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Neuburg

04.11.2016

Ein Abend der Gegensätze im Birdland

Waltraud Götz, Sissy Schafferhans und Jürgen Zapf (von links) traten auf.
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Waltraud Götz, Sissy Schafferhans und Jürgen Zapf (von links) traten auf.
Foto: Brigitte Clemens

Im Jazzkeller hat ein unterhaltsamer Leseabend stattgefunden. Unter dem Titel „Kontraste“ waren Musik und Kabarett geboten.

 Beim Leseabend „Kontraste“ am Donnerstagabend im Neuburger Hofapothekenkeller erwiesen sich die Kabarettisten und Musiker in der Tat als interessante und unterhaltsame Gegenpole.

Schon bei der Eröffnung sorgte die sechsköpfige Band Cloud seven für eine satte Klangwolke im Birdland. Mit stimmlich großem Volumen, perfekt aufeinander eingespielten Musikern und abwechslungsreichem Programm boten sie zwischen den Lesungen Hits aus dem Schlagerbereich, fetzige Popsongs, jazzigen Bossanova und und Country-Lieder. Die Musik war beileibe kein Beiwerk in dieser ansonsten verbalen Veranstaltung. Als traditionelle „Waltraud-Götz-Band“ zeigten sich die Musiker fest mit ihr verwoben.

Diakon Jürgen Zapf präsentierte Kabarett unter dem Titel „Alles muss raus!“ Er redete von schlaflosen Nächten diverser Politiker und erzählte Geschichten aus dem täglichen Leben als lebender Baum, der Hundekotsäckchen retourniert. Er sprach auch über seine häusliche Teilnahme an den Olympischen Spielen, wo er sich beim Synchronschwimmen in der Badewanne einen ordentlichen Hexenschuss zuzog.

Richtige „Knaller“ lieferte Sissy Schafferhans auf der Bühne. Sie zog ihr Publikum sofort mit ihren sehr variabel gestalteten Vorträgen in den Bann. „Aus dem Leben“ gegriffen waren ihre Texte, in denen sie sich zum Beispiel über fortschrittliche Frauen und das Thema Männersuche Gedanken machte und diese sehr anschaulich dem Publikum vermittelte – selbstironische Einschlüsse mitinbegriffen. Auch ein Blick in ihre Zukunft war den Zuhörern erlaubt, als sie ihre anstehende Hüft-OP, gekonnt polarisierend, als erstrebenswerte Auszeit im winterlichen Prien am Chiemsee facettenreich beschrieb. Im rheinischen Dialekt gönnte sie dem Publikum einen Faschingszug der besonderen Art durch Neuburg, entschied sich, vor dem Fitnessstudio stehend, gegen die nach Fisch riechende Figur der Meerjungfrau und arbeitete lieber am familienfreundlichen Wal-Body. Auch die Verwandtschaft, den „verarmten Adel aus dem Hause Löwenstein“, wusste sie effektvoll einzubinden. Ihre „studierten“ Sippenmitglieder würden sich bei der alljährlichen Grabpflege an Allerheiligen wohl am meisten auf die riesigen Portionen in einem Neuburger Lokal freuen. Oder besser gesagt, auf die reichhaltigen Fress-Pakete, gefüllt mit allem, was sie nicht zu essen schafften. Was bei ihr so auf dem Teller übrig blieb? Sieben Pommes, konserviert in einer eigroßen Plastikdose. Wortwitz, schauspielerisches Talent, musikalische Darbietung und eine riesengroße Portion Humor verband Schafferhans gekonnt zu einem amüsanten Erlebnis.

Waltraud Götz, alias „Miss Maxweiler“, bildete einen weiteren Gegenpol an diesem divergenten Abend. Sich als „auf den letzten Drücker arbeitend“ beschreibend, hatte sie sich für ihre Lesungen den Titel „Allerhand…!“ ausgesucht. Kreativ setzte sie sich mit dem Begriff auseinander und stellte schmunzelnd fest, dass mit „Allerhand ja allerhand auszudrücken ist“. Es gelang ihr mühelos, den negativen Aspekt des „Allerhand“ mit dem positiven zu vereinen. Am Tag des Mannes durfte natürlich Gereimtes zu diesem Thema nicht fehlen. So stellte Götz fest: „Des Mannsei is heit nimmer schee. Fraun ham zwar des Sagn, aber wer mog denn scho an Softie?“ Mit der Frage „Geht´s Ihnen auch so?“ band sie geschickt die Zuhörer mit ein. Bei ihrer Beschreibung eines weihnachtlich dekorierten Supermarkts mit Lebkuchen an der Kasse – und das im sommerlichen September – erntete Götz zustimmende Lacher. Wehmütig sinnierte sie über früher handgeschriebene Weihnachtspost. Heute bevorzuge man die sogenannte Mausklick-Post, bei der die Farbwechselkarten mit flügelwedelnden Engeln oder g’wamperten Weihnachtsmännern blinken und piepen.

Insgesamt ein vergnüglicher 22. Leseabend!

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