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Rennertshofen-Bertoldsheim

29.04.2015

Draußen Protest, drinnen Endlosdiskussionen

Besorgte Anlieger bekundeten gestern am Rande des Runden Tischs in der Schlossgaststätte deutlich, was sie vom geplanten Polder Bertoldsheim halten.
Bild: Michael Geyer

Runder Tisch legt Leitplanken für einen Bürgerdialog zum Flutpolder Bertoldsheim fest. Was die Anlieger dazu sagen.

Rennertshofen-Bertoldsheim Drinnen wurde diskutiert, draußen demonstriert. Während am Runden Tisch in der Schlossgasstätte Kommunalpolitiker, Behörden- und Verbandsvertreter den im Sommer geplanten Hochwasserdialog zum Flutpolder Bertoldsheim inhaltlich vorbereiteten, machten betroffene Bürger mit Trillerpfeifen und Schmähungen lautstark ihrem Unmut Luft.

Besonders heftig bekam der Leiter des Ingolstädter Wasserwirtschaftsamtes, Christian Leeb, den Widerstand gegen das Projekt zu spüren. Seine Beteuerungen, die Bedenken zur Grundwasserproblematik würden ernst genommen und die Anlieger am Prozess beteiligt, quittierten die Demonstranten mit höhnischem Gelächter. „Alles wird bei uns abgeladen – zuerst die Stromtrasse, dann ein zweiter Polder“, so der Tenor des Protests. Die Folgen einer gesteuerten Flutung des Polders bei einem Extremhochwasser, einem sogenannten HQ 100 (hundertjährlicher Abfluss), verursacht den Anwohnern große Bauchschmerzen. Sie befürchten, dass das Druckwasser hinter einem vier bis fünf Meter hohen Damm ihre Keller volllaufen lässt.

Der Anspruch der nicht öffentlichen Veranstaltung, der auch Landrat Roland Weigert und die Bürgermeister Georg Hirschbeck ( Rennertshofen) und Alois Schiegg ( Marxheim) der betroffenen Gemeinden beiwohnten, war die Herangehensweise festzulegen, wie eine Bürgerbeteiligung konkret ausgestaltet werden könnte. Die Bedenken und Anregungen sollten gebündelt und als Empfehlung für die Realisierung formuliert werden. Dies gelang freilich nur mühsam. Es galt, die unterschiedlichsten Einwände unter einen Hut zu bekommen, was der Quadratur des Kreises glich. Schließlich wollten alle gehört werden – neben den gewählten Mandatsträgern auch die Vertreter von Landwirtschaft, Naturschutz, Fischereiverbänden oder des Segelclubs.

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Moderiert von Rechtsanwalt Dr. Peter Hammacher und Petra Claus vom Büro CMC Claus aus Hilpoltstein, verloren die Diskutanten sich immer wieder in Grundsatzfragen. Grundsätzlich, verkürzte Mediator Peter Hammacher die Einwendungen, müsse man sich beim Dialog entscheiden zwischen einer Grundsatzdiskussion über den Sinn eines Polders oder dem Festlegen von konkreten Kriterien des gesteuerten Hochwasserschutzes. Man müsse „bei Adam beginnen“, legte sich Landrat Weigert fest. Sonst erreiche man keine breite Akzeptanz an der Basis. Er gebe sich aber nicht der Illusionen hin, dass das Ministerium dies unterstütze. „Da werden sie eine zentriert bekommen“, meinte er scherzhaft an die Adresse von Christian Leeb gerichtet. Und MdL Eva Gottstein warf ein, der Bürger weigere sich, in einen Dialog einzusteigen, bei dem der zweite vor dem ersten Schritt getan werden solle.

Die Hochwasserwelle der Donau mit gesteuerten Flutpoldern zu kappen, wie es die Studie der TU München für das Aktionsprogramm 2020 plus der Staatsregierung empfiehlt, zogen zahlreiche Redner in Zweifel. Andere Varianten wie eine Rückverlegung der Deiche oder die Rolle natürlicher Retentionsräume sei nicht ausreichend geprüft worden, so der Vorwurf. Das Ergebnis des Grundwassermodells, beschwichtigte Wasserwirtschaftler Leeb weitere Kritiker, sei offen. Man könne es erst konkretisieren, wenn die Variablen des Polders feststünden. Die Betriebssicherheit sei aber weiter ein K.O.-Kriterium.

Nach über dreistündigem Ringen stand ein Zwölf-Punkte-Katalog mit relevanten Themenfeldern fest, also die Leitplanken des Bürgerdialogs: Dazu zählen die ganzheitliche Betrachtung des Hochwasserschutzes, das Grundwassermodell, Naturschutz, Tourismus, Infrastruktur, Jagd/Fischerei, Land- und Forstwirtschaft, Binnenentwässerung, Trinkwassersicherheit, kommunale Selbstverwaltung, Immobilien, Betriebskosten und technische Anforderungen an Bauwerke.

Behördenleiter Christian Leeb wird den Input der Veranstaltung zu einem Gespräch am Donnerstag in München mitnehmen, wo er bei Umweltministerin Ulrike Scharf zum Rapport geladen ist. Vor Ort, das kündigten die Demonstranten vor der Schlossgaststätte an, werden sich die Gegner formieren. Am 15. Mai wollen die Bertoldsheimer mit der Gründung einer Bürgerinitiative ihrem Anliegen mehr Nachdruck verleihen. Als Vorsitzender ist der Bertoldsheimer Rechtsanwalt Peter von der Grün im Gespräch, der gestern als Kreisrat mit am Runden Tisch saß.

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