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Unterhaltung

14.11.2019

Ein kontrastreicher Abend im Jazzkeller

Die Gruppe Saxtett mit (von links) Raphaela Stork, Julia Mnich, Anna Schoderer, Florian Kriner, Lena Kopold und Fabian Mnich brachten Schwung in den Leseabend.
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Die Gruppe Saxtett mit (von links) Raphaela Stork, Julia Mnich, Anna Schoderer, Florian Kriner, Lena Kopold und Fabian Mnich brachten Schwung in den Leseabend.

Waltraud Götz, Sissy Schafferhans und Jürgen Zapf traten im Birdland auf und trugen Geschichten vor. Worüber sie sinnierten und mit welchen Inhalten sie ihre Zuhörer besonders zum Lachen brachten

Der Leseabend, mit „Kontraste“ tituliert, konnte heuer das silberne Jubiläum feiern. Diese Veranstaltung hat sich über die Jahre etabliert – ohne Rost anzusetzen. Die Gegensätzlichkeit, Unterschiedlichkeit oder Verschiedenartigkeit der Beiträge – aber auch der Menschen, die ihn gestaltet haben – machen seit 25 Jahren den Reiz aus.

Waltraud Götz, Autorin aus Maxweiler und Initiatorin dieses Abends im Birdland Jazzkeller, brachte mit Jürgen Zapf, Diakon aus Wehringen, und Sissy Schafferhans, vielseitige Allround-Künstlerin aus Neuburg, Texte aus der jeweils eigenen Feder zu Gehör. Die musikalische Umrahmung lag in den Händen der Gruppe Saxtett. Unter Leitung von Fabian Mnich präsentierten Julia Mnich, Lena Kopold, Florian Kriner, Anna Schoderer und Raphaela Stork mit verschiedenen Saxofonen ihr respektables Können und gaben dem Publikum Möglichkeiten, die Texte auf sich wirken zu lassen.

Zapf mäanderte in einer kabarett-reifen „Laudatio“ auf sich selber durch sein Leben. Als „IB“, also „innerer Beobachter“ nahm er sich wortakrobatisch auf die Schippe, wenn er als alternder Jüngling mit Partyfassbauch statt Sixpack und „Sinnlichen Gedichten, die niemand braucht“, über die Bühnen der Welt, besonders über die von Großaitingen rockte. Als Sokrates im Alltag gehorsam gegenüber seiner Xanthippe, verwandelte er das Rasenmähen in eine Skipiste oder ließ sich zu einer Trauung am Heiligen Abend um 16 Uhr vergewaltigen. Schafferhans versank wort- und gestenreich in Überlegungen: „Ich versteh die Welt nicht mehr.“ Datenschutz beim Arzt – überspitzt gezeichnet, Greta Thunberg, ihrer Meinung nach Nachfolgerin der Jungfrau von Orleans, kamen da aufs Tablett, ebenso wie Globuli für den Klimaschutz, Schwelgen in der eigenen Kindheit oder die vielen „Rundumelis“, die sie bei der preiswerten aber Würstel-lastigen Schweizreise begeisterten. Mit staccatoartigen gesellschaftskritischen Gedanken legte sie den Finger in so manche – auch Neuburger – Wunde, spielte ihr komisches Talent aus und reicherte es mit kleinen Gesangsbeiträgen oder Gedichten an. Götz las aus ihrem neuen Buch „Rundumadum“. Akribische Beobachtungsgabe, hintersinniger Humor, bodenständige Themen, geistreiche, charmant-witzige Einfälle sind in diesem Werk zu finden. Sie brachte die Zuhörer zum Schmunzeln, Lachen, aber auch zum Nachdenken. Mancher fand sich beispielsweise in dem Gedicht „Ha?“ wieder, wo zwei schwungvolle „Oide“, erschrocken über die langsam fortschreitende Schwerhörigkeit, aber auch über die enormen Kosten für die Hörgeräte, das Problem dahingehend lösen, dass sie sich zusammen nur ein Gerät leisten – und so nicht nur Geld, sondern auch so manchen unnötigen Dialog sparen. Spiel mit der Sprache, Alliterationen und Dialekt machten ihren Vortrag lebendig und äußerst hörenswert.

Mit Titeln wie Sinatras „New York, New York“ (fetzig, temporeich und peppig gespielt), „Yolanda“ von den Cubaboarischen (mitreißend gestaltet), Medleys von Glenn Miller, den Beatles oder aus Filmmusik und Songs setzte die Band Saxtett nostalgische Akzente, wobei Bandleader Fabian Mnich mit dem Baritonsaxofon den Rhythmus so richtig „pimpte“. Kontrastreicher – positiv gesehen – geht es fast nicht.

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