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31.07.2010

Dort, wo die Freiheit grenzenlos ist

Bevor Alexander Schmidmeister mit dem Segelflieger in die Luft geht, wird beim sogenannten Last-Chance-Check das Flugzeug überprüft. Foto: Xaver Habermeier
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Bevor Alexander Schmidmeister mit dem Segelflieger in die Luft geht, wird beim sogenannten Last-Chance-Check das Flugzeug überprüft. Foto: Xaver Habermeier
Bild: Xaver Habermeier

Neuburg Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein...

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit. Der 16-jährige Alexander Schmidmeister träumt ihn nicht nur, sondern lebt diesen Traum. Dazu absolvierte der Neuburger beim Luftsportverein des Jagdgeschwaders 74 auf der Basis Zell die A-Prüfung für Segelflugzeuge, die zum Alleinflug berechtigt.

Angefangen hat die Flugzeug-Begeisterung Schmidmeisters zuhause bei Gesprächen mit seinem Vater. "Mein Dad ist bei der Flugberatung im Jagdgeschwader beschäftigt", erzählt der Jugendliche. Die Leidenschaft zum Segelfliegen ist im Motorflugzeug entstanden. "Ich bewunderte bei Mitflügen die Segelflieger, die ganz ohne Motor und damit ohne Spritverbrauch fast geräuschlos am Himmel gleiten", sagt der frischgebackene Pilot. Als er dann im Winter einen Mitflug im doppelsitzigen Segel-Schulungsflugzeug angeboten bekam, hat es gefunkt. Diese Art der Fliegerei schlug den Jungen in seinen Bann und hat ihn nicht mehr losgelassen.

Nach der Landung informierte er sich über die Bedingungen, Anforderungen, Durchführung und Preise eines Segelflugscheins. Hauptmann Michael Diller, Kassier und sogenanntes "Mädchen für Alles" beim Luftsportverein JG 74, bezifferte die Kosten auf rund 500 Euro.

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Alexander Schmidmeister meldete sich sofort an und startete mit verschiedenen Flugzeuglehrern sein Vorhaben. Vorher galt es aber noch, diverse Gesundheitschecks zu überstehen. Christian Ernst und Ben Razi kümmerten sich als Fluglehrer um die Ausbildung, Ausbildungsleiter war der Ingolstädter Hans Becker.

Bis zum ersten Alleinflug dauerte es 53 Flugstunden. Geübt wurden im doppelsitzigen Flugzeug der langsame Flug, Geradeausflug, Wirkungsweise und Bedienung des Ruders, Starts mit einem Motorschlepper oder mit der Winde, das Trudeln, Landekurven und verschiedene Manöver bei unterschiedlichen Witterungen. Wenngleich auch die Gesetze der Thermik weitgehend erforscht sind, so ist doch jeder Tag mit seinen unterschiedlichsten Wetterbedingungen eine neue Herausforderung. Welche Wolkenfelder schließlich die idealsten Thermiken um sich haben, das lernte Schmidmeister aus Erfahrung. Weiter war es beim Kurs die Theorie über die elementarsten Dinge der Fliegerei und Einweisung am Rettungsfallschirm und am Fluggerät.

Dass der sogenannte "Last Chance Check" überlebenswichtig ist, gilt für alle Fluggeräte vom großen Transporter bis hin zum Segler, gleichermaßen. "Um zu wissen, ob alles mit dem Flugzeug passt, muss man freilich alle Teile und deren Funktion kennen", sagt Schmidmeister. Akribisch genau protokolliert er in seinem fliegerischen Begleitbuch die Ausbildung und den fliegerischen Werdegang.

Bis zur bestandenen A-Prüfung war es für Schmidmeister ein herausfordernder Weg mit 53 Starts. Nach dem ersten Alleinflug beglückwünschten alle Fliegerkameraden den Alleinflieger und schlugen ihm, einem alten Flieger-Ritual folgend, auf den Hintern. "Damit bekommt er das Gefühl für die Thermik", beschreibt Diller diese Tradition mit einem Schmunzeln.

Der Schüler nutzt seitdem jede freie Minute auf dem Flugplatz. Die Organisatoren des Luftsportvereins sind stolz auf Alexander Schmidmeister und die weiteren neun jugendlichen Flugschüler und zwei Senioren. "Bei uns treffen sich Menschen aller Altersklassen, um das wunderbare Gefühl des vogelgleichen Fliegens, dem Segelfliegen, zu erleben" beschreibt Diller die Faszination seines Sports. Einige betreiben beim Luftsportverein den Segelflug als Leistungssport, andere genießen einfach das Gefühl der großen Freiheit. "Bei Alexander ist es eine Mischung aus beidem, und das voller Leidenschaft", sagt der Vereinskassier.

Der Luftsportverein bietet neben der Ausbildung zum Segelflugschein auch Flüge in den Motorflugzeugen Piper P 18 und Piper P 22 an. Außerdem stehen den Vereinsmitgliedern die legendäre Dornier 27, der Motorraab, der Doppelraab und die Motorkrähe aus dem Bestand der Deutschen Gesellschaft zur Erhaltung historischer Flugzeuge zu Verfügung. Alexander Schmidmeister schielt oft auf diese Raritäten. Aber in seinem Fokus stehen zwei weitere Herausforderungen, die B- und C-Segelflugprüfungen, an. Mit der bisher abgelegten A-Prüfung darf er alleine fliegen, aber nur mit Flugauftrag eines Fluglehrers.

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