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27.07.2010

"Ein Restrisiko bleibt"

"Ein Restrisiko bleibt"
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"Ein Restrisiko bleibt"

Neuburg Dichtes Gedränge, Menschen, die sich gegenseitig durch Straßen schieben, Massen von Leuten, in denen sich jeder einzelne nur noch stecknadelkopfgroß ausnimmt: Diese Bilder von der tödlichen Duisburger Love Parade haben sich eingeprägt und solche Bilder kennt man auch in Neuburg.

Zumindest alle zwei Jahre beim Schlossfest - aber auch im Volksfest-Zelt, bei der Gaudi-Piste, beim Weiberfasching, dem Donauschwimmerball und anderen Großveranstaltungen - rotten sich die Feiernden zum großen Getümmel zusammen. 2009 waren es an zwei Wochenenden immerhin 100 000 Besucher, die zum Schlossfest in die Obere Stadt geströmt sind. Wie sicher ist jeder einzelne von ihnen? Ist die Stadt Neuburg gegen eine derartige Katastrophe gefeit, wie sie sich jetzt in Duisburg zugetragen hat?

"Ein Restrisiko bei Massenveranstaltungen kann man natürlich nie ausschließen", gibt Helmut Birk, Stellvertretender Leiter des städtischen Ordnungsamts zu. "Aber wir treffen uns im Vorfeld des Schlossfestes immer schon frühzeitig zur ersten Sicherheitsbesprechung mit BRK, Feuerwehr, Verkehrsverein, Polizei, der Stadtwache, mit Bauamt und Oberbürgermeister." Da geht es dann um Fragen wie Brandschutz, Notarzt, Rettungswagen, Sanitätsdienst, Parksituation, Bewachung und so weiter.

Auch die Fluchtwege sind dabei ein wichtiger Aspekt und die Verantwortlichen wissen, wo die Schwachstellen liegen. Ähnlich wie der Tunnel am Duisburger Güterbahnhof gibt es auch in Neuburg eine gefürchtete Engstelle: "Das Nadelöhr ist ganz gefährlich, vor allem dann, wenn beim Schlossfest Tausende gleichzeitig zum Donaukai strömen, um das Feuerwerk zu sehen", schildert Helmut Birk.

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Diese Stelle ist als neuralgischer Punkt bekannt, da er Trichterwirkung hat: Aus allen Richtungen laufen die Besucher auf die schmale Gasse des Nadelöhrs zu und plötzlich ist kaum noch ein Durchkommen. "Wer sich auskennt, weicht über den Dr.-Reiter-Weg aus", schildert Birk, "oder umgeht diesen Engpass großräumig." Auch habe man die Trichterwirkung abgeschwächt, indem der große Platz vor dem Nadelöhr durch das Lager der Woazenbuam verkleinert wird.

Problematisch überfüllt ist auch die Amalienstraße zu gewissen Stoßzeiten - "sonntags zwischen 13 und 16 Uhr", wie Helmut Birk weiß. "Da geht kaum noch was, da ist alles komplett zu." Die Stadtwache versuche dann, die dichte Menge zu durchbrechen und aufzulockern. Im Ernstfall könne man seitlich durch die Gassen ausweichen.

"Wir arbeiten an uns, um zu lernen"

Bevor das Schlossfest beginnen kann, gibt es auch jeweils eine Probefahrt der Feuerwehr durch alle Straßen und Gassen, ob die erforderlichen Abstände eingehalten werden, um im Ernstfall mit dem Löschfahrzeug durchzukommen. Bislang ist Neuburg vor Massenpanik und anderen Katastrophen verschont geblieben.

Sicherheitskonzepte werden selbstverständlich auch für die anderen Großveranstaltungen entwickelt. "Im Volksfestzelt wäre der Ernstfall nicht so dramatisch, da kann man die Planen hochklappen, um nach draußen zu gelangen", so Birk. Und für sämtliche städtischen Gebäude - wie Marstall und Turnhallen etwa - gilt eine streng begrenzte Anzahl von Besuchern, um Überfüllung zu vermeiden.

Außerdem gibt es in Sachen Sicherheit keinen Stillstand: "Wir arbeiten ständig an unseren Standards", so Birk, "besprechen uns mit Kollegen anderer Städte, tauschen Erfahrungen aus und versuchen zu lernen - erst recht jetzt nach Duisburg." Möglicherweise kann das für künftige Schlossfeste bedeuten, dass "unter ganz krassen Umständen" auf das traditionelle Feuerwerk verzichtet werden muss, um das Risiko am Nadelöhr auszuschließen.

Für eine Sperrung des Nadelöhrs spricht sich der Neuburger Feuerwehrkommandant Christian Braun aus. "Wir melden seit Jahren Bedenken an". Der Knackpunkt insgesamt ist für ihn die Zahl der Teilnehmer. Während er die Duisburger Dimensionen mit rund 1,4 Millionen Besuchern schlicht als "unvernünftig" bezeichnet, sei das Neuburger Schlossfest "immer noch vergleichsweise überschaubar".

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