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27.06.2009

Ein wertvolles Kunstwerk wurde aufgewertet

Rennertshofen Rechtzeitig zum Pfarrfest am Sonntag kehrte eines der schönsten Kunstwerke der Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer, die Bernhard-Gruppe, nach eineinhalb Jahren Abwesenheit in die Kirche zurück. Fast 1000 Arbeitsstunden mussten Restaurator Roland Vogel aus Gempfing und sein Mitarbeiter Klaus Hackner aufbringen, um das aus dem frühen 16. Jahrhundert stammende Kunstwerk wieder auf Hochglanz zu bringen. "Die hohe Qualität der Skulpturen rechtfertigt den Aufwand: "Die bildhauerische Qualität der Arbeit ist sehr hoch. Sogar Details wie Adern, Locken, Zähne oder das Nagelbett der Zehen sind hervorragend ausgearbeitet", bewerten die Restauratoren das Werk.

VON MICHAEL GEYER

Die Bernhard-Gruppe ist in ihrer Darstellung etwas ungewöhnlich: Der noch lebende Christus beugt sich vom Kreuz zu dem davor auf einer zweistufigen Treppe knienden Heiligen Bernhard und streckt ihm die beiden Arme entgegen. Restaurator Vogel vermutet, dass das Werk aus den Ulmer Bildhauerwerkstätten von Weckmann stammt. Stilistische Vergleiche mit dem Zwiefaltener Relief im Württembergischen Landesmuseum deuten darauf hin, dass die Gruppe von einem der Mitarbeiter Weckmanns, dem Bildhauer Michael Erhart, gefertigt wurde. Angeblich stammt die Gruppe ursprünglich aus Kaisheim. Sie befand sich bis 1980 an der Außenmauer der Rennertshofener Sankt Leonhardskapelle, wurde 1980 notdürftig restauriert und in die Pfarrkirche gebracht.

Die Schichten der letzten Restaurierung wurden nun komplett entfernt. Darunter liegende Schichten waren, nicht zuletzt wegen der Verwitterung, stark gealtert und verschmutzt. Die Fachleute stellten bis zu fünf Fassungen unter der obersten Bemalung, der sogenannten Sichtfassung, fest. Nach Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege gab man der Bemalung von 1910 den Vorzug, nach ihrer Entstehung aufgebrachte Retuschen und Übermalungen wurden entfernt. "Es waren zwar auch noch Bestandteile der ursprünglichen, barocken Fassung auf dem Holz zu erkennen, doch die Unwägbarkeit, dass man nur noch etwa zehn bis 15 Prozent der Urfassung freilegen könne, war einfach zu groß. Mit der Fassung von 1910 waren wir auf der sicheren Seite", erklärt Vogel die Überlegungen der Restauratoren.

Ein wertvolles Kunstwerk wurde aufgewertet

Bei der Untersuchung mit Streiflicht wurden auch herrliche Ornamente auf Chormantel des Heiligen Bernhard sichtbar. Die Form des Musters wurde durch ein Abriebverfahren bzw. im Streiflicht erarbeitet und anschließend grafisch aufbereitet. Besonders schwierig war für die Restauratoren die "Cappa", eine schildartige Auflage des Pluvial- oder Chormantels. Auf ihr befindet sich eine als Reliefschnitzerei ausgebildete Weihnachtsdarstellung (Marie mit Jesuskind und Josef), die auf der bestehenden Fassung nach Befund rekonstruiert wurde. "Wir haben sehr viel herumgetüftelt, bis das Ergebnis akzeptiert wurde", erinnert sich Vogel. Das Ergebnis bestätigt ihn: Vom nun grünen Hintergrund der Cappa hebt sich die Darstellung der Weihnachtsgeschichte, die komplett in Blattgold gefasst wurde, deutlich ab.

Gemeinsam mit Pfarrgemeinderatsmitglied Alexander Daubmeier stellten die Restauratoren die Gruppe im Altarraum der Kirche auf, wo sie am Sonntag von 12.30 Uhr bis 14.30 Uhr besichtigt werden kann. Pfarrer Nikolaus Maier beziffert die Restaurationskosten auf rund 60 000 Euro und hofft noch auf Zuschüsse. An Spenden gingen bisher rund 42 000 Euro ein.

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