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Ökologie

20.05.2015

Die etwas andere „Aufstiegsfeier“

Durch 27 Betonbecken sprudeln pro Sekunde mindestens 500 Liter Wasser. So können die Donaufische immerhin knapp acht Meter Höhenunterschied überwinden.
Bild: Harald Jung

Der Höhenunterschied am Donaukraftwerk Ingolstadt beträgt knapp acht Meter. Seit gestern können die Fische dieses Hindernis problemlos überwinden. Das ist ein großer Erfolg für den Naturschutz. Und auch gut für Eon

Jeder kennt die imposanten Bilder aus Alaska, Kanada oder Skandinavien: Der Lachs wandert flussaufwärts, wenn Laichzeit ist, überwindet dabei unglaubliche Hindernisse bis zum Ziel und tut, dort angekommen, was die Natur ihm aufgegeben hat: Er pflanzt sich fort. Das sichert Vermehrung, Arterhaltung und Blutvermischung.

Viele andere Fischarten haben ebenfalls diesen Drang nach „oben“, also flussaufwärts, aber ihre Wanderungen sind oft verbarrikadiert durch Kraftwerke. Gerade hier in der Region gibt es an der Donau viele Sperren, die von Menschhand geschaffen sind. Doch immer öfter führt ein Weg an den Staustufen vorbei. Jetzt auch am Kraftwerk Ingolstadt.

Dort nahmen Kraftwerkseigner Rhein-Main-Donau (RMD) AG und -betreiber Eon gestern eine moderne Fischaufstiegsanlage in Betrieb. Das rund 1,6 Millionen Euro teure Bauwerk hat mehrere Besonderheiten. Vor allem diese: Der wegen des sogenannten Schwellbetriebes ständig steigende oder fallende Wasserspiegel der Donau wird über Schütze ausgeglichen. Die Steuerung erfolgt automatisch und garantiert, dass zu jeder Zeit mindestens 500 Liter Wasser pro Sekunde durch 27 abgestufte Betonbecken sprudeln. Damit ist sichergestellt, dass selbst der größte Donaufisch, der Huchen, ausreichend Wasser für seine Wanderung flussaufwärts zur Verfügung hat.

Das Projekt nutzt einen bestehenden Entwässerungsgraben, der den Baggersee direkt neben dem Stausee mit der Donau verbindet. Neben dem Betonbauwerk mit den Schützen und Becken am Fluss musste nur noch ein kurzes Verbindungsstück geschaffen werden und die Verbindung zum Flusslauf unterhalb der Staumauer war hergestellt.

Also können die Fische nun aufsteigen, wie es in der Fachsprache heißt und gestern – flachsten die Ehrengäste in Anspielung auf die Fußballer des FC Ingolstadt – fand quasi die offizielle „Aufstiegsfeier“ statt. Mit einer kapitalen Nase und einem Aitel, die Mitglieder des Kreisfischereivereins quasi als „Erstligaspieler“ vor den Augen der Festgesellschaft ins Wasser setzten. Die beiden Weißfische tauchten aber tief in die braungrünen Fluten und waren schon nach Sekundenbruchteilen nicht mehr zu sehen. Ob sie den Aufstieg wirklich geschafft haben, bleibt also ungeklärt.

Die Donaufischer indes sind da sicher. Sie wissen, dass dieses Bauwerk der Artenvielfalt guttun wird. Nicht nur in der Donau, denn auch die Nebenflüsse, wie Paar, Ilm und Altmühl dürften bald schon von Donaufischen erreicht werden. Die Anlage in Ingolstadt macht die Donau auf einer Länge von knapp 130 Kilometern durchgängig. Das ist ein großer Erfolg für den Gewässerschutz, sagt Albert Göttle, der Präsident des Landesfischereiverbandes Bayern. Man habe das alles aber „nicht zur Beruhigung unseres ökologischen Gewissens getan“, betonte Karl-Heinz Straßer, Chef der Wasserkraft Deutschland Mitte bei Eon. Peter Fösel, Vorstand der Donau-Wasserkraft AG sowie Prokurist der Rhein-Main-Donau AG, sprach von einem „Musterbeispiel für die zeitgemäße Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie“. Und die schreibt die ökologische Durchgängigkeit vor. Andernfalls kann Schadensersatz geltend gemacht werden. Vor allem von den Fischereivereinen. Die klopfen deshalb seit Jahren heftig bei den Kraftwerksbetreibern an und stellen hohe Forderungen. Laut Straßer wird Eon einen knappen dreistelligen Millionenbetrag investieren, um alle Kraftwerke mit solchen Anlagen umzurüsten. Schade, dass der Lachs kein Donaufisch ist.

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