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30.03.2009

Ein Hauch von Herrschaftlichkeit

Der Kies scheuert unter den Rädern. Es ist ein Geräusch, das man erwartet. Schließlich ist das hier eine Auffahrt zu einem Schloss. Und so ein edler Landsitz, wie das Schlösschen Hessellohe muss schon eine Kiesauffahrt haben.

Idyllisch liegt der dreiflüglige Bau am Ortsrand von Hessellohe. Zwischen den Obstbäumen weiden die Heidschnucken, hinterm Haus wellen sich die Hügel. Im Schmuckstück des Schlosses, dem Flachslanden-Saal, wartet der Hausherr Josef Hubbauer. Das Licht flutet von zwei Seiten durch den hohen Raum - vor dem inneren Auge erscheinen rauschende Feste mit Kronleuchtern auf den Tischen.

"Für wenige Jahre ist hier in diesem Schloss bayerische Geschichte gemacht worden", sagt Hubbauer und meint damit das Wirken jener Person, die aus dem Meierhof in Hessellohe ein kleines Juwel machte: Johann Baptist Anton Freiherr von Flachslanden.

Der aus dem Elsass stammende Malteserritter stand der Großballei Neuburg vor und verwandelte den Landwirtschaftshof in ein Lustschlösschen. Mit seinen Investitionen rettete er das ganze Dorf Hessellohe. Es soll eine Orangerie gegeben haben, einen Springbrunnen mit Fontaine, ein Sommerhäuschen, einen chinesischen Turm mit einem goldenen Drachen an der Spitze, Teichanlagen und eine Kegelbahn, Grotten und Treibhäuser. Die einzige Darstellung dieses Gartens ist heute nur noch auf einem Lehrbrief zu sehen: Anton Fürst ließ sich 1818 zum Gärtner ausbilden und auf seiner detailreichen Urkunde sind Teile des Gartens abgebildet.

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Großbailli ist bis heute präsent

Flachslanden ist bis heute im Schlösschen präsent. Nicht nur der neu gestaltete Saal ist nach ihm benannt und seine beiden graphierten Kachelöfen sowie die Leuchter sind wieder an ihrem angestammten Platz zurückgekommen. Das Abbild des jungen Großbailli hängt an der Seitenwand des Raumes und lächelt verschmitzt. Und auch die Grabtafel Flachslandens hat wieder in seine alte Heimat gefunden. Sie ist im Treppenhaus des Schlösschens in die Wand eingelassen und erinnert an seinen eigentlichen Macher.

Vermutlich liegt es auch an der Persönlichkeit des Malteserritters, dass sich um das romantische Schlösschen so manche Legende rankt. Im Teich hinterm Gebäude soll eine junge, schöne Frau ertrunken sein. Ihre Leiche habe man neben einem kleinen Boot im Wasser treibend gefunden und ihr als Mahnmahl einen Obelisken in die Mitte der Wasserfläche gestellt. "Allerdings ist kein Todesfall hier auf dem Schloss beurkundet", erklärt Hubbauer.

Ein weiteres, hartnäckiges Gerücht ist, Flachslanden hätte seinem ehemaligen Kammerdiener Franz Xaver Buxbaum das Schlösschen vermacht. Robert Gierschs Nachforschungen aber brachten einen Kaufvertrag ans Licht. Am 19. August 1829 hat der Sohn des Kammerdieners, Johann Buxbaum, das Schlösschen für 9326 Gulden erworben.

Danach beginnt eine wechselvoll, teils dramatische Geschichte des Schlosses, das wieder landwirtschaftlich genutzt wird. 1871 zogen der Betsaal und die Schule aus Ried in die Räume, weil die Kirche Einsturz gefährdet war. Kurz darauf eröffnete im Großen Saal eine Gaststätte mit Ausschank, Decken wurden eingezogen, der herrschaftliche Glanz verblasste. Nach mehreren Besitzern und einer Zwangsversteigerung gelangte das Schlösschen Hessellohe in die Hände der Familie Wolfgang Eberhards, heute Hubbauer.

Nach einem verheerenden Brand 1998 hat die Familie das Schlösschen wieder zu neuem Glanz gebracht. Neun Parteien bewohnen die oberen Stockwerke, der Saal wird für Veranstaltungen gemietet. Josef Hubbauer würde sich wünschen, dass mehr Konzerte im kleinen Rahmen hier stattfinden. "Aber in der Stadt gibt es eben auch sehr schöne Möglichkeiten", sagt der Hausherr.

Auch ohne Gäste gibt es auf so einem Schloss genug zu tun. Die alten Mauern um das Gelände sollen nach und nach wieder aufgebaut werden und das ganze Gelände braucht viel Pflege. Doch nach den dramatischen Jahren des Wiederaufbaus ist auf dem Schlösschen wieder Ruhe eingekehrt. Und ein Stück Atmosphäre wie zu Zeiten Flachslandens wieder eingekehrt.

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