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Jubiläum

11.05.2015

Ein Baum mit vielen Ästen

Die Westseite der neu errichteten Berufsschule mit dem Haupteingang zur Pestalozzistraße im Jahre 1956.
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Die Westseite der neu errichteten Berufsschule mit dem Haupteingang zur Pestalozzistraße im Jahre 1956.
Bild: Foto Sayle. BSZ ND

Die Berufsschule Neuburg gibt es inzwischen seit 150 Jahren. Lehrer Marcus Prell hat eine Chronik verfasst. Ein schwieriges Unterfangen, denn das heutige Berufschulzentrum ist aus mehreren Schulen entstanden

Heute kaum mehr vorstellbar: Die Schreiner waren es, die im Oktober 1864, als die „Gewerbliche Fortbildungsschule“ als Nebenanstalt der „Gewerbsschule“ (Realschule) in der heutigen Franziskanerstraße ihren Betrieb aufnahm, den Großteil der Schüler ausmachten: 26 von 78. Heute sind es vor allem Elektroniker mit Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik: 156 von insgesamt rund 2500 Schülern am Berufsschulzentrum Neuburg. Zum Jubiläum der Berufsschule und ihrer Partnerschulen hat Lehrer Dr. Marcus Prell eine Chronik verfasst und 150 Jahre Schulgeschichte in knapp 200 Seiten gepackt. Drei Jahre lang hat er fast jeden Tag geforscht – und dabei Interessantes herausgefunden. Einfach war das nicht.

„Es war sehr mühsam“, erzählt Prell. „Schulgeschichte ist eine spezielle Disziplin.“ Die Quellenlage sei sehr schwierig gewesen. Jahresberichte seien nicht lückenlos vorhanden – zum Teil seien es nur mit Schreibmaschine geschriebene Akten – und von den Kriegsjahren 1942 bis 1945 gebe es überhaupt keine Informationen. Hinzukomme, dass die Berufsschule sehr oft umgezogen sei und sich aus verschiedenen Schulen entwickelt habe. Aber der Lehrer ließ sich nicht entmutigen, hat sich durch unzählige Dokumente gewühlt, saß stundenlang im Stadtarchiv. Herausgekommen ist ein Werk, das nicht nur die Entwicklung der Berufsschule, sondern auch der gesamten Gesellschaft widerspiegelt. Früher galt die Devise: „Schule ist was, wenn du frei hast“, sagt Schulleiter des Berufsschulzentrums Fritz Füßl. Heute sei das anders. Es gilt die Schulpflicht. Und auch der Weg von der Agrar- über die Industrie- bis hin zur Dienstleistungsgesellschaft kann anhand der Schulgeschichte nachvollzogen werden. Füßl: „Neue Berufe sind entstanden, andere wieder eingegangen.“ Außerdem habe die Spezialisierung zugenommen – zu Beginn waren es 28 Ausbildungsberufe, jetzt sind es 15.

In der Chronik finden sich viele alte Bilder, aber auch Auszüge aus schriftlichen Dokumenten, zum Beispiel aus den Vorschriften für „Brand- und Schreckensfälle“ von 1892: „Die Fortbewegung der Schüler auf Gängen und Treppen erfolgt paarweise im gewöhnlichen (nicht im Schnell- oder Lauf-)Schritt.“ Auch „Visitationen“ des Regierungsschulrats gab es, etwa 1924. Die Kritik damals lautete unter anderem: „Der Lehrer arbeitet wohl fleißig, weiß aber die Unterrichtszeit noch nicht praktisch und vorteilhaft auszunützen. Er zersplittert Kraft und Zeit am Einzelunterricht.“ In der Schulordnung von 1962 heißt es: „Der Lehrer hat sich mit voller Hingabe seinem Beruf zu widmen. Er ist mitverantwortlich für den Geist und das Gepräge der Schule.“

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Natürlich hat Prell auch die wichtigsten Eckdaten in der Geschichte der Berufsschule zusammengetragen und aufgeschrieben, beispielsweise: 1873 wird eine Fortbildungsschule für Mädchen am Institut der englischen Fräulein in der Oberen Stadt gegründet. 1874 wird der Besuch einer Fortbildungsschule für jeden Lehrling bis zum 16. Lebensjahr verpflichtend. Ab 1946 werden Knaben und Mädchen im Marstallgebäude gemeinsam beschult. 1978 verfügt der Landkreis über drei Berufsschulen, die später zusammengefasst werden. 1983 wird der Neubau an der Monheimer Straße bezogen. 2007 entsteht das Staatliche Berufliche Schulzentrum. Seit 2013 werden Asylbewerber und Flüchtlinge unterrichtet.

Schulleiter Füßl hält das Berufsschulzentrum für „das optimale Modell für berufliche Schulen in dem ländlichen Raum.“ Das Zentrum in Neuburg würde aktuell so gut dastehen wie noch nie. Füßl vergleicht die Einrichtung mit einem Baum. „Zunächst wächst ein kleines Pflänzchen. Und die letzten Äste sind erst vor Kurzem gewachsen.“

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