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15.03.2012

Die Gelbe Tonne kommt

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Anton Krammer (rechts) übergab eine Unterschriftenliste an Weigert, die die SPD tags zuvor auf einem Neuburger Wertstoffhof gesammelt hatte.
Bild: Stegmann

Kreistag entscheidet sich mit überraschend deutlicher Mehrheit von 31:22 Stimmen für ein Holsystem im Landkreis. Folgen für die Wertstoffhöfe sind noch offen

Die Würfel sind gefallen: Ab 2013 werden im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen Gelbe Tonnen aufgestellt. Die sind verpflichtend für alle Haushalte – auch wenn es Landrat Roland Weigert etwas beschönigend formulierte: „Die Gelbe Tonne ist freiwillig. Sie müssen sie nicht nehmen. Aber Sie haben dann keine Möglichkeit mehr, die Leichtverpackungen auf den Wertstoffhof zu bringen. Stattdessen können Sie sich eine Tonne mit dem Nachbarn teilen.“ Es war wohl die Anspannung, die aus ihm sprach, während er sich die „Schlussplädoyers“ jener Kreisräte anhörte, die sich auch auf den letzten Metern vehement gegen eine Gelbe Tonne wehrten.

Zu den Gegnern gehörte geschlossen die SPD-Fraktion. Deren Sprecher Anton Krammer verwies auf die gut ausgebaute Wertstoffhofinfrastruktur, die man zugunsten der Gelben Tonne nicht einfach aufgeben dürfe. Dass dies im wahrsten Sinne des Wortes auch viele Bürger so unterschreiben würden, bewies Krammer mit einer Unterschriftenliste, die er gestern vor der Abstimmung an Weigert übergab. 339 Besucher des Wertstoffhofes in der Neuburger Krautgasse haben sich tags zuvor in die Liste eingetragen, weil sie die Wertstoffhöfe in ihrer derzeitigen Form behalten wollen.

Doch nach den Worten von Landrat Weigert sei die Schließung von Wertstoffhöfen mitnichten beschlossene Sache. Dass im Landkreis 14 Standorte komplett aufgelöst und die Öffnungszeiten der verbleibenden 20 reduziert werden sollen, sei lediglich ein Szenario. Es sei jetzt Aufgabe des Werkausschusses, sich mit der Notwendigkeit jedes einzelnen Wertstoffhofes auseinanderzusetzen.

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Ein Plädoyer gegen die Gelbe Tonne hielt auch OB Bernhard Gmehling. Im Gegensatz zur SPD war es der CSU nicht gelungen, an einem Strang zu ziehen. Gmehling blieb seiner Überzeugung aber treu und stimmte gegen das Holsystem – vor allem deshalb, weil auch mit der Gelben Tonne regelmäßige Fahrten auf den Wertstoffhof notwendig seien, nämlich für Glas und Haushaltskunststoffe. Insgesamt zwölf Gegenargumente führte er ins Feld, um seine Entscheidung zu untermauern, angefangen von Platzproblemen mancher Bürger bis hin zu Befürchtungen, dass die Gelbe Tonne am Ende die Müllgebühren kräftig steigen lasse.

Im Gegensatz dafür war sich Fraktionskollege Alois Rauscher sicher, dass die Tonne das ist, was die Mehrheit der Menschen im Landkreis will. Er sprach für die Gruppe der Unionsmitglieder, die einer Gelben Tonne zustimmten. „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir damit eine höhere ökologische Wertschöpfung haben“, sagte er. Dagegen wäre der Wertstoffsack im Bringsystem ein Rückschritt für den Landkreis.

In die Kerbe schlugen auch Lothar Klingenberg (FDP) und Hans Scholz (Freie Wähler). Beide Fraktionen standen von Anfang an geschlossen hinter der Gelben Tonne. „In allen Landkreisen, in denen es einen Gelben Sack oder eine Gelbe Tonne gibt, protestiert niemand dagegen“, wollte Klingenberg wissen. Er war davon überzeugt, dass die Tonne vielen Bürgern im Landkreis gelegen käme.

Über eine Stunde lang wurden so die Argumente ausgetauscht, bis Klaus Brems von den Freien Wählern den Antrag stellte, die Diskussion darüber sofort einzustellen. Stattdessen sollte endlich abgestimmt werden. Daraufhin wurden alle 53 anwesenden Kreisräte namentlich aufgerufen und mussten sich mit „Ja“ oder „Nein“ für oder gegen die Gelbe Tonne aussprechen.

Mit 31:22 Stimmen viel am Ende das Ergebnis überraschend eindeutig aus. Hätte das Klaus Brems geahnt, hätte er mutmaßlich die Diskussionsrunde bereits zu einem früheren Zeitpunkt beenden lassen. Aber er musste auf seinen Fraktionskollegen Hans Günter Huniar und damit auf eine für die Freien wichtige Stimme warten. Huniar kam zu spät, weil er mit dem Radl ins Landratsamt gefahren war – nicht wissend, dass der Kreistag gestern im Haus im Moos tagte.

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