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Neuburg

18.01.2019

Donauschwimmen: Ein halbes Jahrhundert Badespaß

Die Gefährte wurden immer ausgefallener: Im Januar 1981 schwamm ein Rauch und Feuer spukender Drache die kalte Donau entlang.
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Die Gefährte wurden immer ausgefallener: Im Januar 1981 schwamm ein Rauch und Feuer spukender Drache die kalte Donau entlang.
Bild: Wasserwacht Neuburg

Das Donauschwimmen wird 50 Jahre alt. Was mit acht Personen und einem schlechten Gewissen begann, wurde zum größten Winterschwimmen Europas.

Für manche ist kalt duschen schon zu viel. Im Winter in einen der größten Flüsse Europas springen – im Leben nicht. Was beim ersten Hören wie eine absurde Idee klingen mag, hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten zu einem Massenspektakel entwickelt: Das Donauschwimmen ist das größte Winterschwimmen und der einzige „schwimmende Faschingszug“ Europas mit tausenden Teilnehmern und Zuschauern. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt, das nicht mehr aus dem jährlichen Veranstaltungskalender wegzudenken ist, immer am letzten Samstag im Januar.

Begonnen hat alles mit einem schlechten Gewissen. Alois Paulus muss es wissen, er gilt als „Erfinder“ des Donauschwimmens. 1970 war er Tauchwart der Wasserwacht Neuburg, als ihm auffiel, dass seine Truppe auf Notfälle im Winter nicht wirklich vorbereitet ist. „Ein Auto im Weiher oder der Donau und wir müssten hinterher – das wäre für uns neu gewesen“, sagt der heute 80-Jährige. Er trommelte seine Mannschaft zusammen – acht an der Zahl – und am Samstag, den 24. Januar 1970 stürzten sich eine Frau und sieben Männer wagemutig in die kalte Donau. Das Donauschwimmen war geboren.

Diese Crew erfand 1970 das Donauschwimmen (von rechts): Otto Wisniewski, Alois „Stutz“ Paulus, Dieter Roth, Horst Schwark, Helga Schwark, Karl Gnadler, Dieter Schwark und Sigi Lang.
Bild: Wasserwacht Neuburg

Donauschwimmen: Die Teilnehmerzahl nahm stetig zu

Schnell bekamen befreundete Wasserwachten Wind von der innovativen Trainingsmethode und sahen bei sich offenbar ebenfalls Nachholbedarf in Sachen Abhärtung. Schon im zweiten Jahr verdoppelte sich die Teilnehmerzahl von acht auf 16, danach wurden es stetig mehr. Zu den Wasserwachten gestellten sich THW, DLRG und BRK. Doch damit nicht genug: Firmen, Vereine, Verbände und Privatleute wurden auf das Winterschwimmen aufmerksam und wollten ebenfalls Teil des Events sein, das inzwischen längst nicht mehr nur eine bloße Übung für Einsatzkräfte war.

„Weil es mitten in die närrische Zeit fiel, wurde es schnell zu einem Faschingsevent“, erzählt Paulus. Anfangs schwammen die Teilnehmer noch vergleichsweise spärlich „geschmückt“ – mit Luftballons an den Handgelenken – von der Einstiegsstelle in Bittenbrunn bis zum Donauruderclub. Mit der Zeit wurden die Verkleidungen immer ausgefallener, Haifischmäuler zierten als Mützen die Häupter der Teilnehmer oder es wurden ganze Fabelwesen aus der Taufe gehoben und ins Wasser gelassen. „Ein feuerspeiender Drache ist mir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben“, sagt Helga Paulus, Alois Paulus Ehefrau. Er sei eines der ersten großen Gefährte gewesen, das beim Winterschwimmen die Donau hinabtrieb – in ihren Augen bis heute eines der schönsten.

Ein Erfolgsmodell wie dieses weckt Begehrlichkeiten und es dauerte nicht lange, da fanden sich die ersten Nachahmer, erzählt Paulus. Rain, Ingolstadt, Donauwörth – sie alle veranstalteten ebenfalls ein Donauschwimmen, doch keines hatte Bestand. Einzig das Original begeistert bis heute. „Oft kopiert und selten erreicht“ – für das Donauschwimmen in Neuburg trifft die Beschreibung zu. Warum, erklärt sich Paulus so: „Die Kulisse, das Schloss, der Donaukai, das gibt es nirgendwo anders.“ Darum halte sich die Tradition ungebrochen – schon ein halbes Jahrhundert lang.

Legendäre Wasserwachtsbälle gehören ebenfalls zum Donauschwimmen. Wie der letzte im Jahr 1987, als die Freisinger Band „Dolce Vita“ im Kolpingsaal spielte.
Bild: Wasserwacht Neuburg

Der Ball nach dem Donauschwimmen hat Kultstatus

Kultstatus haben auch die Bälle, die das Donauschwimmen am Samstagabend begleiten. Sie sind nicht minder feuchtfröhlich wie das Treiben auf der Donau selbst und einem einfachen Umstand geschuldet, erklärt Paulus. „Man wollte die vielen Gäste, die inzwischen aus ganz Deutschland und dem umliegenden europäischen Ausland kamen, nicht nur beherbergen, sondern auch zusammen mit ihnen feiern.“ Weil die Zahl an Hotelbetten in Neuburg zu gering und die Unterkünfte am Wochenende des Donauschwimmens heillos überbucht waren, wurden und werden bis heute Turnhallen angemietet, in denen die Teilnehmer für wenig Geld ein Nachtlager bekommen. Das Wichtigere ist für die meisten sowieso der Ball.

Die Karten für den Wasserwachtsball sind seit Jahren binnen kurzer Zeit ausverkauft. Die 1800 Karten für den Jubiläumsball in diesem Jahr waren bereits Ende Oktober, nach rund dreieinhalb Tagen, vergriffen. Zu Beginn wurde im Kolpingsaal gefeiert, mit legendären Auftritten wie dem der Freisinger Band „Dolce Vita“. Inzwischen musste der Ball in die Mehrzweckhalle am Volksfestplatz verlegt werden, die Anzahl der Feiernden sprengte den Rahmen. Um ihren Durst zu stillen, verwandelt sich die Empore der Halle jedes Jahr zur wohl „längsten Bar Neuburgs“, erzählt Paulus. Eine Kuriosität musste wegen „sicherheitsrechtlicher Bedenken“ allerdings weichen. „Früher führte eine Rutsche von der Empore in die Halle hinunter – so war zumindest sichergestellt, dass kein Betrunkener die Treppen hinunterfallen konnte“, erzählt Paulus.

In all den Jahren ist es – bis auf Unterkühlungen oder Krämpfe – nie zu schlimmeren Unfällen oder Todesfällen gekommen, betont Paulus. Klar, die wenigsten Teilnehmer seien erfahrene Taucher wie er und sein Gründungsteam, und die meisten springen nur mit geliehenen Neoprenanzügen in die Donau. Ein bisschen Wasser zwischen Haut und Anzug sei normal, erklärt der Tauchveteran, der selber 45 Mal am Donauschwimmen teilnahm. Das sei sogar wichtig – als Isolierschicht. Ist der Anzug aber zu groß, dringt zu viel Wasser ein, das kann der Körper nicht mehr auf Temperatur bringen und es droht eine Unterkühlung. Das prominenteste „Opfer“, das die Donau gefordert hat, ist der jetzige Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium und damaliger Landrat von Neuburg-Schrobenhausen, Roland Weigert. Er musste – warum auch immer – erschöpft aus dem Fluss gezogen werden.

Das Donauschwimmen wurde nur ein einziges Mal abgesagt

Abgesagt wurde das Donauschwimmen nur einmal, im vergangenen Jahr, wegen des Hochwassers. „Die Strömung war zu stark und das Risiko zu hoch, zwischen Schwemmmaterial und Holzstämmen den reißenden Fluss hinunter zu schwimmen“, sagt Paulus. Gefeiert wurde trotzdem, der Ball fand statt, das Schwimmen wurde als 49. Donauschwimmen mitgezählt. Darum kann in diesem Jahr das 50. Jubiläum gefeiert werden. Ganz offiziell und ohne schlechtes Gewissen.

Die Mitglieder der Wasserwacht, die das Donauschwimmen mehr aus Verlegenheit ins Leben gerufen haben und denen die Stadt ein weit über die Grenzen bekanntes Event zu verdanken hat, sind von Hauptdarstellern in Nebenrollen geschlüpft. Sie erfüllen organisatorische Aufgaben rund um das Großereignis und verfolgen das Treiben nur noch vom Ufer aus. Zweimal im Jahr, an Neujahr und Dreikönig, lassen sie es sich nicht nehmen und steigen selber in die Fluten. So wie es Alois Paulus als einer von acht Kameraden 1970 das erste Mal tat. „Ich hätte nie gedacht, dass es sich so entwickelt, aber die Zeit dafür war einfach reif.“

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