit Lärm überzogenes Werk so interpretieren, dass ein Konzertpublikum daran Gefallen findet? Eher nicht. Hier sind zu viele Dissonanzen, agogische Unreinheiten, tonale Extreme notiert. Solch eine Art von Musik kann niemals zur liebenswerten Überraschung werden. Genau hier setzt der Komponist an. Er will den Puls der Zeit, die Hektik, den Lärm der Welt zum Ausdruck bringen. Dies gelingt ihm in bemerkenswerter Manier.

Nakariakov setzt technische Maßstäbe

In höchst anspruchsvollen Passagen geben sich Orchester ein grandioses Percussions-Register, bestens untermalt von einer Drehorgel und der ausgezeichnete Solist diesem Wirrwarr an Tönen hin – es gelingt, vor allem wegen der ausgezeichneten Führung von Ruben Gazarian, eine bravouröse Darbietung. Sergei Nakariakov spielt unangestrengt, leicht und ist als Solist überzeugend. Vor allem in technischer Hinsicht setzt er Maßstäbe. Dafür werden er – und das konzentriert wirkende Orchester – vom Publikum zu Recht gefeiert.

Beim weiteren Solistenstück des Abends, Mozarts Konzert für Horn und Orchester Nr. 4 von 1786, erfreut Nakariakov durch gefühlvolle Tonalität. Er spielt eindrucksvoll auf dem Flügelhorn und entwickelt vor allem im Mittelsatz eine wohlklingende, poetisch anmutende Waldhorn-Romanze, um dann im Schlusssatz die Provenienz des Flügelhorns als Instrument der Jagd herauf zu beschwören. Im Werkverlauf und bei den beiden Haydn- Sinfonien, Nr. 34 in d-moll und Nr. 22 in G-Dur, verdeutlicht das Georgische Kammerorchester einmal mehr, wie angenehm, schlicht, dynamisch ausgewogen und homogen es musizieren kann.

Nakariakov gilt als Paganini der Trompete

Sergei Nakariakov begann seine Laufbahn am Klavier. Nach einer Rückenverletzung 1986 wechselte er in ein Trompetenstudium. Bereits Anfang der 90er Jahre debütierte er bei den Salzburger Festspielen; er konzertierte mit Partnern wie Evgeny Kissin und Martha Argerich. Der Gewinner verschiedenster Musikpreise gilt als „Paganini der Trompete“. Und das ist keine Plattitüde.

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