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Neuburg

09.05.2015

Diese Frau wurde missbraucht - und will nun anderen Opfern helfen

Karin Steinherr hat sich überwunden und über den sexuellen Missbrauch geredet. Jetzt will sie anderen Frauen helfen, die Ähnliches erlebt haben.
Bild: Federsel

Irgendwann hat sich Karin Steinherr einem Freund anvertraut. Sie ist sexuell missbraucht worden. Dann bricht sie zusammen, macht eine Therapie - und will nun anderen Opfern helfen.

Das Schweigen brechen - für viele Opfer sexueller Gewalt ein Schritt, den sie nur ungern wagen. Denn obwohl sie nichts für das können, was ihnen angetan wurde, möchten viele sich aus Scham oder Angst nur ungern mitteilen. Karin Steinherr hat diesen mutigen Schritt jedoch getan.

Im Kindesalter hatte die heute 40-Jährige erstmals Missbrauch erfahren. Darüber gesprochen hat sie erst im Erwachsenenalter. Zunächst mit einem guten Freund. „Nach dem Gespräch bin ich erst einmal zusammengebrochen, habe 15 Kilo abgenommen und habe vier Wochen nur auf dem Sofa verbracht“, erzählt sie.

Der Freund, dem sie ihre schrecklichen Erlebnisse offenbart hatte, riet ihr zu einer Therapie. Doch Therapieplätze waren Mangelware. Karin Steinherr hätte erst in einigen Monaten einen Platz bekommen. Ein Arzt riet ihr zunächst zum Besuch einer Selbsthilfegruppe für Borderliner, später besuchte sie dann eine Selbsthilfegruppe für Opfer sexueller Gewalt in Ingolstadt.

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„Wenn man mit Menschen spricht, die dieselben Ängste, dieselben Gefühle und Probleme haben, dann ist das sehr hilfreich“, sagt Steinherr. Und so beschloss sie, eine solche Selbsthilfegruppe auch in Neuburg zu gründen.

Sie will Frauen helfen, die Schlimmes erlebt haben

Unterstützung hat sie dabei von Sepp Egerer vom Jugendzentrum erhalten, den sie vor einigen Monaten kontaktiert hat. Egerer stellt ihr und der Selbsthilfegruppe künftig die Räumlichkeiten im Dachgeschoss des Jugendzentrums zur Verfügung. Dort soll sich jeden ersten Montag im Monat um 19 Uhr die Selbsthilfegruppe treffen.  In einem geschützten Rahmen und unter absoluter Vertraulichkeit sollen dort Erfahrungen ausgetauscht, Lösungen gefunden und vor allem sich gegenseitig Mut gemacht werden.

„Wir möchten Soforthilfe anbieten, aber wir können und wollen natürlich keine Therapie ersetzen“, sagt Steinherr, deren Foto auf einem Flyer zu sehen ist, den sie gemeinsam mit Sepp Egerer entwickelt hat und der mittlerweile beispielsweise in Arztpraxen ausliegt. „Der Schritt, in die Öffentlichkeit zu gehen, war sehr schwer, aber es tut sehr gut, mit anderen darüber zu reden“, sagt sie.

Zu den Treffen der Selbsthilfegruppe können Betroffene ohne Voranmeldung kommen. Eine Kontaktaufnahme ist über die Telefonnummer (08431/ 605565) sowie über Karin Steinherrs Mobilfunknummer (0176/72753122) oder auch per E-Mail unter offenegruppe@yahoo.de möglich. Wer nicht zum Gruppentreffen kommen möchte, kann auf diesem Weg ein Einzelgespräch vereinbaren.

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