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Neuburg/‘Donau

06.03.2018

Die Hemmschwelle sinkt weiter

Nicht nur, aber nicht zuletzt auch gegen Polizeibeamte lassen immer mehr Menschen den Respekt vermissen. Davon sind auch die Polizisten im Geltungsbereich der Inspektion Neuburg betroffen.
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Nicht nur, aber nicht zuletzt auch gegen Polizeibeamte lassen immer mehr Menschen den Respekt vermissen. Davon sind auch die Polizisten im Geltungsbereich der Inspektion Neuburg betroffen.
Bild: Alexander Kaya

Bei  einem Einsatz am Bahnhof in Neuburg wurden wieder einmal Beamte angegriffen und verletzt. Auch gegenüber Polizistinnen wird keine Rücksicht genommen.

Ihren Einstand bei der Polizeiinspektion in Neuburg hätte sich eine junge Beamtin wohl anders vorgestellt. Frisch von der Ausbildung gekommen, hatte die Frau am Sonntag gerade ihren vierten Tag im Einzeldienst, als sie und ein Kollege kurz nach Mittag zum Bahnhofsplatz gerufen wurden. An einem dortigen Kiosk wollte ein Mann aus Neuburg seine Zeche nicht bezahlen. Wie der Einsatz endete? Beide Polizeibeamte wurden verletzt und den 34-Jährigen erwarten nun gleich mehrere Ermittlungsverfahren: Widerstand gegen und Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Beleidigung und Zechbetrug.

Der Fall in Kürze: Mann trinkt, zahlt nicht, Polizei kommt, Mann verweigert Angabe seiner Personalien, beleidigt die Beamten, schubst sie, will flüchten, wird überwältigt und gefesselt. Auf dem Weg zum Streifenwagen erneut Beleidigungen mit nicht druckreifen Worten. Als er ins Fahrzeug verfrachtet werden soll, tritt er schließlich mit den Füßen gezielt gegen die Polizisten, verletzt ihn an der Hand und sie leicht im Gesicht. Ein Alkoholtest auf der Dienststelle ergibt später einen Wert von 1,25 Promille.

Es gehe schon länger nicht mehr nur um Beleidigungen, sagt Norbert Bachmaier. „Wenn wir die alle anzeigen würden, hätten wir um ein Vielfaches mehr an Delikten.“ Nein. Der Einsatz am Sonntag sei vielmehr nur ein weiterer Beleg dafür, dass Täter sich immer heftiger widersetzen würden. „Wer gezielt mit den Füßen gegen den Kopf tritt, nimmt bewusst auch schwerere Verletzungen seines Gegenüber in Kauf“, erklärt der Leiter der Polizeiinspektion in Neuburg. Und umso mehr Alkohol oder Drogen im Spiel seien, um so brachialer die Gewalt. Da gebe es dann selbst gegenüber jungen Frauen keine Hemmschwelle mehr, wie der Vorfall am Sonntag zeige. „Ich stelle mich da der Realität und sage: Das wird auch nicht mehr besser.“

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Möglicherweise sei dies aber auch nur ein subjektives Gefühl, meinte Norbert Bachmaier gestern am anderen Ende des Telefons. Die objektiven Zahlen würden da häufig etwas anderes aussagen. Deshalb fragte er später die Statistik ab und rief noch einmal zurück. „Das Gefühl hat mich da jetzt doch nicht getäuscht“, meinte der PI-Chef, als er die Daten von 2016 mit 2017 verglichen hatte. Waren vor zwei Jahren noch 28 tätliche Angriffe mit Körperverletzungen und inklusive übler Beleidigungen gegenüber den Polizeibeamten zur Anzeige gebracht worden, waren es vergangenes Jahr bereits 46 Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte im Bereich der PI Neuburg. Dieser traurige Trend zeige sich aber nicht nur gegenüber Polizeibeamten oder anderen Rettungskräften. Den sinkenden Respekt spürten zunehmend auch die Angestellten im öffentlichen Dienst, sei es in der Stadtverwaltung oder am Landratsamt.

Um die bayerischen Polizeibeamten besser schützen zu können, läuft seit Ende 2016 in Rosenheim, München und Augsburg ein Pilotprojekt. Wie es aus dem Innenministerium heißt, hätten sich die getesteten Körperkameras, sogenannte Body-Cams, in jeder Hinsicht bewährt. Aufgrund der deutlich erkennbaren Videoüberwachung gebe es offenbar eine höhere Hemmschwelle, Polizeibeamte anzugreifen. Ab 2019 sollen zunächst vor allem die Polizeiinspektionen ausgerüstet werden, die am stärksten von Gewalt gegen Polizeibeamte betroffen sind. Dazu gehört die in der Stadt Neuburg trotz der steigenden Fallzahlen allerdings noch nicht.

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