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Ingolstadt

28.03.2017

Diese Frau singt betörend und zart

Enorm ausdrucksstark: Christiane Karg begeisterte das Publikum im Theaterfestsaal Ingolstadt.
Bild: Johannes Seifert

Eindrucksvoller Liedzyklus, großartig intoniert von Christiane Karg und Gerald Huber.

Christiane Karg, die weltweit erfolgreiche Sopranistin kann ganz wunderbar verhalten und lyrisch singen. Eine Kunst, die eigentlich gar nicht hoch genug gelobt werden kann. Im Rahmen eines umjubelten Liederabends (100 Jahre Konzertverein Ingolstadt) machte die in Feuchtwangen geborene Künstlerin deutlich, wie innig, eindrucksvoll, beseelt und auch zart sie interpretieren kann.

Im gut besuchten Theaterfestsaal, der sich von der Akustik her für Liederabende nicht unmittelbar eignet, begann Christiane Karg leicht und betörend mit Franz Schubert („Leiermann“, „Der Zwerg“ und „Erlkönig“). Bereits nach wenigen Takten wurden Vielfalt und Brillanz einer schier perfekt wirkenden Stimmkultur offenbar. Spontan und sicher, keineswegs sinnenprall, vielmehr wahrhaftig, schenkt sie diesen Liedern damaliger Zeit – die ein junges Publikum wohl kaum mehr zu hören bekommt – Anmut und Würde.

Ähnliches gilt für Robert Schumanns Werke. Bei ihrer so makellosen Interpretation wirkt hier alles schlicht und natürlich, keineswegs aufgesetzt. Dynamisch gut abgestuft, auch dann, wenn es bitter und melancholisch wird, stößt die mit voller Leidenschaft und Hingabe agierende Sängerin keineswegs an interpretatorische Grenzen.

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Immer wieder stellt sich bei Aufführungen von Werken Hans Pfitzners (im zweiten Konzertteil) die Frage: Soll man die Werke des verschrobenen Nationalisten mit unverkennbarer Nazi-Nähe überhaupt noch darbieten? Die ins Programm genommenen Werke ( (unter anderem „Lockung“, „Gretel“ und „Nachtwanderer“) sind wirklich selten zu hören und klingen wunderschön. Insofern kann man den Künstlern wohl keinen Vorwurf machen, zumal interpretatorisch alles wunderbar passte.

Christiane Karg ist heute ohne Zweifel eine der gefragtesten lyrischen Sopranistinnen unserer Tage. Hochgelobt für ihre Interpretationen auf der Opernbühne und als Lied- und Konzertsängerin. Sie tritt mittlerweile rund um den Globus auf, bei Liederabenden in der Carnegie Hall, in New York, in Salzburg oder auch beim Wiener Musikverein. In ihrer Heimat Feuchtwangen leitet die mehrfache Echo-Klassik-Preisträgerin, die vor einigen Jahren auch den „Bayerischen Staatspreis“ erhalten konnte, ein mittlerweile etabliertes Festival mit dem Titel „Kunstklang“.

Und auch Gerold Huber, übrigens ein Mitschüler von Christian Gerhaher, ist nicht nur ein gefragter Liedbegleiter, sondern ein wirklich brillanter Pianist, der auch technisch ausgezeichnet agieren kann.

Beide Künstler beendeten ihren Lied-Zyklus, der vom Publikum völlig zu Recht umjubelt wurde, mit Liedern aus der Feder von Gustav Mahler (etwa „Rheinlegendchen“, „Ablösung im Sommer“, „Das irdische Leben“).

Keineswegs waren in diesem Reigen Last des Lebens oder auch ausweglose Abgründe, die Mahler stets erleben musste, zu spüren. Ganz im Gegenteil. Christiane Karg beeindruckte das Publikum erneut: Ihr Timbre glanzvoll, ihre Bühnenpräsenz unglaublich, ihr Gesang in der Tiefe und in den hohen Tönen betörend, manchmal etwas dezent, aber immer anmutend rein und klar.

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