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Burgheim

05.10.2020

Die Staatsmedaille für Umweltschutz 2020 geht nach Burgheim

Staatsminister Thorsten Glauber überreichte die Umwelt-Staatsmedaille 2020 an Dr. Pauline Abt.
Bild: Staatsministerium für Umwelt und Naturschutz

Plus Die Staatsmedaille für Umweltschutz 2020 geht an die Burgheimerin Dr. Pauline Abt. Für die Medizinerin ist schon lange klar, wenn die Natur leidet, leidet auch der Mensch. Deshalb nahm die heute 98-Jährige die Sache in die Hand – buchstäblich beim Krötenschleppen.

Für ihre „besonderen Leistungen“ im Natur- und Umweltschutz hat Staatsminister Thorsten Glauber bei einem Festakt in München der Burgheimerin Dr. Pauline Abt die Staatsmedaille 2020 überreicht. Diese Ehrung ist nach jahrzehntelanger Arbeit für eine gesunde, möglichst intakte Umwelt wohl mehr als verdient, auch wenn die bald 98-jährige Medizinerin davon selbst sehr überrascht war, wie sie im Gespräch erzählt.

Pauline Abt, die sich geistig absolut frisch präsentiert, hatte schon immer das Gefühl: Wird die Natur krank, so werden es auch die Menschen – also ihre Patienten. Den Anstoß dazu, dass sie sich gerade als Medizinerin für eine gesunde Umwelt einsetzen musste, gab ihr die Lektüre eines 1963 erschienenen Buches, „Der stumme Frühling“ von Rachel Carson. „Dieses Buch hat mir die Augen geöffnet“, so erinnert sich Pauline Abt.

Medizinerin pachtete Flächen für den Umweltschutz

Auf den Feldern und in den Gärten immer weniger Vogelgezwitscher, ein schleichendes Verschwinden vieler Arten, kaum noch sichere Lebensräume für Insekten oder Amphibien – all das wollte die Medizinerin nicht einfach so hinnehmen. Sie pachtete um Burgheim herum Flächen mit naturnahem Sandmagerrasen und sicherte den langfristigen Schutz dieser Areale. Pauline Abt kümmerte sich um Feuchtsenken in den Auwäldern, wo noch der sehr seltene Kreuz-Enzian, der Frauenschuh und diverse Orchideenarten zu finden waren. Auch diese Flächen pachtete sie und sorgte dafür, dass sie „bis heute im Sinne des Naturschutzes und damit ganz in Ihrem Sinne gepflegt werden“, wie Minister Glauber in seiner Laudatio sagte.

Es freut Pauline Abt besonders, dass der Naturschutz auf den von ihr gepachteten Flächen auch in Zukunft gesichert ist. Denn Schwiegersohn Dr. Sebastian Zitzmann, mit seiner Frau Dr. Doris Zitzmann in der Gemeinschaftspraxis als Allgemeinarzt tätig, sorgt für den Erhalt dieser wertvollen Areale. Im Marktgemeinderat ist er zudem der Beauftragte für den Umweltschutz.

Pauline Abt rettete mit ihren Aktionen tausende Kröten

Das Herz von Pauline Abt schlägt seit vielen Jahren nicht nur für gefährdete Pflanzen, sondern auch für ökologisch bedeutende Geschöpfe wie Kröten, Frösche und nicht zuletzt für die Störche, die fast so etwas wie ein Burgheimer Wahrzeichen sind. Über Jahrzehnte kümmerte sie sich um diese majestätischen Vögel, beobachtete genau, wann sie kamen, ob sie brüteten, wie es den Jungstörchen erging, alles wurde aufgeschrieben und erfasst. Ihr zu Ehren wurde eine Storchenmutter, die immer wieder nach Burgheim kam, auf „Pauline“ getauft. „Das hat mich gefreut und freut mich bis heute“, schmunzelt die Namensgeberin beim Gespräch in ihrem mit unzähligen Büchern und Zeitschriften gefüllten Wohnzimmer.

Belächelt für ihr Engagement wurde Pauline Abt nie, erzählt sie mit einem gewissen Stolz. Bei anderen Pionieren des Umweltschutzes war dies sehr wohl der Fall, als Artenvielfalt oder Ökologie noch keine Modewörter waren. Pauline Abt jedoch fand sofort tatkräftige Helfer. Zum Beispiel bei der Rettung von Kröten oder Fröschen auf dem Weg zu den Laichplätzen. Auf der Fahrt zu einem Patienten in Hollenbach sah Pauline Abt vor vielen Jahren, dass auf der Straße reihenweise überfahrene Kröten lagen. „Da muss ich helfen“, sagte sie sich.

Auch mit hundert Jahren will die Burgheimerin weiter machen

Gesagt, getan. Sofort baute sie Fangzäune, die Kröten und Frösche wurden in kleinen Eimern „gesammelt“, dann trug Pauline Abt die Amphibien über die Straße zu dem Weiher, wo sie dann laichen konnten. Krötenschleppen, das hat sie oft und gerne getan, „es waren sehr viele dieser Tiere, die wir vor einem jämmerlichen Ende bewahrt haben.“

Ebenfalls sehr viele Beiträge hat Pauline Abt für den „Burgheimer Zworing“ geschrieben, ein Gemeindeblatt, das manches für das Wissen um die Ortsgeschichte und auch für die Bildung tut. Pauline Abt hat in dem Blatt eine eigene Kolumne namens „Naturecke“. Zwei Beiträge über besondere Pflanzen hat sie für die nächste Ausgabe schon abgeliefert.

„Wollen Sie mit hundert Jahren auch noch für das Gemeindeblatt schreiben?“. Auf diese Frage kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ja! Und auch noch mit mehr als hundert Jahren“. Mit einem Lächeln fügt sie hinzu: „Vorausgesetzt, der da oben spielt mit“.

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