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Konzert

14.01.2019

Ein Fagott rockt den Pfarrsaal

Beim Neujahrskonzert der Burgheimer CSU stand das Fagott im Mittelpunkt. Meist sitzen Fagottisten in der zweiten Reihe.
Bild: Peter Abspache

Burgheimer Neujahrskonzert mit einem Tausendsassa aus Paris und Solisten der Georgier

Das Fagott gehört nicht unbedingt zu den Instrumenten, die in den Klassik-Konzertsälen ganz groß herauskommen. Fagottisten sitzen meist in der zweiten Reihe, sie sorgen mit den Bässen für das Grundgerüst und dürfen bei Solo-Konzerten die Stars an der Violine, auf der Trompete oder am Steinway-Flügel einfühlsam begleiten. Auch ganz schön, aber nicht wirklich aufregend.

Beim Neujahrskonzert des CSU Burgheim erlebte ein zunächst verblüfftes und bald entzücktes Publikum, was man mit einem eher unauffälligen Holzblasinstrument machen kann. Der junge Tausendsassa Antoine Pecqueur aus Paris rockte mit seinem Fagott den Pfarrsaal – als Virtuose genauso wie als feuriger Dirigent, der ein famoses Solistenquintett der Georgier und die Cembalistin Olivia Friemel zur Spiellaune regelrecht verführte.

Pecquer brennt für die Musik, und das sieht man. Der großgewachsene Schlacks macht sich ganz klein, legt den Finger auf die Lippen – und es kommt ein zauberhaftes Piano. Er federt zu voller Größe hoch und springt einen herausfordernden halben Schritt auf Geige, Bratsche oder Cello zu – und die Streicher entfalten ihm jedes Thema mit strahlender Kraft. Pecqueur atmet tief ein – und augenblicklich folgt ein satter Forte-Einsatz. Oder er stoppt plötzlich seine Gestik – alles verharrt in der atemlosen Spannung einer Generalpause.

So vital und locker kann man zwei Divertimenti des ganz jungen Wolfgang Amadeus Mozart (KV 138 und 165) dem Publikum kredenzen. Ein feiner Hörgenuss, animierend schon durch den vollen Körpereinsatz von Dirigent und Musikern, und ein echter Spaß. Bei Mozart ist die Lust an der Überraschung immer mit dabei. Pecqueur kostet auch diese Seite des Salzburger Genies aus, mit dem Mut zur musikalischen Freiheit, aber er lässt sich nicht zum Übermut fortreißen.

So entsteht eine beschwingte musikalische Reise vom Barock mit den wenig gespielten, aber lohnenden Fagott-Konzerten eines J. A. Reichenauer und eines J. G. Graun über die Zeit des musikalischen Sturm und Drang bei C. P. E. Bach bis zum klassischen Genie Mozart. Antoine Pecqueur findet als Zauberer des Fagott unerhörte Klangfarben, manchmal tönt sein Instrument fast wie ein Saxofon, dann wieder lieblich wie eine Klarinette. Immer elegant und ohne jeden gröberen Ton, der von Fagotten schon gelegentlich zu vernehmen ist.

Da bleibt den Georgiern die schöne Aufgabe, in dieser musikalischen Champions League mit zu konzertieren. Sie tun es mit fast jugendlichem Elan, diszipliniert und mit Leichtigkeit, bis hin zu Anklängen an den Swing. Das macht zum Beispiel das d-Moll-Konzert von Carl Philipp Emanuel Bach zum Erlebnis.

Es ist eigentlich für Querflöte geschrieben, wurde aber vom Fagott grandios interpretiert. Hätte der älteste Bach-Sohn das gehört, wäre ihm vielleicht der Gedanke gekommen: Es ist ein Versäumnis, dass ich kein Konzert für Fagott komponiert habe. (pabs)

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