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Neuburg

27.05.2018

Die Urgewalt der Saxofone

Die Musiker Ralph Moore, Bernd Reiter und Gary Smulyan (von links) traten am Freitagabend im Birdland auf.
Bild: Gerd Löser

Wie Gary Smulyan und Ralph Moore mit dem Encounter Quintet im Birdland Jazzclub aus unterschiedlichen Klangfarben ein Gesamtkunstwerk schaffen.

Einen solchen Sound haben auch die mit allen Wassern gewaschenen Jazzfans wahrscheinlich noch nicht erlebt im Birdland Neuburg. Vor ausverkauftem Haus zelebrierten Gary Smulyan (Baritonsaxofon) und Ralph Moore (Tenorsaxofon) sozusagen die musikalische Urgewalt ihrer Instrumente, im perfekten Arrangement mit Olivier Hutman (Klavier), Stephan Kurmann (Bass) und Bernd Reiter (Schlagzeug).

Man muss sich schon eine Weile hineinhören und hineinziehen lassen in diese Klangwelt. Bariton- und Tenorsaxofon, das sind die tiefsten Lagen der Saxofon-Familie, da sind auch animalische, grobe Töne zu vernehmen, die einen ungeübten Hörer zunächst irritieren können. Sich wohlig zurücklehnen und den angenehmen Dixie-Swing „normaler“ Saxofone genießen – so einfach ist es hier nicht. Um dieses Konzert des Encounter Quintet auszukosten, ist ein wenig Anstrengung nötig, aber sie wird belohnt.

Was die beiden Vollblut-Saxofonisten Smulyan und Moore aus Standards des Great American Songbook machen, kann man phänomenal nennen. Die Arrangements sind kunstvoll, die Unisono-Passagen der beiden Saxofone hochspannend, die Vermischung der ungewöhnlichen Klangfarben schafft einen ganz eigenen Reiz, kraftvoll und mit Raffinement. Und die Improvisationslust der beiden setzt immer wieder mal einen obendrauf.

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Die einzelnen Stücke des Quintets umfassen manchmal an die 15 Minuten, Längen haben sie aber trotz dieser ungewöhnlich großen Zeitspanne kaum. Für die Spannung, für die Dichte der Arrangements sind der Pianist, der Bassist und der Schlagzeuger (Bernd Reiter ist im Birdland Neuburg schon ein Stammgast) wesentlich mitverantwortlich. Die Drei stehen manchmal rein akustisch etwas im Schatten der Saxofon-Urgewalten, aber musikalisch und musikantisch setzten alle drei Akzente.

Der Bassist Stephan Kurmann erinnert äußerlich im ersten Moment an Anselm Grün, bei manchen lyrischen Stellen strahlt er auf dem Bass auch die Sanftheit des Mönches aus Münsterschwarzach aus. In dem Bassisten mit dem langen weißen Bart aber brennt musikantisches Feuer. Kurmann schöpft alle Varianten des Kontrabasses aus. Dabei tanzt er fast um sein Instrument herum, da gibt einer alles für diesen einen Abend. Ähnliche Qualitäten beweist Bernd Reiter an den drums. Man muss nur die Mimik dieses witzigen Österreichers beobachten, schon das garantiert einen vergnüglichen Abend. Der Mann lebt mit jedem behutsamen Streicheln über die Becken, genauso wie mit jedem Knalleffekt an der Trommel. Und er quittiert die musikalischen Einfälle seiner vier Combo-Kollegen mit einem feinen Lächeln. So schön kann Jazz live sein.

Was Reiter und die anderen vom vorzüglichen Pianisten Olivier Hutmann zu hören bekommen, das ist auch wirklich ein Grund zur Freude. Der Mann aus Paris zelebriert intensives, von einem wunderbar beherrschten Anschlag geprägtes Klavierspiel. Der Drang mancher Pianisten, mit großem Aplomb aufzutrumpfen, liegt diesem Musiker fern. Hutmann fällt nicht auf, aber wenn er zum Solo ansetzt, dann ist er absolut präsent und überzeugend. Das Encounter Quintet macht aus fünf sehr unterschiedlichen Klangfarben und aus fünf Jazz-Persönlichkeiten ein Gesamtkunstwerk. Stürmischer Beifall am Ende.

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