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Neuburg

07.08.2019

Ein Paradies über den Dächern Neuburgs

Einmal da, vergessen Besucher schnell, dass sie in Neuburg sind. Zwischen Palmen, Pavillons und Brunnen fühlt es sich eher an wie am Mittelmeer. Kein Wunder, viele Teile des Inventars stammen aus Italien.
Bild: Marcel Rother

Plus Die Familie Spieß besitzt eine Dachterrasse in Neuburg. Geschützt vor fremden Blicken ist ein südländisches Wohnzimmer im Freien entstanden.

Oliven-, Orangen- und Zitronenbäume stehen zwischen Brunnen, Alabasterstatuen und einem Pavillon. Hört sich nach Italien an – ist aber Neuburg. Und zwar so gut versteckt, dass es wohl die wenigsten dort vermutet, geschweige denn zu Gesicht bekommen haben. Wer die 90 Quadratmeter große Dachterrasse der Familie Spieß entdecken will, muss schon auf den Kirchturm von St. Augustin steigen. Gut, dass dessen Spitze erst saniert wurde, der Blick auf das Kleinod in der Franziskanerstraße frei wurde und die Hausherren einen Besuch in ihrem Sommerrefugium gestatteten. Oder wie sie es nennen: „Unser Paradies über den Dächern der Stadt.“

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So sieht die Dachterrasse der Familie Spieß von der Spitze des Kirchturms St. Augustin aus. Von wo anders aus ist sie kaum zu erkennen.
Bild: Marcel Rother

Bei dem Besuch trägt ein laues Lüftchen Jazzklänge aus den offenen Fenstern der Volkshochschule herüber. „Wir haben hier immer gute Musik“, bestätigt Robert Spieß. Ihm und seiner Frau Ernestine gehört das Haus, gleich nebenan wohnt der Sohn mit Frau. Die haben sich extra eine Aluminiumbrücke herüber zur Dachterrasse gebaut – auf den Freisitz will keiner verzichten. „Ich glaube nicht, dass es so etwas in Neuburg ein zweites Mal gibt“, sagt Ernestine Spieß.

Ach, wie schön ist doch „il dolce far niente“, das süße Nichtstun.
Bild: Marcel Rother

Ihr Vater gründete im Jahr 1936 an selber Stelle eine Schlosserei mit Werkstatt. Während heute zur Franziskanerstraße hin nur noch die Geschäftsräume des Schlüsseldienstes zu sehen sind, erstrecken sich hinterhalb die Wohnräume der Familie und die Werkstatt. Da die Werkstatt mit ihrem Flachdach im Laufe der Jahre immer größer wurde, kam Robert Spieß auf eine Idee. „Irgendwann dachte ich mir: Da machen wir eine Dachterrasse draus.“

Über den Dächern von Neuburg wie in einem Toskanaurlaub

Gesagt, getan. Das vormals mit Blech bezogene Dach wurde betoniert, und seit den 80er Jahren verwirklicht das Ehepaar Spieß darauf seinen ganz persönlichen Sommertraum. „Wir sind Sammler“, gestehen sie ein, „und ein bisschen verrückt.“ Nur so ist zu erklären, dass sie original italienische Statuen aus unzähligen Toskanaurlauben mit dem Wohnmobil nach Neuburg transportiert und Feigenbäume, Palmen und Mittelmeer-Zypressen in Kübeln kultiviert haben – alles für die perfekte Italoromantik. Wann immer es geht, genießen die beiden – die mit 74 und 76 Jahren noch immer im Familienbetrieb arbeiten – eine Auszeit auf der Dachterrasse. Natürlich werden dort auch Familienfeste gefeiert und Freunde eingeladen. Immer wenn Besucher das erste Mal zu Gast sind, ist eines gewiss: Die Gastgeber ernten ungläubiges Staunen. „So etwas vermutet keiner mitten in der Stadt“, sagen sie.

So schön ist es über den Dächern von Neuburg

So schön es im Sommer ist – Bienen summen, Käfer fliegen durch die Luft, und dann erst der Blick über die Dächer! – so viel Arbeit macht das hoch gelegene Freiluftwohnzimmer. Nicht nur, dass all die Kübelpflanzen gegossen werden wollen, Unkraut sich in die Ritzen zwischen den Betonplatten einnistet und zuckersüße Feigen geerntet werden wollen, es kommt auch eine Zeit, in der die ganze Sommeridylle ein Ende hat. Dann geht die Arbeit erst richtig los. Im Herbst. Die empfindlichen Statuen müssen eingepackt werden, damit keine Feuchtigkeit in die Ritzen kriecht und bei Minusgraden Risse verursacht. Die Pflanzen müssen vor der Kälte geschützt werden, dafür baut Robert Spieß auf der Terrasse ein großes Gewächshaus auf, in dem alle Unterschlupf finden. „Im Winter sieht es hier vollkommen trostlos aus“, sagt er. Bis es wieder Sommer wird. Und die Terrasse der Familie Spieß zum vielleicht nördlichsten Punkt Italiens.

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