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Justiz

24.01.2019

Ein Einbruch und ein verwirrter Zeuge in Neuburg

Ein Fahrraddiebstahl in Neuburg wurde am Amtsgericht verhandelt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein 26-Jähriger muss ins Gefängnis, weil er ein gestohlenes Fahrrad verhökert. Der Fall ist mitunter skurril.

Richter Christian Veh seufzte mehrmals schwer. Grund dafür war die Aussage eines Zeugen vor dem Neuburger Amtsgericht, der einen etwas verwirrten Eindruck machte. Das Problem: Auf seiner Aussage basierte die Anklage gegen einen 26-jährigen aus dem Landkreis. Aber der Reihe nach:

Dem jungen Mann wurde vorgeworfen, im Februar des vergangenen Jahres in einen Fahrradladen an der Münchener Straße eingebrochen zu sein. Er soll nicht nur die Scheibe des Geschäfts eingeschlagen, sondern auch noch drei Räder im Gesamtwert von rund 2400 Euro gestohlen haben. Die Alarmanlage des Ladens schlug allerdings nicht an, weswegen sich die Ermittlungen zunächst schwierig gestalteten.

Gefundene DNA gehört der Polizei

Zwar gab es Fußabdrücke am Tatort, diese sollten später aber nicht zum Angeklagten passen. Zudem fand die Polizei DNA, diese gehörte jedoch einem Polizisten – die Proben waren also verunreinigt. Keine Spur also von den Rädern oder den Tätern. Bis der Polizeistreife ein auffällig gelbes Rad auffiel, das in Marke und Farbe mit einem der geklauten Fahrräder übereinstimmte. Mithilfe der Rahmennummer konnte der Ladenbesitzer letztlich klären, dass es sich bei dem Rad tatsächlich um eines der gestohlenen handelte.

Mit dem Rad unterwegs war übrigens der 22-jährige verwirrte Zeuge, der behauptete, er habe das Rad vom Angeklagten gekauft. Das war aber auch das Einzige, woran sich der Zeuge genau zu erinnern schien. Er habe den Angeklagten nach einer Techno-Party kennengelernt und ihm gesagt, dass er ein Rad bräuchte. Doch mal gab er an, dass noch ein Dritter mit dabei war, mal brachte er die Zeiten durcheinander, mal verrechnete er sich beim Verkaufspreis. Richter Veh verlor langsam die Geduld: „Ist das alles ein Schmarrn! Was ist das für eine Geschichte, die Sie hier erzählen?“ Immerhin konnte sich der Zeuge noch daran erinnern, dass der Angeklagte ihm bei der Übergabe gestand, dass das Rad gestohlen sei. „Und warum haben Sie dann nicht einfach die Finger davon gelassen?“, fragte der Vorsitzende Richter.

Angeklagter hat zahlreiche Vorstrafen

Weniger verwirrend stellte sich das Vorstrafenregister des Angeklagten dar, dafür jedoch umso ausführlicher: Zehn Eintragungen hat der junge Mann dort schon angesammelt – unter anderem wegen Hehlerei, gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls. Das Meiste davon, so der Angeklagte, sei seinem früheren Alkoholkonsum geschuldet. Mittlerweile sei er jedoch trocken. Zudem mache er derzeit eine Ausbildung mit guten Übernahmechancen, die ihm „sehr viel Spaß“ mache.

Diese positive Wandlung reichte Staatsanwalt Johannes Riederer nicht aus: „Der Sachverhalt hat sich im Wesentlichen bestätigt. Die Beute war verhältnismäßig hoch und Sie haben zahlreiche Vorstrafen.“ Rechtsanwalt Wolfgang Kleßinger sah das anders: „Was bleibt von der Anklage übrig? Wirkliche Beweise für den Diebstahl haben wir nicht. Nur die Hehlerei ist bewiesen.“ Außerdem verwies er auf die positive Veränderung seines Mandanten: „Er hat es das erste Mal auf die Beine geschafft. Wir sollten ihm noch einmal eine echte Chance geben.“

Richter Veh verurteilte den Angeklagten zu zehn Monaten Gefängnis wegen Hehlerei und einer Werteinziehung von 739 Euro. „Der Tatnachweis, dass der Angeklagte der Einbrecher war, ist nicht gegeben. Aber: Der Zeuge ist aufgrund seiner intellektuellen Fähigkeiten nicht in der Lage, eine solche Geschichte zu erfinden“, begründete er. „Ihnen wurden immer wieder Möglichkeiten gegeben, die Sie nicht genutzt haben. Trotz einer Ausbildung haben Sie nebenher Straftaten begangen.“

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