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Ingolstadt

14.05.2020

Die Direktorin des Museums für Konkrete Kunst im Interview

Dr. Simone Schimpf ist Direktorin des MKKD in Ingolstadt.
Bild: J. Seifert

Plus Die Museumsdirektorin des MKKD in Ingolstadt spricht über aktuelle Entwicklungen. Das Haus öffnet wieder zum Museumstag am Sonntag. Welche Museen sich anschließen.

Dr. Simone Schimpf ist Museumsdirektorin des weit über Ingolstadt hinaus bekannten Museums für Konkrete Kunst und Design (MKKD). Derzeit wird auf dem ehemaligen Gießereigelände auf Hochtouren gearbeitet, damit das neue Domizil Ende 2022 eröffnet werden kann. „Wir setzen uns ein“, so Dr. Simone Schimpf im Gespräch mit der Neuburger Rundschau, „dass mit dem Museumsbau ein einzigartiger Treffpunkt für Ingolstadt und die Region, ein kultureller Bildungs- und Erlebnisort und damit ein wichtiger Baustein zur Weiterentwicklung der Stadt an der Donau entstehen kann“. Das MKKD, derzeit noch in der Tränktorstraße ansässig, öffnet am 17. Mai, zum „Internationalen Museumstag“ die Pforten. Wir konnten mit der Museumsdirektorin vor Ort über die weitere Entwicklung des MKKD sprechen.

Welche konkreten Projekte stehen nach der Öffnung ab 17. Mai an?

Dr. Simone Schimpf: Wir eröffnen zum „Internationalen Museumstag“ am Sonntag, 17. Mai. Anders als vor der Corona-Krise geplant, werden keine Veranstaltungen, Führungen oder Workshops in der nächsten Zeit möglich sein. Der Museumsbesuch ist nur als Individualbesuch im Rahmen der eigenen Familie möglich. Unser Haus wird für 35 Besucher gleichzeitig geöffnet sein. Statt einer Führung am Sonntag werden wir ein „Kunsttelefon“ anbieten. Die Besucher bekommen eine Nummer mitgeteilt, die sie während ihres Rundgangs über ihr eigenes Handy anrufen können. Unsere freien Mitarbeiterinnen werden dann Werke spontan erklären oder Hintergründe liefern. Eine etwas andere Führung als sonst, aber ziemlich individuell und sicherlich sehr unterhaltsam! Außerdem werden wir in unserem Erdgeschoss ab 6. Juni eine Sammlungsausstellung mit dem Titel „Hidden Treasures“ zeigen. Auch dort wollen wir unseren Besuchern Informationen über Texte, Audioformate und Telefonate anbieten. Darüber hinaus entwickeln wir für unsere beliebten Formate wie „Sonntags-Kunst!“, digitale Alternativen. Wir lassen gerade „Erklär-Filme“ produzieren, die zumindest zuhause einen Workshop ermöglichen. Für den Museumstag haben wir einen Bastelbogen erdacht, den jeder Interessierte online beziehen kann.

Sind die Hygiene-Vorschriften umsetzbar?

Schimpf: Die Hygienevorschriften entsprechen denen von Geschäften. Das lässt sich in Museen in der Regel sehr gut umsetzen, wo man in der Regel sowieso nichts anfassen soll… Wir haben an der Kasse eine Schutzscheibe einbauen lassen, Abstände davor werden markiert, es stehen Desinfektionsbehälter zur Verfügung und die Reinigungsfrequenz für alles, was berührt wird, ist erhöht und auf die Situation hin angepasst worden.

Sie arbeiten immer wieder am Depot, dort sind viele Kunstwerke, die bisher noch nicht präsentiert wurden.

Schimpf: Nach dem Depotbrand 2018 läuft eine riesige Restaurierungskampagne im Hintergrund. Einige unserer Schätze möchten wir zeigen und Lust auf mehr machen. Im Depot wird durchgängig viel gearbeitet. Dort ist genügend Platz, so dass sowohl die Kollegen als auch die externen Restaurierungsfirmen gut wirken können. Nach dem Brand müssen über 4000 Kunst- und Designwerke gesichtet, dokumentiert und neu verpackt werden. Danach muss alles mit Standorten versehen und in die Datenbank eingegeben werden. Wir sind noch auf Jahre mit den Nacharbeiten beschäftigt, aber es ist ganz erstaunlich was wir in den letzten 1,5 Jahren schon geschafft haben. Es bietet sich die Chance, die Sammlung ganz neu zu entdecken. Das wollen wir auch mit der Ausstellung sichtbar machen.

Sind die Baumaßnahmen am MKKD durch die Corona-Krise beeinträchtigt?

Schimpf: Der Bau läuft bisher wie geplant weiter. Das Baugewerbe ist generell wenig von den Corona- Einschränkungen betroffen. Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2022 das neue Museum auf dem Gießereigelände eröffnen. Es wird dort ein einzigartiges Kunst -und Designmuseum entstehen. Für das Publikum ist das noch wenig wahrnehmbar. Deshalb planen wir gerade ein Lichtkunstprojekt für die Westfassade. Dann wird am Neubau schon dauerhaft Kunst erlebbar und die zukünftige Nutzung deutlich. Auch die Atmosphäre am neuen Standort wird sich durch Kunst im öffentlichen Raum verändern. Im Moment ist diese Ecke noch wenig belebt. Mit nächtlichen Projektionen auf der Fassade könnte hier ein neuer Anziehungspunkt – mit entsprechenden Abständen versteht sich – entstehen.

Diese Ingolstädter Museen öffnen ebenfalls ihre Pforten

Die Ingolstädter Museen dürfen ab Sonntag, 17. Mai („Internationaler Museumstag“) wieder öffnen – unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften. An diesem Tag ist der Eintritt in alle Museen frei. Im Deutschen Medizinhistorischen Museum kann die Sonderausstellung „scheintot“ besichtigt werden und der Heilpflanzengarten. Das Stadtmuseum Ingolstadt lockt mit einer ur- und frühgeschichtlichen Abteilung. Dank ihrer mittelalterlichen und nachmittelalterlichen Geschichte als Residenzstadt und Sitz der bayerischen Landesuniversität kommt der im Stadtmuseum dokumentierten Stadtgeschichte überörtliche Bedeutung zu. Das Bauerngerätemuseum in Hundszell zeichnet ein lebendiges Bild vom tiefgreifenden Wandel der Landwirtschaft in den letzten 200 Jahren. Im Alf-Lechner-Museum kann die Ausstellung „Rot trifft Stahl“ besichtigt werden. Dort wird ein digitales Sonderprogramm „Das Museum für alle – Museen für Vielfalt und Inklusion“ geboten. Auch das Bayerische Armeemuseum und das Museum im Audi-Forum öffnen wieder. Das Kelten- und Römer- Museum in Manching hat seit 12. Mai offen, Veranstaltungen finden dort aber vorerst nicht statt.


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