Newsticker

EU sichert sich bis zu 160 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Die kleinste Bücherei im Landkreis

Burgheim-Straß

10.11.2017

Die kleinste Bücherei im Landkreis

Volker Sieg sortiert den kleinen Bücherschrank in der ausgedienten Telefonzelle auf dem Dorfplatz in Straß. 

In Deutschland sterben Telefonzellen aus, doch Straß hat eine neue bekommen. Telefonieren kann man darin aber nicht.

Dank E-Book- und Hörbuch-Apps für das Handy können viele Menschen von sich sagen, sie hätten Bücher in ihrem Telefon. Die Bewohner des Burgheimer Ortsteils Straß können seit einigen Monaten noch einen Schritt weiter gehen: Sie haben Bücher in einer Telefonzelle.

Als 2016 die Gemeindeplanung Bürger einlud, Vorschläge zur Verschönerung von Straß zu nennen, konnte Volker Sieg eine Idee äußern, die er schon einige Zeit vorher hatte: Ein kleiner, offener Bücherschrank in einer ausgedienten Londoner Telefonzelle für sein Dorf.

Und der Plan wurde in die Tat umgesetzt. Volker Sieg ersteigerte eine „Telephonebox“ auf Ebay. „Für rund 800 Euro haben wir sie sogar sehr billig bekommen“, erklärt Sieg, „normal müsste man so um die 2000 Euro zahlen“. Die Zelle wurde neu lackiert und das Glas musste durch dickeres ersetzt werden, um die Bücher vor dem Wetter zu schützen. Volker Sieg bekam auch Unterstützung, den Platz stellte der Seniorenstift Sankt Johannes und die Firma, die das Fundament verlegte, verlangte kein Geld dafür.

In den kommenden Monaten ist sogar noch geplant, ein Nachtlicht einzubauen, das von einer Fotovoltaikzelle auf dem Dach betrieben wird. Die Gesamtkosten belaufen sich bis jetzt auf 3500 Euro, die von Volker Sieg selbst getragen werden. Am 20. Mai wurde der Bücherschrank zur Einweihungsfeier des Dorfplatzes enthüllt und steht jetzt zwischen der Kirche und dem Seniorenstift. Wie eine echte Telefonzelle ist die kleine Bücherei für jeden zugänglich. Für einen Bibliothekar fehlt der Platz, weshalb jeder, der will, einfach Bücher herausnehmen kann. Ob man ein Buch behält oder zurückstellt, darf jeder selbst entscheiden, im ersten Fall kann man es auch gerne durch ein eigenes ersetzen. Damit nicht alles durcheinander liegt und steht, kommt Sieg einmal in der Woche vorbei, die Bücher nach Rubriken zu sortieren und kurz sauber zu machen. Dabei sieht er auch, dass regelmäßig Bücher mitgenommen und immer wieder durch neue ersetzt werden. Jedes Mal liegen schon Bücher in einer Tüte auf dem Boden. Diese sortiert er in Regale ein, die nach Kategorien geordnet sind. Von Klassikern der Weltliteratur wie „Der Name der Rose“ über Schullektüren bis hin zu Fußballbüchern ist alles dabei. Einmal im Monat reinigt er die kleine Bibliothek mit einem Schlauch von den Spuren der zahlreichen Besucher. Hauptsächlich kommt der Dreck von Schuhen. Obwohl Volker Sieg sich Gedanken gemacht hat, was für vorbeugende Maßnahmen gegen Vandalismus möglich wären, erwies sich das als überflüssig, denn es gab noch keine Fälle von mutwilliger Beschädigung. Generell kommt die Telefonzelle bei den Einwohnern sehr gut an. „In der Planungsphase gab es noch kritische Stimmen“, erinnert sich Sieg. „Die Zelle sei zu auffällig. Mittlerweile bekomme ich aber nur positive Rückmeldungen. Viele finden, dass die Telefonzelle ein schöner Farbklecks und ein Hingucker ist.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren