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Neuburg

29.01.2020

Droht Neuburger CSU-Mitglied der Parteiausschluss?

Foto: Adobe Stock

Plus Listenkandidat Robert Höschele soll Neuburg als „Provinzloch“ bezeichnet haben, in dem „35.000 Gasköpfe“ leben. Jetzt ist die Partei eingeschaltet.

Der Kommunalwahlkampf hat nach dem Schwank um die Wahlplakate in Karlshuld nun seine zweite Posse. Es geht um Äußerungen, die CSU-Stadtratskandidat Robert Höschele (Listenplatz 29) nach der Stadtteilversammlung in Bergen getätigt haben soll. Doch der Reihe nach.

Die Veranstaltung am Montagabend im Schützenheim von Alt-Baring sei harmonisch verlaufen, sagen die Anwesenden – darunter auch Oberbürgermeister Bernhard Gmehling. Die meisten Gäste seien gegen 22 Uhr gegangen, zurück blieb nur ein kleiner Kreis von fünf Personen.

Dabei kam Robert Höschele ins Gespräch mit einer 25-Jährigen. Es ging unter anderem um den THI-Campus. Dabei soll er beispielsweise gesagt haben, dass die Neuburger froh sein sollten, wenn Studenten kommen, da sie „mehr Geld da lassen als ein Mitarbeiter von Verallia“. Schließlich fließe der Gewinn des Unternehmens ohnehin nur nach Frankreich. Außerdem soll der Satz gefallen sein: „Im Provinzloch Neuburg leben 35.000 Gasköpfe.“ So jedenfalls lautet der Vorwurf der 25-Jährigen, die die Ereignisse des Abends an die CSU-Geschäftsstelle weitergeleitet hat.

Robert Höschele
Foto: CSU

Höschele: Das Wort „Gasköpfe“ sei überhaupt nicht gefallen

Im Gespräch mit der Neuburger Rundschau bestreitet Höschele zumindest den Spruch mit den 35.000 Gasköpfen – schon alleine deshalb, weil er genau wisse, „dass nur 29.000 und ein paar Zerquetschte“ in Neuburg wohnen. Er habe laut eigener Aussage die Fragen der 25-Jährigen während der Veranstaltung zum Campus und wie die Stadt dort die Qualität der Lehrer sicherstellen will, als Stichelei empfunden. Deshalb wollte er nach der Versammlung mit ihr sprechen. „Ich bin ein temperamentvoller Mensch und nicht gewohnt, dass mir solch ein Schmarrn entgegengebracht wird“, sagt er. Neuburg sei eine Kleinstadt, in der man nicht Harvard aufbauen könne. Die Aussage zu Verallia bekräftigt er allerdings: „Ein solcher Betrieb, der bis vor zwei Jahren keine Gewerbesteuern gezahlt hat, ist mir emotional doch nicht so wichtig wie die THI mit zwei neuen, coolen Studiengängen.“ Oberbürgermeister Gmehling bestätigte auf Anfrage indes, dass Verallia Gewerbesteuern gezahlt hat.

Der gebürtige Usbeke Höschele – mit elf Jahren nach Deutschland gekommen und seit 2015 wohnhaft in Heinrichsheim – habe an jenem Abend nur für sich und nicht als CSU-Mitglied gesprochen, erklärt er. Darum könne er auch nicht verstehen, weshalb er am Ende des Abends vom Betreiber des Schützenheims Hausverbot bekommen hat. Dass es nun Menschen innerhalb der Neuburger CSU gebe, die ihn aus der Partei ausschließen wollen, sehe er als Verleumdung. „Ich bin gerne in der CSU. Aber ihr Krisenmanagement spiegelt die heutige Gesellschaft wider: Es gibt niemanden mit Ecken, Kanten und klaren Positionen. Das widert mich an.“ Er habe niemals die Stadt beleidigt, in der er es liebt, zu leben. Darum wolle er auch nicht abdanken.

Eine 25-Jährige fand die Äußerungen von Robert Höschele für nicht angemessen

Damit muss sich nun die Neuburger CSU beschäftigen, findet auch die 25-Jährige. Bei ihren zum Teil kritischen Fragen bezüglich der Qualität der Professoren, die nach Neuburg kommen, habe sie lediglich den hohen Bildungsstandard in Bayern im Sinn gehabt. Der Abschluss solle niemandem geschenkt werden. Von der Argumentation Höscheles, dass sehr gute Dozenten nur da hingehen, wo das Geld liegt, war sie nicht überzeugt. „Ich fand die Äußerungen nicht in Ordnung, deshalb habe ich es weitergeleitet.“

Wie in einem großen Betrieb müsse nun die Partei für ihre Kandidaten geradestehen. Das Benehmen Höscheles, stellt die junge Frau klar, sei jedenfalls nicht angemessen gewesen.

Die CSU will über das Vorgehen ihres Stadtratskandidaten beraten

Oberbürgermeister Gmehling hat seiner Aussage nach am Dienstagnachmittag von dem Vorfall erfahren. Er bezeichnet die Causa als „Stammtischauseinandersetzung“. Es gehe überhaupt nicht, dass sich ein CSU-Mitglied derart äußert. „Sollte sich der Sachverhalt bestätigen, können wir das nicht tolerieren. Dann wird es schwierig“, macht er deutlich.

Solche Äußerungen dürften nicht passieren, weshalb sich Gmehling mit den stellvertretenden Ortsvorsitzenden – in Abwesenheit des erkrankten Matthias Enghuber – noch am Mittwochabend zusammensetzen wollte, um über den Vorfall intern zu beraten. Darüber hinaus will der OB auch noch einmal mit Listenkandidat Höschele sprechen, um sich seine Sicht der Dinge anzuhören. Allerdings gibt der Rathauschef in der Sache auch zu bedenken: „Man hätte es meiner Meinung nach auch unter den fünf Beteiligten regeln können.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Fabian Kluge: Eine Posse zum Schmunzeln

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