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PFC in der Region

24.08.2018

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu PFC

Sieht idyllisch aus, der Eindruck trügt aber: Das Wasser, das vom Flughafen Manching in Richtung Westenhausen fließt, ist mit PFC belastet.
Bild: Stefan Küpper

Wo in der Region wurden die giftigen Stoffe nachgewiesen und was wurde bisher unternommen? Alle Fakten rund um das Thema im Überblick

Auch in Neuburg, Ingolstadt und Manching sind an bestimmten Stellen Boden und Wasser mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) belastet. PFC sind künstliche Stoffe, die zum Beispiel in Teflon-Beschichtungen von Pfannen enthalten sind, in Löschschaum oder in Fassadenanstrichen. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge stehen sie in Verdacht, Krebs auslösen zu können. Entsprechende Langzeitstudien laufen. Ist unsere Gesundheit bedroht? Was kann und wird gegen die Belastung von Wasser und Boden getan? Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur PFC-Problematik in der Region.

Wo gibt es Probleme mit PFC?

Nach Angaben des Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz – als Antwort auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion – sind in der näheren Region der Nato-Flugplatz Neuburg und der von der Bundeswehr betriebene Flughafen Manching betroffen. In Neuburg sollen außerdem zwei landwirtschaftliche Bewässerungsbrunnen sowie zwei Badeseen betroffen sein. In Ingolstadt ist das Gelände der früheren Bayernoil-Raffinerie belastet. Ferner ist der Bereich um die Gunvor-Raffinerie betroffen. Martin Mayer, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Ingolstadt, zuständig für die gesamte Region 10, sagt: „PFC ist ein Problem. Wir überlegen derzeit, wo noch etwas passiert sein könnte.“

Sind Menschen durch PFC gesundheitlich gefährdet?

Das steht pauschal nicht fest. Jörg Drewes, Forscher an der TU München, sagt: „Die Wissenschaft ist sich einig, dass PFC-Stoffe giftig sein können.“ Gefährlich werde es, wenn man „dauerhaft Nahrungsmittel und Wasser zu sich nehme oder Luft einatme, die mit den Stoffen angereichert sei“. In Altötting wurde PFC jüngst in einer offiziellen Untersuchung auch in Muttermilch nachgewiesen.

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Ist PFC in unserem Trinkwasser?

Wasserwirtschaftsamt-Chef Mayer sagt: „Der Schadstoff landet in der Region 10 bisher nicht im Trinkwasser. Bisher ist keine der öffentlichen Wasserversorgungsanlagen betroffen. Das entschärft das Problem aus unserer Sicht ein bisschen.“

Um was geht es genau in Neuburg?

Nach Auskunft eines Bundeswehrsprechers sind „nach aktuellem Kenntnisstand die PFC-Kontaminationsbereiche weitgehend auf den Nato-Flugplatz Neuburg beschränkt und keine Trinkwasserschutzgebiete betroffen.“ Bei aktuellen Untersuchungen wurden zudem in zwei landwirtschaftlichen Bewässerungsbrunnen östlich beziehungsweise südöstlich des Nato-Flugplatzes Neuburgs PFC-Konzentrationen „oberhalb der vorläufigen Schwellenwerte festgestellt“. Außerdem wurden vier in der Nähe liegende Badeseen untersucht. Im Zeller Weiher sowie im Rosinger Weiher hat man PFC-Stoffe feststellen können. Die Konzentration dort sei allerdings „gesundheitlich unbedenklich“, teilt das Landratsamt mit. Vollständige Werte für die beiden Bewässerungsbrunnen in der Nähe des Flugplatzes liegen noch nicht vor. Derzeit läuft unter anderem hierzu eine Detailuntersuchung. Nach den aktuellen Erkenntnissen gebe es nach Aussage des Leiters des Gesundheitsamtes keine Gesundheitsgefahr für die Landkreisbevölkerung.

Was ist bisher in Neuburg passiert, um das Problem zu lösen?

Nach Angaben der Bundeswehr wurde PFC auf dem Nato-Flugplatz in Neuburg erstmals im Jahr 2013 festgestellt. Die Verwaltung des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen habe sich im Februar 2014 erstmals mit dem Thema PFC befasst. Nachfolgend seien mehrere Untersuchungen durchgeführt worden. Zunächst wurde ein Trinkwasserbrunnen vom Gesundheitsamt beprobt und vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersucht. Diese Untersuchung habe keinen Nachweis von PFC im Grundwasser ergeben. Erst vor Kurzem wurden die Badeseen und Bewässerungsbrunnen in der Nähe des Flughafens kontrolliert. Über Sanierungsmaßnahmen könne erst nach Abschluss einer Detailuntersuchung beraten werden. Wann die fertig ist, sei allerdings unklar.

Um was geht es in Ingolstadt?

Zum einen um das ehemalige Bayernoil-Raffineriegelände im Südosten Ingolstadts beim Stadion. Seit 1965 war dort mehr als vier Jahrzehnte Erdöl verarbeitet worden. Als Schluss war, lag das Gelände brach. Darauf: Tonnen verseuchten Erdreichs. Umfangreiche Laboranalysen und Sondierbohrungen zeigten, dass 22 Hektar des Bodens belastet sind, unter anderem mit PFC. Laut Wasserwirtschaftsamt resultiert die PFC-Belastung „in erster Linie aus dem Einsatz von PFC-haltigen Feuerlöschmitteln“. Auf dem Raffinerie-Gelände seien regelmäßig Löschübungen abgehalten worden. Eine PFC-Belastung sei „erstmalig im Dezember 2010“ nachgewiesen worden. Damals sei der – seit April 2017 vorläufig zulässige – Schwellenwert im Grundwasser etwa 50-fach überschritten worden. Und dann gibt es am Ingolstädter Stadtrand – überlagernd auf die Flur des Landkreises Eichstätt – einen zweiten Standort, der in Sachen PFC problematisch ist. Wasserwirtschaftsamt-Chef Mayer erklärt: „Auch rund um die Gunvor-Raffinerie wurden Untersuchungen getätigt und Belastungen nachgewiesen. Weitere Untersuchungen laufen derzeit.“

Was ist in Ingolstadt passiert?

Das ehemaligen Bayernoil-Raffineriegelände wird seit 2016 saniert. Dort errichtet die In-Campus GmbH – ein Joint Venture zwischen Audi und der Stadt Ingolstadt – einen Hochtechnologiepark. Um einen Abfluss von PFC vom Grundstück zu verhindern, laufen laut Stadt seit 2016 aufwendige Reinigungsarbeiten. Bisher seien bereits mehrere Zehntausend Tonnen PFC-haltiger Boden entfernt worden. Des Weiteren sei eine Grundwasserreinigungsanlage installiert worden, die pro Stunde etwa 200 Kubikmeter Grundwasser fördere und reinige. Somit könne eine „Gefahr von abströmendem PFC-belasteten Grundwasser vom IN-Campus Gelände ausgeschlossen werden.“ Die Sanierung soll bis 2022 beendet sein. Sie könne, schreibt die Stadt, „als Musterbeispiel für eine konsequente und gründliche Beseitigung vorhandener Altlasten auf einem ehemaligen Industrieareal dienen“. Bleibt die Frage, was zwischen 2010 und 2015 geschehen ist? Als PFC nachgewiesen wurde, seien laut Wasserwirtschaftsamt „mehrere erforderliche Untersuchungskampagnen zur genauen Belastungssituation und zum Umgriff auf und außerhalb des Geländes durchgeführt“ worden. Leiter Mayer versichert: „Das ist ein Verfahren, bei dem verschiedene Gutachten notwendig sind. Das dauert üblicherweise so lange. Da ist nichts von irgendeiner Seite verschleppt worden. Das ist der normale Ablauf.“ Eine erste „teilweise Abstromsicherung“ wurde Mitte 2015 in Betrieb genommen. Bis dahin sei das „mit PFC verunreinigte Grundwasser mit dem natürlichen Grundwasserstrom Richtung Osten“ transportiert worden.

Um was genau geht es in Manching?

In Manching sind von der PFC-Belastung vor allem der von der Bundeswehr betriebene Flughafen und die angrenzenden Manchinger Ortsteile Lindach und Westenhausen betroffen. Nach Angaben des Landratsamtes Pfaffenhofen ist dem Bund die PFC-Problematik seit 2012 bekannt.

Was ist in Manching passiert?

Wie in Altötting sorgt das Thema PFC auch in Manching schon lange für Ärger, Verunsicherung und Schlagzeilen. Das Landratsamt Pfaffenhofen hat im Mai eine Allgemeinverfügung erlassen: Der zufolge dürfen die Bewohner von Lindach und Westenhausen bis 2032 ihre Grundstücke aus dem Brunnen nicht mehr bewässern, müssen ausgehobene Erde selbst reinigen, entsorgen und das dann auch zahlen. Eine „Bürgerinitiative PFC Flugplatz Manching“ hat sich organisiert und macht dem Markt Manching, dem Landratsamt Pfaffenhofen aber auch dem Bund Druck. Sie wollen: „sauberes Grundwasser, unbelastetes Erdreich“, eine umfassende Sanierung und dass „die vor sieben Jahren begonnene und bis heute fortwährende PFC-Verunreinigung vom Flugplatz Manching sofort gestoppt wird“. Der Flugplatz Manching als PFC-Verschmutzungsstelle müsse endlich auch in die Allgemeinverfügung einbezogen werden. Außerdem dauert ihnen das Vorgehen der Behörden zu lange. Das Landratsamt argumentiert dagegen, dass es rechtlich nicht möglich sei, den Flugplatz in die Allgemeinverfügung mit einzubeziehen. Und was den Zeitfaktor betreffe, sei man an das im Bodenschutzrecht vorgegebene Verfahren gebunden. Die nächste Etappe: Bis Ende August soll eine Gefährdungsabschätzung der Bundeswehr vorliegen. Danach können Untersuchungen beginnen, die Voraussetzung für eine Sanierung sind. Der SPD-Umweltexperte Florian von Brunn fordert Entschädigungen für Bevölkerung und Landwirte in Manching und Altötting. Er schreibt: „Die Lebensqualität und wirtschaftliche Situation vieler Menschen ist bereits massiv beeinträchtigt. Das kann so nicht weitergehen. Zahlreiche landwirtschaftliche Brunnen und Hausbrunnen wurden geschlossen, viele Landwirte bangen um ihre Existenz. Viele Bürger trinken kein Leitungswasser mehr. (...) Durch die PFC-Belastung des Bodens ist auch die Weiterentwicklung, Ausweisung und Erschließung von Baugebieten stark betroffen, viele Bauflächen haben dramatische Wertminderungen erlitten.“ Die Bürgerinitiative in Manching fordert daher eine Aussetzung der Verjährungsfrist. Ferner sollen Grundbesitzer und Bauherren von Markt, Landkreis, Land und Bund unterstützt werden.

Mehr Informationen zum Thema PFC

Mehr zu den aktuellen PFC-Fällen in der Region lesen Sie hier. Ein Interview zum den gefährlichen Chemikalien lesen Sie hier. Und einen Kommentar von Manfred Rinke zu den gefährlichen Stoffen finden Sie hier

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