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02.10.2009

Eine Kneipe als Pulverfass

Ingolstadt Die beiden Herren kennen sich: Der eine ist 30 Jahre alt und verantwortlich, dass in einem Lokal in der Theresienstraße der Lärm für die Anwohner erträglich bleibt. Er nahm gestern auf der Anklagebank beim Amtsgericht Platz. Der andere ist 72, pensioniert, und beklagte sich über "die Pulks an Leuten" und die Lautstärke auf der nächtlichen Straße. Er sitzt im Zeugenstand. Zwischen beiden gab es schon öfter Auseinandersetzungen wegen immer desselben Themas. Dieses Mal geht um einen Bußgeldbescheid über 75 Euro. Den wird der Gastronom nun wohl nicht bezahlen müssen.

Vorwurf: Die Stühle seien nicht rechtzeitig aufgeräumt worden

Der jüngste Vorwurf lautet, die Tische vor dem Lokal seien am 11. April nicht um die vorgeschriebene Zeit nach innen gebracht worden. Deshalb hätten sich die Leute noch weit nach Mitternacht vor dem Lokal aufgehalten und Lärm gemacht. "Sie schreien, sie sind sehr laut", berichtete der Anwohner von seinem Dauerproblem. Dass die Tische an dem besagten Abend tatsächlich länger als erlaubt auf dem Gehsteig standen, das konnte er vor dem Richter Michael Fein allerdings nicht beweisen.

Der 30-Jährige konnte hingegen glaubhaft darlegen, dass das Personal die Außenbestuhlung auch am 11. April bis 0.30 Uhr weggeräumt hatte - also innerhalb der mit der Stadt mündlich vereinbarten Kulanzzeit. "Wir tun alles, damit das Pulverfass nicht explodiert", beteuerte er vor Gericht.

Eine Kneipe als Pulverfass

Gastronom wehrt sich gegen Bußgeldbescheid

Auch wenn er das Geld "mit Leichtigkeit" zahlen könnte, wehrte er sich gegen solche "Bußgeldbescheide wegen Nichtigkeiten". Richter Fein unterbrach die Verhandlung gestern, um die Kulanzvereinbarung mit der Stadt zu überprüfen. Sollte sie stimmen, will er das Verfahren einstellen.

Der Streit zwischen Wirten und Anwohnern schwelt seit Jahren und es steht die viel beschworene "Urbanität" und Lebendigkeit der Altstadt gegen die Ruhebedürfnisse der Bewohner. "Wir müssen Schlafmittel nehmen, um zu schlafen", klagte der Rentner vor Gericht. Die aktuelle Verhandlung gewinnt vor dem Hintergrund der Diskussionen um eine Wiedereinführung der Sperrzeit an Bedeutung.

Seit der emotional geladenen Bürgerversammlung Ende Juli steht das Thema bei den Stadträten wieder oben auf der Agenda. Polizeipräsident Ignaz Brunner forderte damals bereits eine Verlängerung der Sperrzeit.

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