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Audi.torium

18.04.2015

Die wissen, wie man Schluss macht

Hans-Paul Schermer, Dorothea Joos und Stefan Eiben (von links).
Bild: Elke Böcker

Hans-Paul Schermer und Stefan Eiben haben sich auf das Zwischenmenschliche spezialisiert. Eine telefonische Trennung ist ab 49 Euro zu haben

Im Auditorium gab es trotz des Titels „Herz beiseite“ nicht den Film „Der Schlussmacher“ von Matthias Schweighöfer zu sehen, sondern die mehr als 400 Gäste wurden von zwei Beziehungsprofis über deren Arbeitsweise aufgeklärt.

Zuerst befragte Moderatorin Dorothea Joos den Talkshow erfahrenen Heiratsvermittler Hans-Paul Schermer. Im Anschluss kam Stefan Eiben, Begründer der ersten Alibi-Agentur und eben auch ein „Schlussmacher“, zu Wort. Wer gehofft hatte, Neues oder gar Hilfreiches zum Thema Beziehung zu erfahren, wurde enttäuscht. Wenngleich sich die Geschichten der beiden Gäste als überaus bedenkenswert, aber auch kurios erwiesen.

Hans-Paul Schermer, einst Fleischergeselle und Bodybuilder, augenscheinlich aber auch eine rheinische Frohnatur, lebt von der Vermittlung superreicher und prominenter Kunden, die sich genauso nach Liebe sehnen wie jedermann bzw. jede Frau. Letztere seien übrigens weit anspruchsvoller, wenn sie Geld besäßen, als Männer in ähnlichen Vermögensverhältnissen. Das Geschäft mit der Liebe scheint auch nach 30 Jahren überaus lukrativ zu sein, bevorzugt Herr Schermer doch die Autonobelmarke Rolls Royce und verlangt für erfolgreiche Vermittlung „nur“ noch 8000 Euro. Als Tipp für Nachahmer: Wichtigstes Kapital sind Ehrlichkeit und ein teures Auto.

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Stefan Eiben sorgte da schon für reichlich mehr Überraschung. Entstanden ist die Alibi-Agentur des ITlers vor 15 Jahren aus einer Party-Idee. Seine Dienste sind vergleichbar günstig: Der Preis für eine telefonische Trennung beginnt bereits bei 49 Euro. Doch man kann die Hilfe seiner Agentur eben nicht nur für schwierige Trennungen in Anspruch nehmen, sondern auch für das perfekte, authentische Alibi. Dazu stehen rund 1000 Mitarbeiter und auch Firmen zur Verfügung, die bei Bedarf sogar für echte Einladungen oder wirklichen Besuch sorgen.

Diese Leistungen buchen jedoch nicht nur treulose Beziehungspartner, sondern auch Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Arbeitslosigkeit ihre Umgebung täuschen wollen oder gar täuschen müssen. Hier wird eine wenig positive, gesellschaftliche Veränderung deutlich, wäre doch eigentlich Solidarität mit dem Kranken oder Arbeitslosen erforderlich.

Moralisch möchte sich Stefan Eiben kein Urteil über seine Kunden anmaßen. Privat ist er froh, seine Probleme selbst lösen zu können. Am wichtigsten in einer Beziehung sei nämlich immer noch das gemeinsame Gespräch.

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