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Faurecia

28.02.2015

Dort geht die Angst um

Unsichere Zeiten für Faurecia. Bei der Betriebsversammlung gestern gab es keine erschöpfende Auskunft auf die Fragen der Beschäftigten.
Bild: Xaver Habermeier

Die Betriebsversammlung gestern wurde unterbrochen. Die Belegschaft will mehr Informationen, weshalb der Auftrag von Audi verloren ging. Und warum Audi nicht reagiert

Bei Faurecia zittern die Beschäftigten weiter um ihren Arbeitsplatz. Seit bekannt wurde, dass die Produktion der Sitze für den Audi A3 im August 2016 verloren geht, wollen die Beschäftigten und auch die IG Metall Hintergründe wissen. Eine in Augen von Johann Horn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall für Ingolstadt, ausreichende Auskunft gab das Unternehmen gestern bei einer Betriebsversammlung allerdings nicht.

Deshalb wurde die Betriebsratsversammlung unterbrochen. Sie soll dann fortgeführt werden, wenn der Betriebsrat es für richtig hält und das Unternehmen mehr Details vorlegen kann. Eine schriftliche Kündigung von Audi ist bei Faurecia noch nicht eingegangen. Und auch der Vertrag mit Magna, dem Unternehmen, das ebenfalls am Standort Neuburg die Produktion der A3-Sitze übernehmen soll, ist wohl noch nicht unterschrieben. Horn beschreibt die Situation als verzwickt. Nicht nur für Faurecia. Denn Magna baut bisher die Sitze für das Audi-Modell Q5. Dieses Modell aber soll bekanntlich bald in Mexiko gebaut werden. Gibt es für Magna keinen Nachfolgeauftrag, stehen dort die Beschäftigten auf der Straße. Damit sei auch für dieses Unternehmen und dessen Arbeitnehmer ein Nachfolgeauftrag wichtig, so Horn: „Ich glaube aber schon, dass bei einer richtiger Verteilung der Aufträge alle Arbeitnehmer bei Faurecia und Magna weiterhin beschäftigt werden können.“ Horn erklärte die Stellung der IG Metall so: Kein Verlust von Arbeitsplätzen und keine Einkommenseinbußen für die Beschäftigten. Und der zweite große Auftrag von Faurecia, die Produktion der Sitze für den Audi A4, müsse langfristig erhalten bleiben.

So richtig konnte oder wollte die Unternehmensleitung nicht erklären, weshalb der Auftrag verloren geht. Einzige Begründung, die genannt wurde, ist die Zwei-Lieferanten-Strategie von Audi. Soll wohl heißen, dass beide Zulieferer am Standort gehalten werden sollen. Ob es Audi um die Arbeitsplätze geht oder aber um den Konkurrenzdruck? Laut Horn sei das im Grundsatz gut, nur: „Man muss wissen, dass Faurecia einen etablierten Betriebsrat hat und seine Beschäftigten nach Tarif bezahlt. Bei Magna dagegen wurde ein Betriebsrat erst vor Kurzem etabliert. Und der Tarifvertrag zählt dort nicht.“ Also verdienen die Magna-Mitarbeiter weit weniger. Keine Voraussetzung für einen gesunden Wettbewerb, meint nicht nur Horn.

Die Beschäftigten wollen ebenfalls gleiche Voraussetzungen und befürchten, dass einzig der Preis für den Auftragsverlust verantwortlich sein könnte. Bereits 2009 hatte die Belegschaft Einbußen bei Lohn und Urlaub hingenommen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Jetzt ist der Auftrag weg. Deshalb, so die einhellige Meinung, könne es nicht angehen, dass sich zwei Unternehmen mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen um einen Auftrag bewerben. Audi sei gefragt und müsse dafür sorgen, dass die Mitarbeiter beider Unternehmen bei gleicher Arbeit auch den selben Verdienst bekämen. Wo der Weg hingeht, weiß momentan niemand, anscheinend noch nicht einmal die Geschäftsleitung von Faurecia.

Die Beschäftigten wollen rasch Fakten und Antworten. Die Betriebsversammlung soll möglichst nächste Woche fortgeführt werden. Momentan arbeiten zwischen 300 und 350 der insgesamt 1000 Mitarbeiter an den A3-Sitzen. Betroffen aber sind sie irgendwie alle.

Auskünfte sind von der Werkleitung und auch aus der Konzernzentrale nicht zu erhalten. Auch gestern hat sich die Leitung des Neuburger Werks zurückgehalten. Informiert wurde die Belegschaft von Geschäftsführer Dr. Hagen Wiesner von der deutschen Konzernzentrale. Vielleicht schaut er kommende Woche wieder vorbei. Die Mitarbeiter hoffen, dass er dann mehr Informationen für sie in seiner Aktentasche hat.

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