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Interview

30.06.2020

Ein mobiler Ärztebus für den Landkreis?

Eine Arztpraxis auf Rädern könnte das Rezept gegen den Ärztemangel auf dem Land sein. Landrat Peter von der Grün würde das Konzept auch gerne im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ausprobieren. 
Bild: Swen Pförtner, dpa

Landrat Peter von der Grün kehrt in den „Normalmodus“ zurück. Welchen Ideen er nun nachgeht und was er für krisengebeutelte Unternehmen und Kommunen tun kann.

Herr von der Grün, drei Monate Corona-Krisenbewältigung liegen hinter Ihnen. Wie geht es Ihnen?

Peter von der Grün: Danke der Nachfrage. Mir geht es gut. Seit der Aufhebung des Katastrophenfalls ist im Haus eine gewisse Erleichterung zu spüren. Wir waren als Katastrophenschutzbehörde ja mittendrin im Geschehen, haben medizinische Schutzausrüstung für Krankenhäuser und Ärzte besorgt. Jetzt kommen schön langsam wieder andere Themen auf die Agenda und wir spüren täglich, dass weitere Schritte in Richtung Normalität gemacht werden können. Das tut gut.

Wie viel Ihrer Zeit mussten Sie zuletzt in die Corona-Thematik stecken?

Ein mobiler Ärztebus für den Landkreis?

von der Grün: Ich würde schätzen 80 bis 90 Prozent.

Mussten durch die Coronakrise laufende Projekte auf Eis gelegt werden?

von der Grün: Ja, so manches musste natürlich in den Hintergrund treten. Die Corona-Pandemie hatte ja Auswirkungen auf alle Bereiche. Einerseits musste der Betrieb im Landratsamt unter den staatlichen Maßgaben weiterlaufen, andererseits musste ich auch einen Teil der Mitarbeiter schützen, etwa Schwangere, ältere Mitarbeiter oder solche mit Vorerkrankungen. Es zog einen endlosen Rattenschwanz nach sich. Wir mussten die Vorgaben der Staatsregierung erfüllen, die sich in regelmäßigen Abständen immer wieder geändert haben, und wir mussten die Beratung der Bürger und Gemeinden sicherstellen, die sehr viele Fragen hatten.

Gibt es bei Ihnen im Haus mittlerweile schon wieder so etwas wie „Normalmodus“?

von der Grün: Immer mehr. Wir sind in fast allen Bereichen schon wieder fast bei der Normalität angekommen. Unsere Abteilungen haben geöffnet, wenngleich wir im Haus immer noch Zugangsbeschränkungen haben. Ein Zutritt ist derzeit nur mit Termin möglich.

Sie sind jetzt seit gut einem Jahr Landrat. Konnten Sie von dem, was Sie sich vorgenommen hatten, schon etwas in Angriff nehmen?

von der Grün: Wir sind in vielen Bereichen vorangekommen. Das Kreiskrankenhaus und die Uniklinik Augsburg arbeiten derzeit an einem Konzept, wie die beiden Häuser zusammenarbeiten können. Und auch im Bildungsbereich sind wir im Plan, etwa beim Neubau der Paul-Winter-Realschule. Die Schule soll nach wie vor im Herbst 2021 eröffnet werden, da gibt es bislang keine Verzögerungen.

Vor Ihrer Wahl sagten Sie, dass Sie auch die Donaumoos-Sanierung voranbringen wollen. Was hat sich in diesem Punkt getan?

Landrat Peter von der Grün.
Bild: Claudia Stegmann

von der Grün: Ich würde bei diesem Thema gerne etwas erreichen. Aber es hat sich gezeigt, dass es schon seinen Grund hat, warum in den letzten zehn, 15 Jahren nicht mehr passiert ist. Das ist eine Mammutaufgabe, die der Landkreis alleine auch nicht bewältigen kann. Dafür brauchen wir staatliche Unterstützung, aber auch einen gemeinsamen Konsens zwischen Kommunen, Landkreis, Naturschutzverbänden, Landwirten und Anwohnern. Mir ist völlig klar, dass es da in kurzer Zeit keine Lösung geben kann.

Was ist mit dem Kreishallenbad? Das frisst jedes Jahr rund 700.000 Euro an Defizit. Halten Sie als Träger daran fest? Es gab ja mal Überlegungen, ob nicht die Stadt Schrobenhausen das Bad übernimmt…

von der Grün: Ja, das Angebot steht nach wie vor. Aber die Bereitschaft ist da verständlicherweise nicht groß. Ich halte es für richtig, dass der Landkreis das Hallenbad aufrechterhält, denn es ist unabdingbar, dass unsere Kinder schwimmen lernen können.

Welche Themen stehen denn im Augenblick auf Ihrer Ideenliste?

von der Grün: Ich würde gerne einen Landschaftspflegeverband in der Region umsetzen, der sich um Naturschutz, insbesondere um Ausgleichsflächen, kümmert. Wie groß dafür das Interesse bei den Bürgermeistern ist, deren Gemeinden sich bislang selbst um solche Flächen kümmern, müssen wir allerdings erst eruieren. Darüber hinaus würde mir gut ein mobiler Ärztebus gefallen, der durch alle Gemeinden tourt, in denen es keinen Hausarzt mehr gibt. Der wäre dann beispielsweise am Montag in Waidhofen, am Dienstag in Aresing, am Mittwoch in Ehekirchen und so weiter. Wir werden demnächst prüfen, wie und ob wir das umsetzen können. In den vergangenen Wochen hätte uns so ein Bus bei der Corona-Pandemie sicherlich sehr geholfen. Auch für den Kulturbereich hatten wir uns etwas überlegt. Am 6. September sollte eigentlich ein großes Landkreis-Blasmusikfestival im Haus im Moos stattfinden. Das kann nun leider nicht stattfinden, aber wir holen das hoffentlich nächstes Jahr nach.

Zurück zur Corona-Pandemie: Wie hoch schätzen Sie den wirtschaftlichen Schaden für den Landkreis ein?

von der Grün: Der ist im Augenblick noch nicht abschätzbar oder absehbar. In jedem Fall ist er immens.

Kann der Landkreis hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen etwas tun?

von der Grün: Was in meiner Macht steht, werde ich tun, um die Unternehmen zu unterstützen. Doch finanziell wird in dieser Hinsicht nichts möglich sein. Was die Gemeinden betrifft, so haben sie jetzt schon erhebliche Gewerbesteuerausfälle. Wir als Landkreis müssen da ganz stark aufpassen, dass wir die kommunalen Haushalte in den nächsten Jahren einigermaßen über die Runden bringen. Notfalls müssen wir unsere Projekte strecken.

Das heißt, die Bürgermeister dürfen sich darauf einstellen, dass die Kreisumlage in den nächsten Jahren so gering wie möglich ausfallen wird?

von der Grün: Das war doch schon immer so!

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