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Neuburg

24.06.2019

Diebstahl im Altenheim: Freispruch

Ein Pfleger stand in Neuburg vor dem Amtsgericht.
Bild: Nicolas Armer, dpa

Ein 37-jähriger Pfleger aus der Region wird lediglich wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis schuldig gesprochen. Ein Teil der Anklage wurde sogar eingestellt.

„Das Urteil stand auf Messers schneide“, machte Richter Christian Veh deutlich. Montagnachmittag ging am Amtsgericht der Prozess um den 37-jährigen Pfleger aus der Region zu Ende, der 2017 in zwei Neuburger Altenheimen mehrere Diebstähle begangen haben sollte. Was die Diebstähle angeht, wurde der Angeklagte knapp freigesprochen. Verurteilt wurde er lediglich wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in zwei Fällen. Und zwar – unter Einbeziehung eines vorherigen Urteils wegen Verletzung der Unterhaltspflicht – zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten ohne Bewährung. Bei einem Schuldspruch für die Diebstähle hätte das Strafmaß „einen gewaltigen Sprung nach oben gemacht“, sagte Veh.

Die Aussage der letzten Zeugin war dann aber doch zu unsicher. Sie konnte den Angeklagten im Sitzungssaal nicht eindeutig identifizieren. Und auch bei Ansicht der Lichtbildmappe, in der sie den Mann vor zwei Jahren bei der Polizei noch erkannt hatte, schwankte sie nun zwischen zwei Kandidaten. Das reichte dem Richter und seinen beiden Schöffen für eine Verurteilung nicht aus. Trotzdem meinte Veh: „Vom Täterprofil her würden Sie passen.“ Dem 37-Jährigen, der erheblich vorbestraft ist, gab er einen Ratschlag mit auf den Weg: „Sie haben den Großteil Ihres Lebens noch vor sich. Sie müssen jetzt die Kurve kratzen und auch Verantwortung für Ihre Kinder übernehmen.“

Amtsgericht Neuburg: Es ging um Geld und Schmuck im dreistelligen Bereich

Das Fahren ohne Fahrerlaubnis hatte der Mann gleich am ersten Verhandlungstag gestanden. Bis zum Schluss beteuerte er allerdings mit gebrochener Stimme: „Ich habe niemals im Pflegeheim einen Menschen bestohlen!“ Das Gericht konnte ihm letztendlich keinen der Diebstähle nachweisen. Es ging um Geld und Schmuck im Wert von mehreren 100 Euro.

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Die Fälle in dem einen Heim, in dem er gearbeitet hatte, wurden noch vor der Urteilsverkündung aus Mangel an Beweisen eingestellt. Die zwei Diebstähle in dem anderen Altenpflegeheim, in dem sich der Angeklagte als Besucher eingeschlichen haben sollte, sah Staatsanwalt Thorsten Schalk jedoch bis zum Ende als erwiesen an und forderte deshalb eine Haftstrafe von drei Jahren und einen Wertersatz über 530 Euro. Zum Beispiel der Händler, bei dem der Angeklagte immer wieder Goldschmuck verkauft hatte, hätten ihn zu seiner Überzeugung geführt, erklärte Schalk.

Der Angeklagte bleibt in Haft

Verteidiger Martin Angermayr sah eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung als angemessen an für das Fahren ohne Fahrerlaubnis seines Mandanten. Den Rest der Vorwürfe wies er zurück. Die Indizien reichten seiner Ansicht nach nicht aus.

Der Angeklagte saß bislang in Untersuchungshaft. Der Strafbefehl wird aufrechterhalten. Die Zeit, die der 37-Jährige im Laufe des Verfahrens schon in U-Haft verbracht hat, wird ihm angerechnet. Somit muss er noch ein Jahr und knapp zwei Monate im Gefängnis verbringen. Der Angeklagte nahm das Urteil an, Staatsanwalt Schalk gab noch keine Erklärung ab. Es bleibt eine Woche Zeit, um Berufung oder Revision einzulegen.

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