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Neuburg

27.05.2015

Ein Forschungszentrum, das nicht forscht

Das f10 ist immer mit dabei: Geschäftsführer Manfred Rößle und der wissenschaftliche Leiter Dr. Jürgen Beck zusammen mit Neuburgs Umweltingenieurin Birgit Bayer-Kroneisl auf der Energiesparmesse 2014 in Schrobenhausen.
Bild: Dittenhofer

Dem Neuburger f10 fehlen die Aufträge. Warum das so ist und wie es jetzt weitergehen soll

Vor zehn Jahren wurde es gegründet. Rechte Feierstimmung aber kommt im Jubiläumsjahr nicht auf. Die Formel „f10 = Zukunftsplanung im Bereich erneuerbaren Energien“ sorgt momentan bei den Beteiligten des Neuburger Forschungszentrums für erneuerbare Energien für Stirnrunzeln. Es fehlen die Forschungsaufträge.

Der alleinige Gesellschafter der gemeinnützigen GmbH, die Stadt Neuburg, stellt das Forschungsinstitut auf den Prüfstand und will im Herbst über dessen Zukunft entscheiden. Die 80000 Euro, die die Stadt Neuburg jährlich in das f10 schießt, sind für 2015 aufgebraucht, da noch Verbindlichkeiten vom vergangenen Jahr beglichen werden mussten. Trotzdem soll es erst mal weitergehen, denn einige Forschungsanträge laufen noch. Und sowohl Geschäftsführer Manfred Rößle als auch der wissenschaftliche Leiter Dr. Jürgen Beck machen weiter – ehrenamtlich und ohne Bezahlung. Denn sie glauben an das f10. Die beiden denken gar nicht ans Aufhören und Beck möchte weiterhin mit jungen Leuten kreative Ideen und Lösungen für schwierige Probleme anbieten.

Zur Schieflage führte, dass das Forschungsinstitut nie in dem Ausmaß staatlich geförderte Forschungsaufträge hatte ergattern können, wie man sich das vorgestellt hatte. Dafür sei es im Wettbewerb mit anderen großen Institutionen zu klein. Und die gemeinnützige Ausrichtung der GmbH, deren einziger Gesellschafter die Stadt Neuburg ist, habe auch keine privatwirtschaftlichen Aufträge zugelassen, erklärt Rößle, der das f10 vor zehn Jahren mit begründet hat. Da im Rahmen der Gemeinnützigkeit aber über die Hälfte der Aufträge ideeller Natur sein müssen, konnte das Institut auch nicht in größerem Umfang gewerbliche Aufträge annehmen, die durchaus vorhanden gewesen wären, wie Rößle versichert. „Wir mussten diese Balance halten. Aber die staatlich geförderten Forschungsaufträge schnappten uns meist größere Institute weg.“

Für die Förderlandschaft sei das f10 nicht breit genug aufgestellt und manchmal fehlten einfach die politischen Beziehungen zu den Geldgebern. „Wir haben wirklich viele Anträge gestellt.“ Bewilligt worden ist in den ganzen zehn Jahren nur ein einziger. Eine Arbeit über Biomethan, gefördert mit 310000 Euro von der Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe, blieb der einzige überregionale gemeinnützige Forschungsauftrag.

Dr. Jürgen Beck, wissenschaftlicher Leiter des f10, ist überzeugt von der Kompetenz der Einrichtung. „In den zehn Jahren haben wir mit 23 Diplom- und Masterarbeiten wichtige Erkenntnisse im Bereich der regenerativen Energien, aber auch der Energieeffizienz, Elektromobilität und auf vielen anderen Gebieten erlangt. Darüber hinaus haben wir Kommunen bei energetischen Entscheidungen mit wissenschaftlichem Rat zur Seite gestanden.“ Nicht zu vergessen der Energienutzungsplan für Neuburg oder das Fernwärmenetz. „Ein Paradebeispiel dafür, was durch das f10 bewegt und angestoßen wurde. Denn von dort und von Herrn Rößle kam die Initialzündung für dieses Projekt“, findet auch Neuburgs Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, der das f10 erhalten sehen will. „Es ist gut für Neuburg und für unsere Klimaziele.“ Gmehling könnte sich vorstellen, private Investoren ins Boot zu holen und den Anteil Neuburgs auf 20 Prozent herunterzu- fahren. Aber Mitgesellschafter sollte die Stadt nach Meinung des Rathauschefs unbedingt bleiben. Mögliche Investoren hätten ihr Interesse auch schon bekundet, so Johann Habermeyer, Sprecher des Aufsichtsrates des f10, der im Übrigen klarstellt, dass man im Aufsichtsrat die Situation des Forschungszentrums seit geraumer Zeit genau beobachtet habe. Da nun aber keine Lösung, in Form von schnellen Aufträgen in Sicht sei, habe man an den Gesellschafter herantreten müssen.

Alle Beteiligten wünschen sich, dass das f10 weiterhin forscht. Beck kann sich eine Kooperation mit der Technischen Hochschule Ingolstadt vorstellen, die künftig in Neuburg ein Graduiertenkolleg betreiben wird. Domagoj Galic wäre das nur recht. Der junge Ingenieur kam über seine Diplomarbeit zum f10. Und blieb dort. Heute ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter, zieht gerade mit seiner Familie nach Neuburg um und deutet auf einen weiteren Aspekt: „Das f10 bietet jungen Neuburgern die Chance, zu Hause zu forschen und ihre akademische Ausbildung abzuschließen. Solche Möglichkeiten steigern die Attraktivität der Stadt.“

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