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17.06.2009

"Ein Blackout", der nie mehr passieren soll

Neuburg-Schrobenhausen Einen Monat nach dem Brand in der Neuburger Mehrfachturnhalle sind die politisch Verantwortlichen weiter um Schadensbegrenzung bemüht. Bei einem Besuch der Integrierten Leitstelle (ILS) in Ingolstadt kündigten jetzt Landrat Roland Weigert und Leitstellenleiter Karl Weißenberger Maßnahmen an, um das Risiko von Fehlalarmierungen wie bei jenem Feuer im Ostend zu minimieren. In Zukunft sollen die Disponenten sofort wissen, wo sich jemand aufhält, wenn er die 112 wählt. Außerdem sollen im Kreis Schrobenhausen Funklöcher gestopft und Mitarbeiter der Leitstelle gezielt geschult werden.

Am 15. Mai hatte ein Disponent der Leitstelle den fatalen, aber glücklicherweise weitgehend folgenlosen, Fehler gemacht und die Schrobenhausener statt der Neuburger Feuerwehr ausrücken lassen. Weißenberger redet nicht um den heißen Brei herum: "Es war ein Blackout", sagt der ILS-Chef in der Einsatzzentrale. Der 59-Jährige rekonstruiert den Fehlalarm vor den Augen des Landrats und seiner Gefolgsleute von der Feuerwehr und vom Katastrophenschutz.

Eine Lehrerin der Ostendschule hatte bei ihrem Notruf am 15. Mai ganz klar von der Berliner Straße in Neuburg gesprochen. Der verantwortliche Mitarbeiter hat aber auf seinem Bildschirm die Berliner Straße in Schrobenhausen angeklickt. Folgerichtig ist die Schrobenhausener Feuerwehr ausgerückt. Was in Wirklichkeit 27 Kilometer auseinander liegt, ist auf dem Bildschirm eben nur zwei Zeilen auseinander.

Nur das beherzte Eingreifen der Lehrerinnen hat beim Brand im Keller der Turnhalle Schlimmeres verhindert. Weißenberger: "So ein Fehler darf nicht passieren."

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Gegen menschliches Versagen sollen Schulungen helfen. Ab Juli werden die Mitarbeiter verstärkt für mögliche Fehlerquellen sensibilisiert. Zusätzlich soll eine neue Software Verwechslungen verhindern: Technisch ist es längst möglich, eine Festnetznummer automatisch dem Standort des Anrufers zuzuweisen. Der Unglücks-Mitarbeiter hätte in dem Fall dann sofort gesehen, dass die Lehrerin aus Neuburg und nicht aus Schrobenhausen anruft. Doch die Einführung ist bislang Zukunftsmusik. Noch laufen die Verhandlungen mit einer Softwarefirma. "Wir machen Druck", versicherte Günther Griesche, Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung der Region Ingolstadt.

Landrat Weigert sprach nach seinem Termin bei der ILS von einem "professionellen und vorbildlichen Betrieb. Offenbar hat man die Lehren aus dem Vorfall gezogen", so Weigert. Er betonte, dass auch der Kreis Neuburg-Schrobenhausen etwas unternehmen werde, um das Rettungssystem zu verbessern. Die Funkabdeckung vor allem im Schrobenhausener Gäu ist laut Weißenberger "relativ schlecht". Weigert will nun prüfen, was man gegen die Funklöcher tun kann.

Bei einer Einsatznachbesprechung wurde ein weiterer Mangel im Kreis ausgemacht: Bislang gab es kein eigenes CO2-Messgerät, das gerade bei Rauchvergiftungen am Unglücksort unverzichtbar ist. Ein solches Gerät wird jetzt angeschafft, versprach der Landrat. Gleichzeitig stärkte er Weißenberger den Rücken: "Niemand hat bei uns die ILS in Frage gestellt."

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