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Neuburg-Schrobenhausen

13.07.2020

Eichenprozessionsspinner sind eine haarige Angelegenheit

Wer ein solches Gespinstnest des Eichenprozessionsspinners in einer Eiche entdeckt, sollte vor allem Abstand halten. Fachfirmen saugen die Nester mit speziellem Equipment ab.
Bild: Kreisfachberatung für Gartenkultur und Landespflege

Plus Der Eichenprozessionsspinner breitet sich im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen weiter aus. Die Haare der Raupen lösen juckende Hautausschläge aus. Wer Nester in Bäumen entdeckt, sollte handeln – aber nicht auf eigene Faust.

Wenn im Gartenbaubetrieb von Werner Hecht das Telefon klingelt, weil jemand irgendwo ein Nest des sogenannten Eichenprozessionsspinners entdeckt hat, ist Vollmontur angesagt: Zwei Ganzkörperanzüge übereinander, Handschuhe, die mit Isolierband an den Anzug geklebt werden. Auch die Atemmaske wird mit dem Anzug verklebt. Hecht weiß aus eigener – schmerzlicher – Erfahrung, wie unangenehm der Kontakt mit den feinen Härchen der Raupen werden kann.

Seit einigen Jahren breitet sich der Eichenprozessionsspinner auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen aus

Seit einigen Jahren breitet sich der Nachtfalter auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen aus und fühlt sich, wegen der immer wärmeren Sommer, wohl in den hiesigen Gefilden. Das wäre an sich kein Problem, wenn die Haare der Raupen, die in Gespinstnestern in Bäumen heranwachsen, nicht gefährlich wären für Mensch und Tier. Hautarzt Dr. Bernhard Hildebrandt behandelt besonders in den Sommermonaten Juni, Juli und August immer wieder Patienten, die Bekanntschaft mit den haarigen Insekten oder mit verlassenen Nestern gemacht haben. Denn auch, wenn die Raupen längst als ungefährlicher Nachtfalter durch die Gegend flattern, sind die Hüllen der Raupen in den Nestern nach wie vor gefährlich. Um auf sie zu stoßen, muss man nicht im Dickicht herumkriechen. Auch bei einem Waldspaziergang oder Gartenarbeiten kann es zum Kontakt kommen. Die feinen Härchen können auch vom Wind verteilt werden.

Kommt es zum Kontakt, lösen die Haare eine allergische Reaktion auf der Haut aus. „Man muss sich das vorstellen, wie hunderte Mückenstiche nebeneinander“, beschreibt Hildebrandt den Ausschlag, der meist fleckig über den Körper verteilt ist. „Es juckt auch wie hunderte Mückenstiche“, fügt er noch hinzu. Linderung schafft die Behandlung mit einer Cortisonsalbe. Akut kann es auch helfen, die betroffenen Stellen mit Wasser abzuspülen, um die Härchen zu entfernen.

Pheromonfallen sollen die Raupen des Eichenprozessionsspinners anlocken

Wichtigste Regel: Wer ein Nest entdeckt, sollte auf keinen Fall selbst tätig werden. Firmen mit spezieller Ausrüstung kümmern sich um die fachgerechte Entsorgung. Eine gängige Methode ist es, die Nester abzusaugen. Gute Erfahrungen wurden auch mit dem Einsatz des naturschonenden Nemöls gemacht. „Das Problem ist, dass selbst nach einer chemischen Behandlung die Nester mit den Raupenhüllen noch die gefährlichen Brennhaare verteilen. Daher ist eigentlich immer eine doppelte Behandlung aus chemischer Bekämpfung und mechanischer Entfernung nötig und das ist extrem aufwendig“, sagt Paul Mutter. Er setzt in seinem Baumpflegebetrieb daher seit einiger Zeit auf eine Methode, die in den Niederlanden vielversprechend Ergebnisse erzielt hat. Dabei werden sogenannte Pheromonfallen aufgehängt, die die Raupen anlocken. Ein Befall kann so frühzeitig erkannt werden. Im besten Fall kann verhindert werden, dass sie sich in Bäumen einnisten. Die herkömmlichen Methoden zur Bekämpfung der Raupen sind besonders bei großen und alten Bäumen aufwendig und dadurch teuer – aber auch notwendig. Insbesondere, wenn der Baum in einem Garten, auf einem Spielplatz oder in öffentlichen Parks steht. „Befindet sich der befallene Baum abseits im Wald, dann reicht es auch, wenn ein Warnschild auf die Gefahren hinweist“, sagt Katrin Pilz. Bei der Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landschaftspflege landen in dieser Zeit des Jahres viele Anfragen rund um den Eichenprozessionsspinner. „Allerdings ist unser Gefühl, dass es nicht ganz so viele Meldungen gibt, wie in den vergangenen Jahren“, sagt sie. Pilz vermutet, dass mittlerweile mehr Leute sensibilisiert sind und Gemeinden schneller und präventiv reagieren.

Eine Fällung der befallenen Eichen ist keine Option

Trotz der hohen Kosten für eine Entfernung der Nester ist eine Fällung der befallenen Bäume keine gute Option. Gesunde Eichen können mehrere hundert Jahre alt werden – der saisonale Befall durch den Eichenprozessionsspinner ist verglichen dazu ein Wimpernschlag. Der Baum nimmt meist keinen oder nur geringen Schaden durch die Insekten. Zwar fressen die Raupen die Blätter, ein gesunder Baum erholt sich davon aber im kommenden Jahr wieder. „Und wir kennen Mittel und Wege, wie man gegen den Schädling vorgehen kann“, sagt Pilz. Hoffnung machen auch Nachrichten aus Franken. Die Region war bereits vor zehn Jahren stark von dem Falter befallen. „Dieses Jahr hören wir aus Franken, dass der Befall zurückgegangen ist“, sagt Pilz.

Neben den Spritzmitteln und der mechanischen Bekämpfung trägt auch die Natur ihren Teil dazu bei, die Ausbreitung des Nachtfalters einzudämmen. „Zu den natürlichen Feinden des Eichenprozessionsspinners zählen der Kuckuck und Fledermäuse“, sagt Pilz. Und es gibt erste Beobachtungen, dass auch die heimischen Meisen Gefallen oder besser gesagt Geschmack an den Raupen gefunden haben. Es besteht also keinesfalls Grund zur Panik. „Natürlich muss man die Ausbreitung bekämpfen“, sagt Pilz. „Aber es ist wichtig, der Natur auch die Zeit zu geben, sich auf den Schädling einzustellen.“

Wer ein Nest entdeckt, kann sich Rat bei der Kreisfachberatung Gartenkultur und Landespflege des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen holen (Telefon 08431/57268). Infos gibt es außerdem unter www.neuburg-schrobenhausen.de

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