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Neuburg

26.01.2020

Die Winzer vom Descartes-Gymnasium

Drei Schüler des Descartes-Gymnasiums haben selbst Wein gemacht. Gustav Böhm (links), Mathis Kempfer (Mitte) und Maximilian Quarti sind die Winzer. Schon länger standen die Weinstöcke im Schulgarten – jetzt wurden die Trauben zu Wein verarbeitet. 
Foto: Johanne Landes

Der „Vinum Cartesianum“ ist ein Wein, den drei Schüler am Descartes-Gymnasium hergestellt haben. Genutzt haben sie dazu Trauben, die in der Schule wachsen.

Die besten Weinregionen Deutschlands liegen an der Mosel, der Saar, dem Main – und vielleicht auch an der Donau. Mathis Kempfer, Maximilian Quarti und Gustav Böhm arbeiten gerade daran, dass es bald so kommt. Sie besuchen die zwölfte Klasse des Descartes-Gymnasiums, vor mehr als einem Jahr startete ihr Projekt: ein Wein aus ihrem Schulgarten. Sie pflegten die Weinstöcke, dokumentierten ihre Arbeit und stellten schließlich einen Schillerwein her. Für diese Sorte werden rote und weiße Trauben aus demselben Weinberg vermischt.

Die Reben im Schulgarten wachsen seit 2014, unter anderem gepflegt von Lehrerin Barbara Leonhardt, die auch das Projekt mit ihrem Fachwissen begleitete. Das Öko-Weingut ihrer Familie sponserte die Pflanzen auf Vorschlag ihrer Tochter Amelie, einer ehemaligen Schülerin des Gymnasiums.

Im Schulgarten des Descartes haben die Trauben ideale Bedingungen

In dem sonnigen, heißen Mikroklima des Schulgartens herrschten perfekte Bedingungen für die Weintrauben, sagen die Schüler. Genügend Wasser bekommen sie über eine automatische Tröpfchenbewässerung, ein weiteres Detail, das die Schüler entwickelt haben. Pestizide sind nicht nötig, denn bei den Trauben handelt es sich um eine widerstandsfähige Neuzüchtung. Auch der Klimawandel mache sich innerhalb des Ökosystems kaum bemerkbar. Anders ist das in deutschen Weinbergen. Die Ernte findet mittlerweile früher statt als zu ihrer Jugend, erzählt Leonhardt.

Vier Jahre bedienten sich nur Kinder und Vögel an den Trauben, bis den drei Schülern aus dem Hortus-Cartesianus-Seminar von Lehrerin Silvia Sander eine andere Idee kam. Bei Besichtigung des Schulgartens stießen sie auf die Weinstöcke und fassten gleich einen Entschluss: Im Oktober 2018 schlugen Kempfer, Quarti und Böhm die Weinherstellung als ihr Projektthema vor. Los ging es im folgenden Winter mit der Pflege der Reben. Unterstützung bekamen sie von Barbara Leonhardt und ihrem Bruder Andreas Stutz, dem Leiter eines Öko-Weinguts bei Bad Heilbrunn. Beide standen den Schülern mit Rat und Tat zur Seite, was Rebenerziehung, Gärung oder Lausbefälle anging.

Die Trauben für den Wein wurden durch ein Leintuch gepresst

Die Schüler beobachteten, schnitten und düngten, damit die Reben heranwuchsen. Als Insektenschutz benutzten sie alte Vorhänge. Trotzdem gab es Verluste: Während der Sommerferien wurden viele Trauben weggegessen, einmal sogar der Weingarten überschwemmt.

Entmutigen ließen sie sich davon aber nicht. Teils noch in den Ferien ernteten sie die übrigen Trauben und pressten sie anschließend durch ein Leintuch. Eine sehr sanfte Methode, erklärt Leonhardt, wodurch die Kerne ganz bleiben und keine Bitterstoffe in den Wein gelangen.

Danach füllten die Schüler die klare Flüssigkeit um, versetzten sie mit Hefe und ließen sie zehn Tage gären. Anschließend fügten sie Schwefelsulfid dazu, um die Haltbarkeit zu verlängern. Nach einem weiteren Tag Ruhe füllten sie den Wein in Flaschen mit selbst gestalteten Etiketten. Insgesamt zwei Wochen hatte es gedauert, bis die Schüler endlich ihr Ergebnis in den Händen hielten: drei Liter Schillerwein. Bei voller Ernte wären es allerdings mehr als doppelt so viele geworden.

Ein Experte hat den Wein der Descartes-Schüler analysiert

Stolz sind sie trotzdem auf ihr Projekt, vor allem, weil sie ihr Ergebnis ganz echt einfach greifen können. Es sei viel Eigenverantwortung dabei gewesen, sagt Kempfer. Trotz der Unterstützung hätten sie auch viel Freiraum gehabt. Quarti sah die Nachmittage im Schulgarten als Ausgleich zum Unterricht und auch Böhm sagt, er habe die praktische Arbeit in der Natur genossen. Genauso begeistert blickt Lehrerin Silvia Sander auf das Ergebnis. Anfangs habe sie noch etwas gezweifelt, erzählt sie, aber das Projekt sei sehr glatt gelaufen.

Das Endprodukt: ein trockener Schillerwein aus der Donauregion, Jahrgang 2019. Drei Liter haben die Schüler produziert. 
Foto: Silvia Sander

Ihr neues Wissen wollen die Schüler auch außerhalb des Unterrichts wieder nutzen. Zum Beispiel für die Trauben aus dem Garten der Großmutter und die Arbeit mit den Geräten von Kempfers Großvater – diese kamen übrigens schon bei der Herstellung des „Vinum Cartesianum“ zum Einsatz.

Probieren durfte neben dem Schulleiter noch die Mitschüler im Hortus-Cartesianus-Seminar. Auch die Lehrer erhielten eine Kostprobe. Sie seien erstaunt gewesen, dass so etwas möglich ist, erinnert sich Silvia Sander. Eine weitere Flasche ging zur Weinanalyse: Demnach handelt es sich um einen komplett durchgegorenen, trockenen Schillerwein mit fruchtiger Muskatnote – sagt Experte Stutz. Der Wein enthält etwa zehn Prozent Alkohol. Und wie schmeckt er? „Besser als gekaufter Wein“, finden die drei Schüler. Am besten ist eben, was man selbst macht.

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