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Neuburg

13.08.2019

Dorffeuerwehren: Teuer, aber unverzichtbar

Geräte, Ausrüstung und Personal – das alles braucht eine Feuerwehr, um im Notfall bereit zu sein.
Bild: Feuerwehr Neuburg (Archiv)

Kaum etwas gehört so sehr zu jedem Dorf wie eine Feuerwehr. Dabei haben kleine Feuerwehren häufig zu wenig Aktive. Warum sie sich dennoch lohnen.

Georg ist in Urlaub, Anna macht ihre Ausbildung in Pfaffenhofen, Serkan studiert in München – so oder so ähnlich klingen die Probleme von vielen kleinen Feuerwehren in der Umgebung von Neuburg. Denn unter der Woche sind deren Mitglieder häufig nicht verfügbar, vor allem zu den Hauptarbeitszeiten heißt das dann: Die Feuerwehr ist nicht einsatzfähig. Und das kommt häufig vor.

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„Tagsüber ist die Personaldecke oft am Minimum“, sagt Stefan Kreitmeier, Kreisbrandrat im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. So gibt es Zeitfenster, in denen gleich mehr Wehren als eigentlich nötig alarmiert werden und die Truppen aus den Nachbarorten zur Unterstützung oder gar anstelle ihrer Kameraden am Ort ausrücken. Doch auch wenn einige Feuerwehren ihre Aufgaben nicht immer erfüllen können, geben die Kommunen in der Region viel Geld für sie aus. Von Vertretern aus der Politik ist fast ausschließlich Lob zu hören – und das zu Recht, wie viele finden.

Gemeinde und Feuerwehr tragen Verantwortung

Ehekirchens Bürgermeister Günter Gamisch verweist auf die Verantwortung, die Gemeinde und Feuerwehr haben: Schließlich sollen sie dazu beitragen, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Gelingen könne dies eben auch, wenn Einheiten aus den Nachbarorten anrücken müssen. Außerdem stellten die Feuerwehren in der Gemeinde keine überzogenen Forderungen, wenn sie sich um neue Ausrüstung oder Geräte bemühten. Zudem: Den Wert der Feuerwehren bemisst Gamisch nicht nur daran, wie sie ihre ureigenen Aufgaben erfüllen. Er schreibt ihnen im gesellschaftlichen Leben eine „sehr zentrale Rolle“ zu, schließlich seien die Feuerwehrleute an zahlreichen Veranstaltungen beteiligt.

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Ansätze, wie die Feuerwehren trotz teils knapper Personallage noch einsatzfähig sein können, gibt es viele. So rücken manche Wehren zu Einsätzen in der Regel gemeinsam aus, andere bestreiten ihre Übungen miteinander. In vielen Gemeinden gibt es außerdem eine Stützpunktfeuerwehr, die kleineren Ortsteilen bei ihren Einsätzen helfen kann – sei es mit Personal oder Ausrüstung. Zu diesen Gemeinden zählt auch Ehekirchen – genauso wie Rennertshofen. Dort stößt Bürgermeister Georg Hirschbeck ins gleiche Horn wie sein Ehekirchener Amtskollege: Vor allem in den kleinsten Orten spiele sich das soziale Leben in der Feuerwehr ab, bei Einsätzen sei außerdem die Ortskenntnis der Feuerwehrleute durch nichts zu ersetzen. Allen Kosten zum Trotz gelte für ihn deshalb die Devise: „Wir wollen den Feuerwehren das entsprechende Equipment mitgeben, das notwendig ist.“

Feuerwehren in Dörfern rund um Neuburg zeichnen sich durch Ortskenntnis aus

Zustimmung erfährt er dabei wenig überraschend von Brandrat Kreitmeier. Auch dieser hebt hervor, wie wichtig die Ortskenntnis der Dorffeuerwehren ist. Diese sind für ihn deshalb „unsere wichtigsten Feuerwehren“. Sie bezeichnet Kreitmeier als „unsere Stützen“. Viele nutzten zudem ohnehin die Möglichkeiten, Kosten einzusparen. Die Wehren in Burgheim und Karlskron etwa schafften kürzlich mit einer Ausschreibung zwei Fahrzeuge zusammen an – dies habe den Aufwand verringert, zudem sei die öffentliche Förderung aufgrund dessen um zehn Prozent gestiegen. Die Anzahl an verfügbaren Feuerwehrleuten und Geräten werde außerdem stets erfasst, sodass koordiniert werden kann, welche Feuerwehren einsatzbereit seien – und wie genau alarmiert werden muss. „Das geschieht nicht ins Blaue hinein“, sagt Kreitmeier.

Selbst vom Bund der Steuerzahler erfahren die kleinen Feuerwehren Unterstützung. Dabei ist dessen Aufgabe, „Mahner und Wächter“ zu sein, wie es Michael Jäger ausdrückt. Er ist der Vizepräsident des Bundes in Bayern. „Ich habe höchsten Respekt vor den Feuerwehrleuten“, betont er. Ein Ehrenamt, wie sie es übernehmen, sollte man seiner Meinung nach auch finanziell unterstützen und fördern. Denn: Wenn ein Ort nicht mehr durch eine Freiwillige Feuerwehr geschützt werden könnte, müsste dies eine Berufsfeuerwehr übernehmen – und das wäre ungleich teurer.

Freiwillige Feuerwehr: Mehr Unterstützung für Ehrenamt gefordert

Wenig verwunderlich, dass Jäger auf Einsparpotenziale hinweist: Verschiedene Feuerwehren könnten manche Geräte gemeinsam beschaffen, oder sich Übungsausstattungen teilen – so, wie es im Landkreis schon häufig praktiziert wird. Was ihm besonders positiv auffällt, ist, dass eine Unterscheidung zwischen Pflicht und Kür gelänge. Die Pflicht, das sei die richtige Infrastruktur, die die kommunalen Träger sicherzustellen hätten. Zur Kür zähle etwa die Ausstattung der Vereinsräume der Feuerwehr. Diese sei für die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr nicht zwingend nötig – und deshalb keine Kernaufgabe der Öffentlichkeit.

Hier lobt er, wie viel die Feuerwehrleute selbst zu leisten bereit seien: „Wenn dort ein Kühlschrank gebraucht wird, dann bringt halt einer einen mit“, schildert er seinen Eindruck. Doch das Gemeinschaftsgefühl allein reicht ihm nicht aus, wenn es darum geht, den Nachwuchs zur Feuerwehr zu locken: Auch der Gesetzgeber solle Anreize setzen, um mehr Bürger zu einem Engagement in der Feuerwehr und anderen Ehrenämtern zu bewegen. „Denn ohne Ehrenämtler sind wir als Gesellschaft aufgeschmissen“, sagt Jäger.

Lesen Sie hier den Kommentar: Freiwillige Feuerwehren: Um Brände allein geht es gar nicht

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