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Wagenhofen

11.11.2018

Die Stückeveredler von Wagenhofen

Der erledigte Held auf dem Motorrad im Dentallabor: fürs ausgefuchste Technikteam kein Problem. 
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Der erledigte Held auf dem Motorrad im Dentallabor: fürs ausgefuchste Technikteam kein Problem. 
Bild: Annemarie Meilinger

Die Mitglieder des Theatervereins Wagenhofen-Ballersdorf stöberten wieder in den Bauerntheater-Archiven. Was sie fanden und daraus gemacht haben.

Zum 20-jährigen Bestehen hat der Theaterverein Wagenhofen-Ballersdorf tief in den Bauerntheater-Archiven gegraben. Herausgekramt wurden zwei Stücke, die sehenswert auf die Bühne gebracht werden.

Das Feuerwehrstück „Sternecker und die Spritzen“ von Lorenz Strobl wurde vor 70 Jahren uraufgeführt und zeigt anschaulich, worüber man sich damals amüsieren konnte. Der Sternecker, dem Strobl eine ganze Serie von Stücken gewidmet hat, ist ein Mannsbild, das sich trotz oder wegen seines offensichtlich eingeschränkten Horizonts sehr wichtig nimmt, also ein tölpelhafter, zeitloser Typ.

Dagegen ist „Casanova für Arme“, ein Stück des Schweizer Autors Vinzenz Steiner, sehr zeitgemäß – ein echter Kontrast war also geboten im Martinsheim in Wagenhofen.

Ein Motorrad auf die Theaterbühne zu bringen, ist fürs Wagenhofener Techniktteam kein Problem 

Der Einakter beginnt in einem Präsentationsraum für elektrische Zahnbürsten, in dem der erfolgreiche Unternehmer Otto Meienberg (Josef Herrmann) seiner Tochter diktiert, doch die ist mit ihrem Handy beschäftigt. Sie sortiert gerade Dates mit verschiedenen Verehrern, der Vater aber hat andere Pläne. Er will die schöne Lisa (Anja Hartmann) mit seinem fähigen, aber unattraktiven Teilhaber verkuppeln. Dass dies schlussendlich gelingt, muss nicht bezweifelt werden. Welche Rolle Ottilie Rehm als aufgetakeltes Model spielt, und wie die Zahnbürstentruppe mehr oder weniger versehentlich ihren muskelbepackten „Freund“ (Alfons Felbermeir) erledigt, ist in hohem Maß erheiternd. Ein Motorrad auf die Bühne zu bringen und den soliden Herrn Wiederkehr (Christian Karmann) einen rosaroten Südseetraum zu verschaffen, sind fürs ausgefuchste Technikteam zwei leichte Übungen. Richard Rehm, Thomas Vollnhals und Paul Stadler haben wieder viel Zeit an Kameras und PCs investiert, um das Publikum mit witzigen Effekten zu überraschen.

Auch in „Sternecker und die Spritzen“ sorgt ein eingespielter Film dafür, dass die Heldentaten der Feuerwehrtruppe sichtbar werden: ein Stummfilm mit langsamer Bildfolge, in dem sich die Akteure wie in Zeiten, „als die Bilder laufen lernten“, bewegen, natürlich in Schwarz-Weiß und eingeblendeten Texten. Die fünf Feuerwehrmänner und ihr bedeutungssüchtiger Kommandant (Rupert Omasreiter) spielen im Film einen lächerlichen Einsatz, über den sie auf der Bühne nur erzählen. Zuvor kämpft der Kommandant ausgiebig mit seinem zu kurzen Gürtel und seiner Frau (Emilie Vollnhals). Warum die Spritze nicht funktioniert hat, wer sie kaputt gemacht hat und ob die Autorität des Kommandanten damit in Gefahr ist, erfährt der Zuschauer nur in kleinen Dosen, dazwischen sorgt Klamauk und Mienenspiel der fünf Feuerwehrmänner für Komik. Am Ende kriegt die Tochter jedenfalls den Spritzenwart und das Bauerntheater-Happy-End ist perfekt: ungeordneter Abmarsch im Slapstick-Stil, 70 Jahre alt. 

Wer eine Karte für die Aufführungen in Wagenhofen hat, darf sich auf einen lustigen Abend freuen

Der Krampf kann gar nicht groß genug und die Thematik belangloser nicht sein –die kreative Theatertruppe macht was draus, die Wagenhofener sind echte Stückeveredler. Wer schon eine Karte hat, kann sich auf einen lustigen Abend freuen.

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