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Eichstätt

05.02.2019

Die verhängnisvolle Macht des Eichstätter Klerus

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Bischof Gregor Maria Hanke bei der Vorstellung des Prüfberichts zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt.
Bild: Luzia Grasser

Das Bistum hat Details zum Finanzskandal vorgestellt. In den Fokus rückt der Ex-Finanzdirektor. Nicht nur, weil er sich zu einem Luxustrip einladen ließ.

Fast auf den Tag genau ein Jahr, nachdem das Bistum Eichstätt den wohl größten kirchlichen Finanzskandal in Deutschland öffentlich gemacht hatte, hat es am Dienstag einen Prüfbericht vorgestellt, in dem neue Details genannt werden. Auch die Rolle des Bischofs und des früheren Finanzdirektors bei dubiosen US-Finanzgeschäften wird genauer beleuchtet. Wegen 31 zumeist fauler Immobilienkredite bleibt die Diözese möglicherweise auf einem Schaden von 47 Millionen Euro sitzen.

Das „System Eichstätt“ hat den Finanzskandal möglich gemacht

Der Münchner Anwalt Ulrich Wastl, der im Auftrag der Diözese mit der Aufarbeitung des Skandals betraut ist, sprach am Dienstag bei einer Pressekonferenz von einem „System Eichstätt“, das den Skandal erst möglich gemacht habe. Es war jahrelang gekennzeichnet von Intransparenz, Machterhalt, Klüngelei und Abschottung. Lange wurde in Kauf genommen, „dass weitestgehend ohne Rücksicht auf fachliche Notwendigkeiten nahezu ausnahmslos Kleriker das alleinige und weitestgehend unkontrollierte Sagen in der Diözese hatten“. Laut Wastl hätte überhaupt nur „eine Handvoll Leute über das Vermögen Bescheid gewusst“. Während der Bischof in dem Bericht, den das Bistum selbst in Auftrag gegeben hat, weitgehend entlastet wird („Unter Umständen kann er dafür verantwortlich gemacht werden, dass er ab 2013 nicht noch intensiver darauf gedrungen hat, das System Eichstätt zu beseitigen“), rückt jetzt immer mehr der Ex-Finanzdirektor (67) in den Fokus. Bislang galten allein sein ehemaliger Stellvertreter und dessen Geschäftspartner in Amerika als Hauptverantwortliche, beide saßen zeitweise in Untersuchungshaft.

Der ehemalige Finanzchef der Diözese Eichstätt hat in Schiffsbeteiligungen investiert - fünf Millionen Euro sind weg

War vor einem Jahr noch die Rede davon, dass der 67-jährige Geistliche, der die 31 faulen Kredite mitunterzeichnet hatte, getäuscht worden sein könnte, hat sich das Blatt jetzt gewendet. „Wir wissen jetzt, er wurde mitnichten getäuscht“, betonte Wastl. Der ehemalige Finanzchef der Diözese, der gleichzeitig – was kirchenrechtlich nicht erlaubt ist – auch Domdekan war, hatte die amerikanischen Verträge mit unterschrieben. Und das, obwohl er kein Englisch sprach. Riskanten Anlagen war er aber offenbar nicht abgeneigt. Obwohl ihm davon abgeraten worden war, hatte er bereits im Jahr 2012 fünf Millionen Euro in Frachtschiffe investiert. Zur Anbahnung des Geschäfts waren er und sein Stellvertreter von den Geschäftspartnern nach Manila eingeladen worden. Geflogen wurde Erste Klasse, die Reise dürfte um die 20.000 Euro gekostet haben.

Die fünf Millionen Euro für die Frachter sind mittlerweile allerdings weg.

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