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Neuburg

25.02.2018

Ein Lausbub am Piano

Martin Schmitt ließ die Finger über die Tasten fliegen.
Bild: Tobias Böcker

Der Jazzer Martin Schmitt begeistert im Birdland.

Ein wahrhaft musikantischer Wirbel aus Boogie Woogie, Stride und Entertainment fegte da durch den ehrwürdigen Birdland Jazzclub, weit entfernt von freudlosen „Jazzgesichtern“. Aber die gibt’s ja auch nur im Vorurteil, nicht in Wirklichkeit, jedenfalls nicht im Birdland, ebenso wenig wie die kroatische Rezeptionistin im Salzburger Land, die gesagt haben soll: „If you want breakfast in bed, you gotta sleep in the kitchen ...“

Martin Schmitt war mal wieder in Neuburg, der Gräflfinger Piano-Lausbub, dessen Finger an der Tastatur so locker sitzen wie die Zunge im Mundwerk. Dem traditionellen Jazz hat er sich verschrieben, frönt dem offensiven Pianostil, wie er sich aus dem Ragtime Scott Joplins weiterentwickelt hat, vor allem durch James P. Johnson, Willie „The Lion“ Smith und – den größten unter ihnen – Thomas Wright „Fats“ Waller. Dessen „Handfull of Keys“ schmeißt Schmitt denn auch ganz lässig und nonchalant ins Gewölbe, ebenso wie „Pinetop’s Boogie Woogie“ von Clarence Smith aus dem Jahre 1928, den ersten Boogie Woogie, der je auf einen Tonträger gebrannt wurde, oder den „Boogie Woogie Jump“ von 1939.

Schmitt spielt auch eigene Stücke

Neben solch traditionsbewussten Ur-Standards des Genres gab’s auch Anderes, „Tico Tico no Fubá“ zum Beispiel, den brasilianischen Klassiker, der mit dem Esther Williams Film „Badende Venus“ in den späten 40ern zum Hit wurde. Dazu präsentierte Schmitt auch stilechte, nicht minder virtuose eigene Stücke, die Flugansage „Schmittish Airways“ zum Beispiel, den gefährlichen „Marder“ oder die Frage, „Wia kon ma des überleb’n?“, eine Kindheit ohne Globuli und World Wide Web. Nicht zu vergessen die sächsische Version des Tom Jones Superhits „Sexbomb“!

Spätestens an dieser Stelle hatte das Publikum kollektiv Lachtränen in den Augen. Darüber geriet die profunde Musikalität des Abends fast ins Hintertreffen. Wie Schmitt selbst konstatierte: „Sieht leicht aus, ist aber wahnsinnig schwer zu spielen.“ Da war was dran, locker, flockig, frech und flott: „Da muss ma aufbassn“.

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