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13.05.2015

Die Kirche gab der Straße ihren Namen

Heilig-Geist wertet gesamte Untere Vorstadt auf

In Abstimmung mit der katholischen Stadtpfarrkirchenstiftung hat der Stadtrat am 4. September 1984 entschieden, dass der Eigentümerweg unmittelbar um die Kirche als „Weg an der Heilig-Geist-Kirche“ bezeichnet wird.

Ohne die Heilig-Geist-Kirche wäre die Untere Vorstadt ein Stück ärmer, sie wäre nur das architektonische Stiefkind gegenüber der Oberen Stadt auf dem Berg mit Schloss, Hofkirche, St. Peter, Rathaus und vielen historischen Bürgerhäusern. Auch gegen die Obere Vorstadt zwischen Oberem Tor, Seminar und Kloster St. Wolfgang müsste ohne Hl. Geist die Untere Vorstadt zurücktreten. So aber ist diese Kirche für diesen Stadtbereich gewissermaßen das zusammenhaltende architektonische Werk, welches auch für die Geschichte dieses Stadtteils repräsentativ ist.

Die Heilig-Geist-Kirche bildet innerhalb der alten Sternschanze den markanten östlichen Abschluss. Hohe Linden und ein gepflegter Rasen umgeben sie im Westen, Norden und Osten, die Stätte des 1839/70 aufgelassenen unteren Friedhofs. Der schlanke, stattliche Turm zeichnet sich durch seine kräftige, harmonische Gliederung, die farbenfrohe Bemalung und den eleganten Aufbau aus; unten drei quadratische Geschosse, die durch Doppelpilaster-Dreiecksgiebel und hervortretende Profilgesimse gegliedert sind; das überhöhte Glockengeschoß ist an den Ecken abgeschrägt, den Abschluss bilden zuerst eine welsche Haube, dann eine oktogonale Laterne, darauf Zwiebel mit Kugel. Das an die Westfront der Kirche angebaute Heilig-Geist-Bürgerspital war Ausgangssituation für Patrozinium und Bau der Kirche.

Im Inneren erlebt man eine lichtdurchflutete, hohe Halle, deren weitgespannter Triumpfbogen von allen Plätzen den Blick in den Chor und zum imposanten Hochaltar freigibt. Von allen Stellen kann man das interessante Deckengemälde von Matthias Zink (1726) – darstellend die sieben Gaben des Heiligen Geistes und die Krönung Mariens –, die gemalten Kreuzwegbilder von Johann Chrysostomus Wink (1769) sowie die Bilder der zwölf Apostel (vermutlich etwa 1889) betrachten. Es ist ein religiöser Raum, der befreiend wirkt und Herz und Seele mit Freude erfüllt. Er lädt zum Mitsingen und Mitbeten ein. Und wenn an Festtagen vom Kirchenchor ein gesungenes Amt mit Musik erklingt und sich die Weihrauchwolken am Altar in die Höhe ringeln – dann bilden Kirchenausstattung, Raum und Musik und die liturgische Gottesdienstfeier eine Einheit, die nach dem „Gehet hin in Frieden“ jeden Gläubigen beglückt entlässt.

Der mächtige Hochaltar mit seinem viersäuligen Aufbau und zum Teil schräg gestellten Pilastern füllt den Chorschluss ganz aus. Man sieht dort die überlebensgroßen Holzfiguren der Heiligen Augustinus, Ulrich, Karl Boromäus und Dominikus, Arbeiten des Joseph Anton Breitenauer, der auch in der Hofkirche gewirkt hat. Oben im Auszug die Marienkrönung durch die heilige Dreifaltigkeit, umgeben von Engeln und Jesuitenheiligen. Dieser um 1750 vom Dekan Dominikus Beck gestiftete und vom Eichstätter Hofbildhauer Mathias Seybold zeichnerisch entworfene Altar kann als gutes Werk des Spätbarock bezeichnet werden.

Dr. Josef Heider in: Festschrift „250 Jahre Hl.-Geist-Kirche“, 1975; Thomas Götz, Markus Nadler, Marcus Prell, Barbara Zeitelhack: Kleine Neuburger Stadtgeschichte, Pustet, 2012; Stadtratsprotokoll 4. September 1984.

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