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Ehekirchen/Rohrenfels

11.09.2019

Ehekirchen/Rohrenfels: Vereinter Widerstand gegen 5G

Holger Geißel, ehemaliger Lehrer aus Ehekirchen, Klaus Harsch, Landschaftsgärtner aus Bonsal, Monika Diermayer-Mittasch aus Ehekirchen, und Monika Bichler, Heilpraktikerin aus Bonsal, haben die BI „STOP 5G-Bürgerinitiative“ in Ehekirchen und Rohrenfels gegründet. 
Bild: Manfred Dittenhofer

In Ehekirchen und Rohrenfels gibt es eine Bürgerinitiative gegen die neue Mobilfunktechnik. Warum sie sich gegen den 5G-Standard zusammentun.

Genug ist genug. Noch mehr Strahlung wollen sie einfach nicht mehr hinnehmen. Deshalb wurde in Ehekirchen und Rohrenfels am 1. August eine Bürgerinitiative gegen den Ausbau des Mobilfunknetzes mit dem 5G-Standard gegründet. Am Dienstagabend lud die BI zum Infoabend in das Schützenheim in Haselbach.

Nein, sie wollen den Mobilfunk nicht abschaffen. Ganz im Gegenteil. Internet und Netzwerke gehören zum täglichen Leben, so die einhellige Meinung dieser BI. Aber wieso muss auf gesundheitsschädliche Technik gesetzt werden? Und wieso wird die Bevölkerung gar nicht oder nicht richtig über die Strahlenbelastung durch den neuen Mobilfunkstandard informiert? Genau das wollen Monika Bichler und Klaus Harsch aus Bonsal, sowie Holger Geißel aus Rohrenfels und Monika Diermayer-Mittasch aus Ehekirchen erreichen. Die Wahrheit über die Strahlenbelastung soll endlich auf den Tisch.

Die Strahlenbelastung bei 5G könne um das zehn- bis 100-fache höher sein als beim LTE-Standard

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Die nämlich sei nicht geringer als bisher, sondern könne um das zehn- bis 100-fache höher sein als bei dem bisher vorherrschenden 4G, auch LTE genannt. Zudem sei die 5G-Strahlung hochfrequenter. Viel mehr Sendeanlagen als bisher seien notwendig, um flächendeckenden Mobilfunk zu gewährleisten. „Die Betreiber planen hunderttausende neuer Sendeanlagen“, sagt Klaus Harsch. Der Landschaftsgärtner war selbst 16 Jahre bei der Telekom beschäftigt. Er erklärt die Vielzahl der Sendeanlagen mit der kürzeren Wellenlänge bei 5G. Die komme nicht mehr durch Hauswände, müsse also näher stehen und stärker sein. Jede Anlage habe 64 Antennen. Und wo früher eine Funkkeule den Nutzer erreichte, werde bei 5G ein Richtstrahl den eingeloggten Nutzer mehr belasten als bei der älteren Technik.

Martin Wildung
Bild: Manfred Rinke

Die Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur zeigte am Dienstagabend Martin Wildung auf. Der Bremer ist eigentlich Gärtner, befasst sich aber seit Jahren mit der Mobilfunkthematik und sammelt Informationen. Der Referent verwies auf Studien, die es zahlreich gebe: Insekten, die durch die Strahlung gestört werden, Missbildungen bei Schweinen in der Nähe von Mobilfunkmasten. Anstieg der Krebsrate - die WHO habe Funkstrahlung bereits 2011 als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Schlafstörungen, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, bis hin zu Zeugungsunfähigkeit und Genschäden. Und die Bundesregierung lasse es an ihrer Sorgfaltspflicht gegenüber der Bevölkerung missen. In Deutschland seien die Grenzwerte höher als in anderen Ländern. Die Stadt Brüssel bremse 5G wegen der Strahlung aus und wolle die Bevölkerung nicht als „Versuchskaninchen“ sehen. In der Schweiz gebe es ganze Kantone, die 5G verbieten.

Die BI in Ehekirchen und Rohrenfels weist auf technische Alternativen zum 5G-Standard hin

Dabei gebe es laut BI technische Alternativen, um große Datenmengen zu übertragen. So arbeite das Fraunhofer Institut an der „Visible Light Communication“ (VLC), Datenübertragung mittels Licht. Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu drei Gigabit pro Sekunde, keine Strahlenbelastung, keine Interferenzen mit Funksystemen und kostengünstige Umrüstungen. Damit könnten laut BI beispielsweise auch Autos autonom fahren. Martin Wildungen zeigte Bilder von einem Pflanztest. Drei Kresse-Pflanzungen konnten nach der Saat neben einem Mobiltelefon, neben einem WLAN-Router oder abgeschirmt von Strahlung wachsen. Der Unterschied war extrem. „Die Politik sorgt sich wenig um die Gesundheit der Bevölkerung. Und wer ist in Haftung, wenn es Spätschäden gibt?“, fragen sich Wildungen und die BI-Mitglieder. Wildung glaubt: „Höchstens die Grundstückseigentümer, auf deren Boden die Sendeanlagen stehen.“ Wer weiß, was der fortschreitende Stand der Technik in Zukunft noch alles aufdeckt.

Die Bürgerinitiative hat mittlerweile weiteren Zulauf erhalten. Am Dienstag sind zu den bereits bestehenden 20 Mitgliedern weitere hinzugekommen. Und die BI möchte mit benachbarten Bürgerinitiativen kooperieren.

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