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Ingolstadt

21.11.2018

Ein Ingolstädter sucht Funk-Traktoren

Martin Liebold hat einen Hang zu alter Technik. Durch eine Fügung, so erzählt er, sei er vor einigen Jahren zu einem Traktor von Xaver Funk gekommen. Weil es sich dabei aber um eine Rarität handelt, ist die Geschichte dahinter schwer zu finden.
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Martin Liebold hat einen Hang zu alter Technik. Durch eine Fügung, so erzählt er, sei er vor einigen Jahren zu einem Traktor von Xaver Funk gekommen. Weil es sich dabei aber um eine Rarität handelt, ist die Geschichte dahinter schwer zu finden.
Bild: Elisa Glöckner

Martin Liebold sammelt alte Dinge, vor allem aber Technik hat es ihm angetan. Vor zwei Jahren ist er auf ein Objekt gestoßen, über das er nun mehr erfahren will.

Grasgrüne Haube, schwarzes Lenkrad, rotes Leder. Ein Prachtstück. Martin Liebold schiebt es einige Meter weiter nach hinten, damit es sich besser fotografieren lässt – ein Traktor, Baujahr 1953, Marke Funk. Nur sechs dieser Schlepper existieren noch, so glauben Historiker. Umso schwerer ist es, die Geschichte dahinter zu finden. Martin Liebold versucht es dennoch.

Es beginn in Ingolstadt, Ende der 40er Jahre

Der Anfang liegt weit zurück, irgendwann Ende der 40er Jahre. Der Krieg ist vorbei, die Wirtschaft kaputt. Wie sie muss sich auch die Landwirtschaft von Zerstörung und Gleichschaltung der Nazis erholen. „Nach der Währungsreform“, sagt Martin Liebold, „wächst der Bedarf an landwirtschaftlichen Geräten und Traktoren.“ Große Hersteller können die Nachfrage allein nicht decken. Das bringt Xaver Funk aus Irgertsheim auf die Idee, selbst tätig zu werden und sogenannte Funk- Schlepper herzustellen.

Einer davon steht heute neben einem McCormick-Traktor und einem Massey-Ferguson-Mähdrescher im Bauerngerätemuseum in Hundszell. Schon bald aber soll der Schlepper den Weg nach Ingolstadt-Mühlhausen antreten. „In unsere Garage, wo er hingehört“, sagt Martin Liebold. Er lacht. Seit seiner Kindheit sammelt der inzwischen 49-Jährige kuriose Dinge, wie er selbst sagt. Darunter etwa eine elektrische Schalttafel aus Marmor, aber auch Autos und Motorräder. Die Technik habe es ihm angetan – vor allem ein kleiner, grasgrüner Traktor aus Irgertsheim.

Ein kleiner grasgrüner Traktor aus Ingolstadt

Von 1950 bis 1956 bastelt Xaver Funk 33 Exemplare mit einer Leistung von 18 bis 30 PS zusammen. Die Bestandteile beschafft er sich von anderen Unternehmen: Er kauft Motoren zum Beispiel von MWM, die Getriebe von der Zahnradfabrik Friedrichshafen (ZF). Teile wie Achsen oder Riemenscheiben besorgt er sich von anderen Herstellern. Nur die Elektrik nicht, hakt Martin Liebold ein. Die habe er selbst gemacht. Am 1. Juni 1951 geht der erste Funk-Schlepper an einen Bauern aus Irgertsheim.

Dass an seinem Prachtstück alles original ist, dessen ist sich der Mühlhausener sicher. Ein Deutz-Motor sei drin, ein ZF-Getriebe verbaut. Die Haube stamme wie alle 33 von einer Presse aus Augsburg. „Sogar der Fahrzeugbrief ist original“, bekräftigt Liebold. Vor zwei Jahren hat er den Traktor „durch eine Fügung“ bekommen. Nun besitzt er eine Rarität. Für ihn, so sagt er, sei das Sammeln alter Technik ein Hobby, ein Ausgleich zum eigenen Betrieb. Der 49-Jährige ist selbstständig. Doch benötigt das Hobby auch Platz. Gut 150 Quadratmeter, um genau zu sein, ein eigenes Gebäude zum Austoben. Was sagt die Frau? „Gut, dass wir ein großes Grundstück und Platz haben – sonst wäre das nicht machbar.“ Sie grinst.

Das Lager und die Werkstatt ist in Ingolstadt noch heute zu sehen

1965 stellt Xaver Funk, der wegen seines schwarzen Haars „da Schwoaz“ genannt wird, die Herstellung der Traktoren ein. Die Produktion, sagt Liebold, sei nicht mehr wirtschaftlich gewesen. „Große Hersteller haben schon mit Hydraulik gebaut.“ Engpässe, die es Ende der 40er, vielleicht noch Anfang der 50er gegeben hat, sind jetzt durchgestanden. Funk stirbt 1966 im Alter von 65 Jahren. Das Lagerhaus in Irgertsheim, die Werkstatt und das alte Kieswerk sind heute noch zu sehen.

Das Schicksal der Funk-Schlepper schien lange in Vergessenheit zu geraten. Nun aber will Martin Liebold deren Geschichte in Erinnerung holen und sich auf die Suche nach den Spuren – wie Schriftstücke, Werbemittel, Rechnungen, Bilder – machen, die Xaver Funk und seine Traktoren in der Region hinterlassen haben. Ein längeres Projekt, weiß der 49-Jährige. Aber eben Leidenschaft.

Die Stadt Ingolstadt sucht nach Anekdoten

Anekdoten und Tipps nehmen das Kulturreferat der Stadt Ingolstadt unter E-Mail harald.kneitz@ingolstadt.de und Martin Liebold unter E-Mail martin.liebold@t-online.de entgegen.

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