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Kultur in Neuburg

03.08.2020

Dozentenkonzert der Sommerakademie: Klassik mit Witz und Feuer

Beeindruckendes Trio auf der Neuburger Bühne: Giovanni Angeleri, Nono Gurevich und Alexander Suleiman.
Bild: Peter Abspacher

Plus Kurzweilig zeigte sich dieses Dozentenkonzert bei der Sommerakademie im Stadttheater in Neuburg. Eine Veranstaltung, die auch von den Gegensätzen der Tonsprachen lebte, urteilt unser Autor.

Jammerschade, dass die Reihen im Stadttheater unter den Bedingungen der Pandemie nur sehr lückenhaft besetzt werden dürfen. Denn dieses Dozentenkonzert Klassik der Neuburger Sommerakademie hätte ein volles Haus verdient, auch die drei- oder vierfache Zahl von Zuhörern wäre auf vorzüglichem Niveau unterhalten worden. Diese gut 60 Minuten waren getragen von Witz und Feuer, von virtuosem Können und von einer Spiellust, die allen Widrigkeiten der elenden Corona-Zeit trotzt.

Dozentenkonzert Klassik im Neuburger Stadttheater: Das gab es zu hören

Das gilt für das Trio elegiaque No. 1 von Sergei Rachmaninoff genauso wie für die Stücke aus J. S. Bachs Wohltemperierten Klavier, für die Humoreske Peter Tschaikowskis, die Fantasie über Melodien aus „La Traviata“ von Delphin Alard und für den köstlichen „Rausschmeißer“, das „Gassenhauertrio“ Ludwig von Beethovens.

Irma Issakadze zelebrierte Bach.
Bild: Peter Abspacher

Beginnen wir, um Karl Valentin abgewandelt zu zitieren, mit dem Ende. Das BeethovenTrio in der Besetzung Klarinette, Violoncello und Klavier ist ein Feuerwerk von eingängigen Melodien, die mit Leichtigkeit daherkommen und immer wieder rhythmisch überraschen. Die drei Instrumente werfen sich die Bälle zu, gelegentlich in rasanter Weise. Einmal so ungebremst, dass ein Einsatz ziemlich frei gestaltet, man könnte auch sagen elegant geschmissen wurde. Alexander Suleiman (Cello), Marco Thomas (Klarinette) und der Pianist Heiko Stralendorff machten dieses Trio zum echten Vergnügen, für sich selbst und fürs Publikum.

Dozentenkonzert der Sommerakademie: Klassik mit Witz und Feuer

Am Anfang hatten Giovanni Angeleri (Violine), Nino Gurevich am Klavier und Alexander Suleiman (Cello) einen ganz anderen Akzent gesetzt. Rachmaninoffs Trio elegioque ist ein breiter Storm von Emotionen, der Grundton ist von leiser Tristesse geprägt. Exaltierte Ausbrüche kontrastieren mit kaum hörbaren Pianissimo-Passagen. Diese Musik berührt die Tiefen des Gemüts, die drei Interpreten setzten diesen Stoff in stimmige, intensive musikalische Farben um. Wieder eine andere Welt blitzt in Tschaikowskis „Humoreske“ auf. Das Duo Angeleri und Gurevich brachte diese kurze, knackige Preziose zum Funkeln, mit einer fröhlichen Leichtigkeit und Eleganz.

Konzert der Sommerakademie lebte auch von den Gegensätzen

Und weil die Künstler an Violine und Klavier gerade richtig im Spielwitz drin waren, setzten sie mit der Fantasie über die Oper „La Traviata“ von Delphin Alard noch ein musikalisches Husarenstück drauf. Was Giovanni Angeleri bei seinen Variationen über berühmte Melodien aus dieser großen Oper aus seiner Geige herausholte, irgendwo oben in der x-ten Lage und dann gleich wieder in sonoren Doppelgriffen der tiefen Regionen, war hinreißend. Im Zusammenspiel mit dem vorzüglichen Pianisten entstand ein bejubeltes Bravourstück.

Dieses Konzert lebte auch von den Gegensätzen der Tonsprachen. Einen farbenreichen Akzent setzte Irma Issakadze mit drei Präludien und Fugen aus dem Wohltemperierten Klavier. Die klare, genial konstruierte Welt des Johann Sebastian Bach leuchtete in den Tonarten

As-Dur, e-moll und B-Dur, Issakdaze gestaltete vor allem die Fugen fein und durchsichtig, mit brillanter Technik. Die Tempi nahm sie vielleicht manchmal zu forsch, auch beim Einsatz des Pedals hätte mehr Zurückhaltung nicht geschadet. Insgesamt war es ein interessanter Bach, wenn man so will, angereichert mit georgisch angehauchten Emotionen.

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