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Neuburg

18.02.2015

Die fetten Tage sind vorbei

Muss es ab heute wirklich Wasser und Brot sein? Pfarrer Steffen Schiller macht es vor: Es reicht schon, auf eine Sache zu verzichten.
Bild: Armin Weigel, dpa

Für den einen ist der Fasching das Größte, für den anderen beginnt heute die Zeit der Besinnung: Wie der Burgfunken-Präsident und der Pfarrer den Aschermittwoch erleben

Harald Zitzelsberger ist in die Redaktion gekommen. Die Tage des Präsidenten der Burgfunken waren bis gestern in die letzten Minuten getaktet: Umzug, Ball, Männergarde. Doch von einem Tag auf den anderen ist alles vorbei. Was passiert dann im Leben des Faschingspräsidenten?

Harald Zitzelsberger: Also erst einmal sterben die Prinzen beim Kehraus. Die sterben jedes Jahr. Dann ist alles vorbei.

Sterben die beiden Prinzen der Burgfunken jedes Jahr anders?

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Zitzelsberger: Die sterben jedes Jahr anders. Entweder sie werden erschossen, erstochen, verbrannt... Der Prinz muss jedenfalls tot sein.

Wie steht der Faschingspräsident am Aschermittwoch auf?

Zitzelsberger: Er denkt sich erst einmal: Gott sei Dank ist alles vorbei. Aber natürlich auch mit Wehmut. Aber am Aschermittwoch stehen ja noch zwei Punkte auf dem Programm: die Stadtschlüsselrückgabe und das Geldbeutelwaschen. Das Gefühl, dass ich endlich nirgendwo mehr hingehen muss, setzt am Donnerstag, Freitag ein.

Ein gutes Gefühl?

Zitzelsberger: Ich falle nicht in ein Loch. Es ist jedes Jahr trotzdem komisch: Dir geht etwas ab, wenn du wochenlang nur unter Strom stehst.

Wie war die Faschingssaison?

Besser hätten wir die 60 Jahre Burgfunken nicht feiern können. Natürlich kracht’s auch mal, wenn Menschen aus allen Altersklassen aufeinandertreffen. Aber dieses Jahr bin ich sehr froh, wie alles gelaufen ist.

Was war dein persönlicher Höhepunkt?

Zitzelsberger: Wenn ich den ganzen Verein sehe, ist der Höhepunkt der Krönungsball. Für mich persönlich war es der Rosenmontag, meine Männergarde, die ich trainiere. Da kann ich mitmachen und nicht nur repräsentieren.

Wird jetzt gefastet?

Zitzelsberger: Ich nehme es mir jedes Jahr vor. Ich werde versuchen, ein paar Kilo zu verlieren. Jetzt freue ich mich erst einmal, dass ich wieder mehr Zeit für meine Familie habe.

Pfarrer Steffen Schiller nennt sich Faschingsmuffel. Doch jetzt ist der Fasching auch schon vorbei und das Fasten beginnt. Wie erlebt der Geistliche der evangelischen Christuskirche den Übergang?

Steffen Schiller: Aus der Perspektive der Privatperson ist das ein klarer Bruch. Gestern noch Halligalli, heute wird es ernst. Kirchlich ist es ein bisschen anders: In den Gottesdiensten wird schon seit zwei Wochen angedeutet, dass etwas Neues beginnt. Kirchlich ist der Übergang sanfter, als man den Aschermittwoch als Privatperson erlebt.

Wie fasten Sie?

Schiller: Ich verzichte jedes Jahr ganz bewusst auf eine Sache.

Was wird es in diesem Jahr sein?

Schiller: In diesem Jahr werden es wahrscheinlich Süßigkeiten sein. Mal trinke ich keinen Alkohol, mal fasse ich einen guten Vorsatz. Etwas, das ich sonst nicht mache, aber weiß, dass es mir gut tut.

Empfehlen Sie in diesem Wortlaut auch Ihren Gemeindemitgliedern das Fasten?

Schiller: Ja. Es ist wichtig, bewusst in dieser Zeit auf etwas zu verzichten. Danach nimmt man es ganz neu wahr und freut sich darüber.

Ist Fasten deshalb wichtig? Warum können wir nicht weiter feiern wie im Fasching?

Schiller: Die Passionszeit ist eine Vorbereitungszeit auf die Karwoche und auf Ostern, traditionell eine ernste Zeit. Ausdruck einer ernsthaften Vorbereitung ist von Alters her der Verzicht auf bestimmte Dinge, die das Leben manchmal angenehmer machen.

Muss der Mensch also von einem auf den anderen Tag ernst sein?

Schiller: Am Anfang der Passionsgeschichte steht der Satz in der Bibel: Sehet wir gehen hinauf nach Jerusalem. Genau diesen Weg beschreibt die Fastenzeit. Es geht nicht direkt zum Karfreitag. Dazwischen liegen die bewussten Wochen.

Sind Sie froh, dass der Fasching vorbei ist?

Schiller: Der Glaube hat viel mit Fröhlichkeit zu tun. Aber es geht nicht ohne den Ernst. Es ist wie das Leben: mal ernst und mal heiter.

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