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Karlshuld

11.07.2020

Die unendliche Geschichte des Pfarrhauses in Karlshuld

Das denkmalgeschützte Pfarrhaus verfügt über rund 250 Quadratmeter Wohnfläche.
Bild: Andrea Hammerl

Plus Seit fast zehn Jahren wird in Karlshuld um das Pfarrhaus der evangelischen Kirche gerungen. Denkmalliebhaber wollen es erhalten, die Kirche will stattdessen neu bauen. Jetzt wurde der Regionalbischof eingeschaltet.

„Ich verstehe nicht, warum sich das seit bald zehn Jahren hinzieht und seit zwei Jahren keine Zahlen für den von Dekan Thomas Schwarz favorisierten Neubau vorgelegt werden“, sagt Manfred Müller, einer der Initiatoren der Initiative „Rettet das Pfarrhaus“. Um die unendliche Geschichte um das leer- stehende evangelische Pfarrhaus in Karlshuld voranzubringen, ist er jetzt zusammen mit Armin Adolf nach Regensburg gefahren, um Regionalbischof Klaus Stiegler eine Liste mit 667 Unterschriften zu übergeben.

Seit vier Jahren steht das evangelische Pfarrhaus in Karlshuld weitgehend leer, weil es unter anderem aufgrund von Schimmelbildung praktisch unbewohnbar ist. Nur das Pfarrbüro ist noch hier untergebracht. Während Pfarrer Johannes Späth mit seiner Familie in einem angemieteten Haus wohnt, arbeiten seine Mitarbeiter in dem unsanierten Pfarrhaus – was im Sommer zwar kein Problem sei, sehr wohl aber im Winter. Für Pfarrer Späth ist die Situation deshalb ebenfalls unbefriedigend: „Ich bin genauso frustriert wie die Initiative.“

Ob das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1927 zu vernünftigen Konditionen saniert werden kann oder ob ein neues Pfarrbüro an das 1984 errichtete Gemeindehaus angebaut werden soll, daran scheiden sich die Geister.

Der Bauplaner der Initiative, Matthias Hofstetter, veranschlagt die Sanierung des alten Pfarrhauses auf circa 630.000 Euro. Zu den Unterzeichnern für eine Pfarrhaussanierung gehören neben Gemeindemitgliedern auch Lokalpolitiker, allen voran der Karlshulder Bürgermeister Michael Lederer. „Die Kommune steht voll hinter einer Sanierung. Für einen Neubau wären wir nicht zu haben“, stellt er klar. Das alte Gebäude habe eine Seele, es gehöre zur evangelischen Gemeinde genau wie die Kirche. „Wenn die Kirche ihre Denkmäler nicht erhält, wer dann?“, fragt er rhetorisch.

Kosten für einen Neubau sind Geheimnis der Kirche

Dagegen spricht allerdings, dass die Landeskirche vor mehr als vier Jahren entschieden hat, dass das alte Pfarrhaus nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt werden soll. „Das hat immer noch Gültigkeit“, betont Schwarz. „Wir als Dekanat bauen ein zentrales Pfarrbüro, kein Pfarrhaus – das ist ein Unterschied.“ Was mit dem alten Pfarrhaus passiere, müsse der Kirchenvorstand entscheiden. Persönlich sei er aber bereit, die Entscheidung von damals noch einmal ergebnisoffen zu überdenken, wenn sich ein machbarer Weg zeige.

Wie teuer ein Neubau werden würde, ist momentan noch das Geheimnis der Kirche. Laut Dekan Thomas Schwarz gibt es einen Kostenvorschlag, der aber erst intern mit dem Kirchenvorstand, Pfarrer Johannes Späth, dem neu beauftragten Architekten und der Landeskirchenstelle Ansbach besprochen werden soll, ehe die Zahlen an die Öffentlichkeit gehen. Das Treffen hätte ursprünglich im Mai stattfinden sollen, musste dann aber coronabedingt abgesagt werden. Wenn es nach ihm ginge, fände die Besprechung noch vor der Sommerpause statt. „Aber realistisch gesehen wird es wohl September“, fürchtet Schwarz.

Initiative "Rettet das Pfarrhaus" plädiert für Erhalt des Gebäudes

Weil den Mitgliedern der Initiative „Rettet das Pfarrhaus“ der Erhalt des Hauses am Herzen liegt, haben sie sich nun an den Regionalbischof mit der Bitte gewandt, „dass auch von seiner Seite die bereits seit vielen Jahren schwebende Diskussion um das Pfarrhaus endlich angepackt und zu einem guten Ende gebracht werde“. Stiegler habe sich anderthalb Stunden Zeit für ein aus Müllers Sicht „sehr gutes Gespräch“ genommen. „Er hat sich alles genau angehört und wollte die Hintergründe wissen, auch zur Gesamtsituation der evangelischen Kirche im Donaumoos“, berichtet Müller. Denn das Pfarrbüro ist auch für die Kirchengemeinden Untermaxfeld und Ludwigsmoos zuständig, weshalb sie sich finanziell beteiligen müssen.

Nach dem Gespräch lässt Regionalbischof Klaus Stiegler auf Anfrage mitteilen: Für ihn sei der Prozess ergebnisoffen. Es gelte, sorgfältig alle Möglichkeiten und Perspektiven abzuwägen.

Bei den Plänen zu einem Neubau standen zuletzt zwei Varianten zur Wahl, die vor einem Jahr von einer Architektin vorgelegt worden waren, die mittlerweile nicht mehr engagiert ist. Zur Diskussion stellte sie einen Neubau auf dem jetzigen Parkplatz der Diakonie-Sozialstation oder einen Anbau an das Gemeindehaus. Favorisiert hat der Kirchenvorstand damals den Anbau, allerdings würde der den Bestandsschutz des alten Gebäudes bezüglich Brandschutz auflösen – mit der Konsequenz, dass das Bestandsgebäude entsprechend ertüchtigt werden müsste. Zu den Kosten beider Vorschläge ist nichts veröffentlicht worden.

Doch egal, ob An- oder Neubau: Für den Kirchenvorstand bliebe dann immer noch die Frage, was mit dem denkmalgeschützten Pfarrhaus passieren soll. Beseitigen ist offenbar keine Option. „Eine Genehmigung zum Abriss wird es nicht geben“, sagt Kreisheimatpfleger Manfred Veit dazu.

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