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21.03.2017

Die Einheit der Gegensätze

Kathrin Pechlof spielte die Harfe mit inniger Empathie und Konzentration.
Bild: Tobias Böcker

Benjamin Schäfer undBand im Birdland

Gegensätze: Leise und laut, melodiös und atonal, Piano und Harfe, Quiet Fire eben, nach außen ruhig, im Innern heiße Glut. Die kann jäh hochlodern, wenn ein Hauch sich erhebt, wenn die Ruhe irritiert wird und erst nach einiger Zeit der Aufruhr die Oberhand wieder gewinnt. Mit Benjamin Schäfer und seiner Band war ein außergewöhnliches Quintett im Neuburger Birdland zu erleben. Dies allein schon, weil sich zum klassischen Jazzquartett eine Harfe gesellt hatte mit gläsern zauberhaftem Klang.

Kathrin Pechlof spielte sie mit ungemein inniger Empathie und Konzentration, ganz eins mit der Band. Sie gab dem Geschehen einen mal vitalisierend sprudelnden, mal kontemplativen Touch. Das korrespondierte lebendig mit dem Piano Schaefers. Der primus inter pares der Band spielte den Flügel mal volltönend und überbordend, mal sanft und wie verloren. James Wylies Altsaxophon brachte die Gegensätzlichkeit auf den Punkt. Sein vibratoloser Ton erinnerte an die große Ära des Cool-Jazz. Der Neuseeländer reiht sich ein in die junge Riege zeitgenössischer Saxophonisten der freien Form. Neben sanften Melodien, neben friedvoller Freude und sanftem Fluss erklangen grelle Schreie, harte Kanten und lodernde Kaskaden. Auch Igor Spaletti am Bass hielt zwei Enden in der Hand: auf der einen Seite schwirrende Schwebe con arco, auf der anderen im pizzicato erdenschwere Kraft. Max Andrzejewski glänzte dazu durch feinste Dosierung und wahren Melodienzauber am Schlagzeug.

So verwundert es nicht, dass die teils weit auskomponierten Stücke ausgesprochen vielgestaltig daherkamen, irritierten und irrisierten in ständigem Wandel. Nicht von ungefähr prophezeite Benjamin Schaefer zu einer Komposition von Eric Satie, der einige seiner Werke „Möbelmusik“ nannte, man wolle die Möbel ein wenig verrücken. Das ist wahrlich gelungen von Icarus bis Nautilus, vom Flug durch die Himmel bis zur Reise unter den Meeren, vom Schrecken des Absturzes bis zum Herzensruhe vermittelnden Mantra. Die Moritat ließ ganz zum Schluss gar noch einen A cappella-Chorsatz hören. Alles in allem ein Abend voller Spannung, verbunden mit der Einsicht: Es sind die Gegensätze, die Anziehung bewirken. (tb)

Einen Mitschnitt des Konzerts sendet BR-Klassik am 16. Mai um 23.05 Uhr.

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