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Ehrung

28.11.2017

Ein Reisender erhält den Fleißerpreis

Er ist gereist, um die Welt zu verstehen: Christoph Ransmayr entführt den Leser seit seinen ersten Erzählungen auf Reisen in entfernte Länder. Auch dem Ingolstädter Publikum hat er beim Marieluise-Fleißer-Preis eine Erzählung mitgebracht.
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Er ist gereist, um die Welt zu verstehen: Christoph Ransmayr entführt den Leser seit seinen ersten Erzählungen auf Reisen in entfernte Länder. Auch dem Ingolstädter Publikum hat er beim Marieluise-Fleißer-Preis eine Erzählung mitgebracht.

Christoph Ransmayrs Prosa mit ihrer „wilden Natur“ ist es zu verdanken, dass er nun in Ingolstadt mit dem Literaturpreis ausgezeichnet wird. Dafür hat er eine Geschichte dabei

Aus einem kleinen Dorf zwischen dem Höllengebirge und dem toten Gebirge stammt Christoph Ransmayr, der den diesjährigen Marieluise-Fleißer-Preis der Stadt Ingolstadt erhalten hat. Schon früh hat er sein Heimatdorf verlassen, ist hinaus gereist in die weite, ferne Welt und mit wunderbaren Geschichten, Erzählungen, Reisereportagen und Romanen zurückgekommen. Am Sonntag hat Ransmayr für sein literarisches Werk, nach zahlreichen nationalen und internationalen Literaturpreisen – auch den in Neuburg verliehenen Ernst-Toller-Preis – den Ingolstädter Literaturpreis erhalten.

Für Kulturreferent Gabriel Engert, ist er der „sprachmächtigste deutsche Autor“, der dem Leser „poetische Welten“ erschließt. In der von Stadträtin Eva-Maria Atzeroth überreichten Fleißer-Preis-Urkunde liest man von einem Weltreisenden im wahrsten Sinne des Wortes. Preispatin und Preisträger ist – mit den Worten des Laudators Andreas Platthaus gesprochen – die kreative Kraft der Literatur gemeinsam, das Wissen um die Vielfalt der Welt.

Fleißer und Ransmayr haben permanent die Welt durchstreift, um sie zu begreifen, sagte Platthaus. Dabei entstehen oftmals ganz eigene Welten. Denn im Reiche des Erzählers bedarf selbst die Erfindung der Welt nur einer Stimme. Poetisch, ausdrucksstark, mitreißend ist diese Stimme. Ransmayrs Erzählungen und Romane spielten wie der aktuelle Roman „Cox oder Der Lauf der Zeit“ oftmals in der Vergangenheit, doch sie sind in der Gegenwart verortet. Er schreibe an gegen eine Welt ohne uns Menschen. Der herrlich „wilden Natur dieser Prosa, die alle Fenster aufmacht,“ konnten sich die Gäste der feierlichen Preisverleihung getrost und gerne überlassen.

Christoph Ransmayr hatte nämlich keine Dankesrede, sondern eine eigens für Ingolstadt geschriebene Erzählung, gleichsam ein Gastgeschenk mitgebracht: Eine Geschichte um ein kindliches Trauma aus jenem Dorf zwischen den hohen Bergen, das erst durch einen Roman Marieluise Fleißers geheilt werden konnte. Obwohl beim Lesen eine Verwandlung des Gelesenen erfolgt, kann doch der Ursprung des Sprachkunstwerkes an den Grund unseres Herzens hinabdringen, wo er sich in den schwerelosen Stoff verwandelt, aus dem unsere Seelen sind, sagte der große Erzähler Christoph Ransmayr. Mit seinen Sprachkunstwerken ist der Autor schon längst „eine Zierde für den Verein“, wie der Titel des Fleißer-Buches lautet, der laut eigenen Worten über Ransmayrs Leben zu schweben scheint.

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