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Neuburg

11.03.2019

Ein intelligenter Roboter als Prediger?

Weihbischof Anton Losinger in der Neuburger Hofkirche.
Bild: Peter Abspacher

Weihbischof Anton Losinger wirft bei seiner Fastenpredigt in der Hofkirche brandaktuelle Fragen auf, die zum Nachdenken anregen.

So gut gefüllt ist die Hofkirche nicht bei jedem Gottesdienst. Trotz Sturm und Regen hatten viele Zuhörer den Weg in die Neuburger Altstadt gefunden. Sie werden ihr Kommen zu dieser Vesper mit Fastenpredigt nicht bereut haben. Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger war lange Zeit Mitglied im Nationalen Ethikrat. Der Mann hat etwas zu sagen, wenn es um die Frage geht: Darf der Mensch, darf die moderne Medizin alles, was er oder was sie kann?

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Losinger malt keine Schreckensszenarien an die Wand, er urteilt nicht mit lockerer Hand. Er beschreibt Chancen und Risiken der Biotechnologie – moralische Schlussfolgerungen überlässt er dem Zuhörer. Die Würde des Menschen ist unantastbar, ein großes Wort aus dem Grundgesetz. Aber was bedeutet das, wenn inzwischen das Klonen von Zwillingen möglich ist? Wenn die frühe Geschlechtsbestimmung Eltern in China und Indien zum Nachdenken bringt, also in Ländern mit einer Ein-Kind-Politik oder mit einer kulturellen Tradition, in der Mädchen nicht den gleichen „Wert“ wie Buben haben?

Fastenpredigt: Anton Losinger appelliert an das Gewissen 

Oder wenn ein Bluttest bei Schwangeren eine Trisomie 21 des Fötus ergibt? Losinger berichtet von Eltern, die ihr Kind mit Down-Syndrom bewusst angenommen haben und dann von Bekannten nach einem Blick in den Kinderwagen zu hören bekommen: Musste das sein? Der Weihbischof verurteilt nicht die Menschen, die diese Frage stellen und er heroisiert auch nicht die Eltern, die sich genau für dieses Kind entschieden haben. Losinger motiviert seine Zuhörer, das eigene Gewissen zu erforschen: Wie würde ich mich in einer solchen Situation verhalten?

Ein intelligenter Roboter als Prediger?

Genanalysen eröffnen heute die Möglichkeit, Krankheiten und Risiken zu erkennen, lange bevor sie manifest werden, das gilt vielleicht irgendwann auch für persönliche Eigenschaften. „Der Mensch wird damit zu einem offenen Buch. Wird er dann, bei einer ungünstigen Prognose, noch eine bezahlbare Versicherung bekommen, wird er ohne weiteres irgendwo eingestellt?“ Und Losinger fährt fort: Wird es auch beim bischöflichen Ordinariat einmal heißen, bringen Sie erst einen Gentest, dann dürfen Sie sich bewerben? Die Frage bleibt offen, Losinger will nicht einfach versprechen, dass die Kirche mit der Biomedizin keinen Missbrauch betreibt.

Fastenpredigt: Müssen Geistliche bald Robotern weichen?

Aber es geht nicht nur ernst zu bei dieser Vesper. Losinger berichtet vom verblüffenden Ergebnis einer Befragung in japanischen Pflegeheimen. Die Kranken sagten, sie würden lieber mit einem Roboter reden, der per künstliche Intelligenz dazulernt, als mit einem „echten“ Pfleger, der oft gar keine Zeit hat. Stadtpfarrer Herbert Kohler greift die Geschichte gleich auf. Es gebe ja nicht nur einen Mangel an Pflegekräften, sondern auch an Priestern. Vielleicht wäre manchen Gläubigen ein intelligenter Roboter, zum Beispiel als Prediger, lieber als der eigene Pfarrer. Nicht ganz ausgeschlossen. Die Wahrscheinlichkeit ist aber bei der Qualität des Predigers Herbert Kohler eher gering.

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