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Ingolstadt

16.01.2021

Ein verlorenes Jahr für die Metall- und Elektroindustrie um Ingolstadt?

Vor allem die Fahrzeugzulieferer hoffen auf eine Erholung der Absatzmärkte.
Foto: Manfred Dittenhofer

Plus Als mit wichtigster Industriezweig hat die Metall- und Elektroindustrie in der Region um Ingolstadt schwere Zeiten hinter sich. Es wird befürchtet, dass 2021 nicht besser wird – nicht nur wegen Corona.

Die Konjunkturumfrage des Verbandes der bayerischen Metall- und Elektroindustrie ist der Gradmesser für eine der wichtigsten Industrien Bayerns. Zum Jahresbeginn schaute die bayme vbm auf das zurückliegende Jahr und wagte einen Ausblick in die Zukunft. Neben den Folgen der Pandemie waren die Verhandlungskapriolen beim Brexit und die protektionistische Politik von China bis in die USA die bestimmenden Faktoren im vergangenen Jahr. Der zweite Lockdown trifft die Branche hart. Vor allem auch dadurch, dass er andauernd verlängert wird. Damit entstehen nicht nur finanzielle Engpässe, sondern Arbeitgeber und Arbeitnehmer verdauen die andauernde Unsicherheit psychisch nur schwer.

„2020 müssen wir als ein Jahr, das an die Corona-Pandemie verloren gegangen ist, abschreiben. Während nur 13 Prozent der Unternehmen in der Region MünchenNord-Ingolstadt das aktuelle Inlandsgeschäft positiv bewerten, kommen doppelt so viele zu einem negativen Ergebnis“, erläuterte Helmut Krauss, Vorsitzender der bayme vbm Region MünchenNord-Ingolstadt. Auch beim Exportgeschäft liege der Saldo im negativen Bereich. Die Erwartungen für 2021 seien zwar für etwa die Hälfte der Unternehmen verhalten positiv, die andere Hälfte rechnet mit einer unverändert schlechten Lage.

Von einem Nachkrisen-Aufschwung ist die Metall- und Elektrobranche um die Region Ingolstadt noch weit entfernt

Damit sei klar, dass auch das neue Jahr ein wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser für die Unternehmen bringe und die Branche von einem Nachkrisen-Aufschwung noch weit entfernt sei. Krauss räumte ein, dass sich die Branche schon vor Corona in einer Rezession befand. Seit Mitte 2018 sei die Produktion bereits rückläufig. Da die Pandemie die gesamte Weltwirtschaft getroffen habe, sei die Nachfrage nach deutschen Exportgütern stark gesunken. „Zwischenzeitlich waren die der Metall- und Elektroexporte um die Hälfte eingebrochen. Seit Sommer verzeichnen wir eine Erholung, die aber deutlich gebremst abläuft.“ Im Oktober lagen die Ausfuhren 6,4 Prozent unter denen des Vorjahres. Bei Luftfahrzeugteilen sei das Minus auf der Produktionsebene bei über 22 Prozent.

Helmut Krauss
Foto: Manfred Dittenhofer

Fragt man die Unternehmen des Verbandes, welche Erwartungen sie für das noch junge Jahr haben, so kommen die Antworten zurückhaltend. Jedes zweite Unternehmen rechnet in den kommenden Monaten mit einer sich nicht verändernden Lage. Dennoch fallen die Produktions- und Investitionspläne laut Krauss schwach positiv aus. Allerdings werde sich der Beschäftigungsrückgang weiter fortsetzen. Knapp 40 Prozent der Unternehmen befürchtet einen Personalabbau.

Die Ertragslage der Unternehmen bezeichnete Krauss als kritisch, aber differenziert. „Fast ein Viertel wird 2020 Verluste schreiben. Auf der anderen Seite erwarten rund 37 Prozent der Unternehmen eine Umsatzrendite von vier Prozent und mehr.“ Corona aber sei nur ein Brandbeschleuniger. Insgesamt sei die Wirtschaft in einem Strukturwandel hin zu Digitalisierung, Dekarbonisierung und Klimaneutralität.

Keiner der Vorstandsmitglieder der bayme Region MünchenNord-Ingolstadt wagte eine klare Prognose für das kommende Jahr. Es sei nicht prognostizierbar, wie negativ sich der aktuelle Lockdown auswirke, einerseits psychologisch auf das Konsum- und Investitionsverhalten, andererseits auf die Funktionsfähigkeit von Lieferketten. Die Unsicherheit sei enorm - nicht nur wegen Corona. Deshalb gebe es bei den derzeitigen Tarifverhandlungen keinen Verteilungsspielraum, so Helmut Krauss: „Es geht um die grundsätzliche Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts.“ Die laufende Tarifrunde entscheide über die Zukunft des Industriestandorts Bayern.

Metall- und Elektroindustrie in der Region Ingolstadt sollte eher mehr, statt weniger ausbilden

Auf die Frage nach dem Nachwuchs betonte bayme-Vorstandsmitglied Michael Mißlbeck, dass sein Unternehmen weiterhin Lehrlinge eingestellt und von Unternehmen, die aufgeben mussten, sogar einige übernommen hätte. Überhaupt waren sich auch die anderen bayme-Vorstandsmitglieder Andreas Karl und Robert Morgner einig, dass eher mehr als weniger ausgebildet werden müsste. Schwieriger sei vor allem der Kontakt zu den Absolventen. Viele Einstellungsprozesse liefen digital ab. Studenten hätten Probleme, ihre Pflichtpraktika abzuleisten. Obwohl die Berufsschulen, wie alle Schulen, online viel versuchen würden, sei das Ergebnis aber nur mittelmäßig. Vor allem den Azubis fehle die Präsenz, ohne die viel auf der Strecke bleibe.

Zahlen und Fakten zur Metall- und Elektroindustrie in und um Ingolstadt

  • Bis Januar 2020 gingen in der Metall- und Elektroindustrie bayernweit weniger als 1000 Arbeitsplätze pro Monat verloren. Seit Mai sind es über 3000.
  • Ende 2020 waren in Bayern 838.000 Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt - ein Minus von rund 34.000 Arbeitsplätzen verglichen mit Mai 2020.
  • Oberbayern: Rund 248.000 Beschäftigte, davon im Bereich München-Nord und Ingolstadt rund 130.000 Beschäftigte. (mad)

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