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Ingolstadt/Neuburg

29.12.2017

Die weite Welt des Bieres

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Die Mitglieder des Ingolstädter Presseclubs ließen sich vom Bierprofi Norbert Schmidl auf eine Reise um die Welt führen.
Bild: Manfred Dittenhofer

Norbert Schmidl ist Bier-Sommelier und hat bereits in Neuburg Verköstigungen angeboten. Diesmal zieht es ihn nach Ingolstadt und mit seinen Teilnehmern einmal rund um die Welt von Hopfen, Malz und tiefen Schlücken

Wer mit Norbert Schmidl eine Reise unternimmt, der wandert über Ländergrenzen und durch verschiedene Kulturen. Mit Schmidl unterwegs kann man was erleben. Und das, ohne auch nur einen Kilometer zurückzulegen. Denn Norbert Schmidl unternimmt Bierreisen. Er ist Bier-Sommelier und als „Certified Member of the Institute of Masters of Beer“. Dieser Titel, der nach einer mehrjährigen Ausbildung und vielen Prüfungen erreicht werden kann, wurde bisher erst drei Mal vergeben. Damit kann man Schmidl getrost aus Bierprofi bezeichnen. Dieses Mal entführt der Bierexperte Mitglieder des Presseclubs Ingolstadt auf eine Bierreise kreuz und quer durch die Welt.

Los geht es in heimatlichen Gefilden. Mit einem Riedenburger Festbier steigt Schmidl in den Bier-Express ein und erklärt auch gleich den großen Unterschied zwischen Wein- und Bierproben. „Den Wein muss man nicht unbedingt schlucken. Der entfaltet seinen Geschmack an Zunge und Gaumen. Beim Bier muss man schon einen Schluck nehmen, da die Frische erst im Schlund richtig spürbar wird.“ Probiert wird aus einem bauchigen Weinglas. Denn auch der Geruch des Gerstensaftes soll ergründet werden. „Spürt ihr die malzige Note? Betrachtet den Schaum. Dann einen Schluck nehmen und kurz im Mund belassen, kreisen lassen und dann schlucken.“ Es schmeckt nach Bier. Süffig ist es. Aber den Ausdruck „süffig“ hören die Experten nicht so gerne. „Erinnert zu sehr an Suff – und ums Betrinken geht es hier überhaupt nicht. Wir sprechen im Fachjargon von high drinkability.“

Weiter geht es zum Nachbarn Österreich. Dort wird es bereits exotisch. Schmidl kredenzt ein Waldbier, in dem Schwarzkieferzapfen verbraut sind. „Jedes Jahr kommen andere Waldzutaten zum Einsatz. Dieses Bier ist Jahrgang 2014 und damit sind wir auch beim Thema Verfallsdatum von Bieren.“ Für Schmidl lediglich ein unverbindlicher Vorschlag. „Es gibt Biere, die kann man gut einige Jahre aufheben und die werden immer besser.“ Die Lagerung müsse allerdings stimmen: Dunkel, nicht zu warm und nicht zu kalt, so um die acht Grad, aber vor allem bei konstanter Temperatur müsse das Bier gelagert sein.

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Von Österreich weg rauscht der Bierzug ohne Zwischenhalt nach Schottland. Das dunkle Gebräu riecht nach Karamell, Vanille und nach tieferen Noten. Da ist ein leichter Bourbon-Geschmack. Denn das Brewdog Bourbon Baby ist in Bourbon-Fäßern gereift. Der Geschmack nach Hochprozentigem geht einher mit einer starken Bitternote.

Wir bleiben in Schottland, lernen aber ein Bier kennen, das während der Kolonialzeit für den Export in die indische Kolonie entworfen wurde. Das India Pale Ale, kurz IPA, der St. Andrews Brewing Company hat noch mehr Bittereinheiten. Die schmeckt man auch.

Also ab nach Bozen in Südtirol. Batzenbräu stellt ebenfalls ein IPA her, das durch eine sehr dominante Hopfennote besticht. Mittlerweile ist der Bierzug in voller Fahrt und rauscht gleich weiter nach Colmar im Elsass. Ein französisches Bier mit englischem Titel ist doch eher außergewöhnlich, oder? „Die kleine Brauerei Saint Cru exportiert viel. Deshalb der Name in Englisch: Red is dead“, erklärt Schmidl. Dieses Bier könnte man inhalieren. Zitrone, Grapefruit, Limette. Die Duftstoffe tanzen in der Nase Tango.

In den USA kommt dann tatsächlich ein Dosenbier auf den Tisch. Den gerümpften Nasen der Teilnehmer stellt Schmidl Argumente entgegen. „Die Dose ist für das Bier ideal zum Lagern, da sie lichtdicht ist.“ Nebenbei erklärt der Bier-Experte die ideale Trinktemperatur: „Zu kalt entwickelt das Bier seine Aromen nicht. Je mehr Alkoholgehalt und je länger gelagert, desto wärmer kann das Bier getrunken werden, manche gehen sogar bei Zimmertemperatur.“ Also schon wieder eine Parallele zum Wein.

Sind bisher schon sehr exotische Biere probiert worden, hat Schmidl als Überraschung drei Sauerbiere dabei, bis hin in die Geschmacksregion von Trinkessig. Mit einer leichten Apfelnote wird das Bier zum Aperitif. Vor allem in Belgien ist Sauerbier heimisch. Und entsprechend klein sind die Flaschen, was sicherlich gut ist. Denn von einem Sauerbier zieht man nicht unbedingt gleich eine Maß weg.

Die Reise mit dem Bierexpress ist zu Ende. Norbert Schmidl aber gibt seine Expertise auch an anderer Stelle weiter, bei Volkshochschul-Kursen in Neuburg und Ingolstadt. – wenn er nicht gerade als Jury-Mitglied in Memphis Biere bewertet. Dort findet nämlich im kommenden Jahr der World Beer Cup, die alle zwei Jahre stattfindende Bier-Weltmeisterschaft, statt. Und auch beim European Beer Star ist Schmidl als Juror tätig. Darauf ein Prosit.

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